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VL 9: Behandlung von Persönlichkeitsstörungen im Massnahmenvollzug

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Was gibt es für Gruppen psychischer Erkrankungen
nach ICD 10?
- Organische psychische Störungen
- Suchterkrankungen (53 - 86%)
- Schizophrenien (3 - 7%)
- Neurotische Belastungs- und somatoforme Störungen
- Affektive Erkrankungen (10%)
- Persönlichkeitsstörungen (65%)
- Verhaltens- und emotionale Störungen Beginn in
Kindheit /Jugend
- Entwicklungsstörungen
- Intelligenzminderungen
Was ist die Definition von Persönlichkeitsstörungen? (Persölichkeitsstruktur, Ursachen, Verhaltensmuster, persönliche und soziale Funktions-und Leistungsfähigkeit)
- Persönlichkeitsstruktur: unflexibel, wenig angepasst.
- Ursachen: Entwicklungsbedingungen in Kindheit & späteren Lebensabschnitten, genetische Faktoren, erworbene Hirnschäden.
- Verhaltensmuster weichen vom flexiblen, situationsangemessenen Erleben und Verhalten ab.
- Persönliche und soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit ist meistens beeinträchtigt.
- ich-synton
Wodurch ist man in welchen Bereichen beeinträchtigt?
Durch Denken/Fühlen/Verhalten ist man Interpersonell, Beruflich, im Kontakt mit der Gesellschaft oder in anderen wichtigen Funktionsbereichen beeinträchtigt.
Was sind die Kriterien nach ICD-10 für eine Persönlichkeitsstörung?
1. Deutliche Unausgeglichenheit in Einstellungen und in Verhalten in mehreren Funktionsbereichen (Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahrnehmung, Denken und in Beziehungen zu anderen)
2. Andauernd und gleichförmig und nicht episodisch (nicht "heilbar"...)
3. Tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen
Situationen unpassend
4. Beginn: Kindheit/Jugend (so gut wie immer)
5. Subjektives Leiden, wenn auch im späteren Verlauf (aber nicht zwingend)
6. Meistens deutliche Einschränkungen in beruflicher o.
sozialer Leistungsfähigkeit
"Wo" sind die Persönlichkeitsstörungen im ICD-10 verankert?
F6: Verhaltens- und Persönlichkeitsstörungen
F60: spezifische PS (F60.0-F60.9)
F61: kombinierte PS: Erfüllen von keiner Persönlichkeitsstörung alle Kriterien aber von verschiedenen ein paar.
Sind Persönlichkeitsstörungen pathologisch?
- PS sind Beziehungsstörungen (also im Kern eigentlich keine Störungen der Persönlichkeit)
- PS sind an sich nicht pathologisch (krankhaft); eher normale psychische Prozesse (Entstehung & Entwicklung meist gut nachvollziehbar), die leider zu kostenintensiven & dysfunktionalen Lösungen führen, die oftmals zu hoch problematischem Interaktionsverhalten führen (Sachse & Sachse, 2010)
--> D.h.: Klienten mit PS zeigen extreme Ausprägungen
«normalen» psychischen Funktionierens
Wie häufig sind Persönlichkeitsstörungen unter der Allgemeinbevölkerung, unter psychiatrischen Patienten und im Gefängnis prozentual?
- Allgemeinbevölkerung: 10.5%
- psychiatrische Patienten: 50 %
- Gefängnis: 65 %
Was sind die Ursachen einer Persönlichkeitsstörung (nach welchem Modell)?
Biopsychosoziales Modell:
>Genetische Faktoren:Temperament; Extraversion/Introversion; Affektive Labilität; Soziale Vermeidung; Beharrlichkeit
>Neurotransmitter (= Botenstoffe) Verminderte serotonerge Aktivität bei impulsiven persönlichkeitsgestörten Patienten mit auto- und fremdaggressiven Verhaltensweisen.
und:
>Biographische Erfahrungen:Traumatische Erfahrungen,
z.B. Borderline-PKS: höchste Rate an sexuellem Missbrauch; Antisoziale PKS: sexueller
und körperlicher Missbrauch; Interpersonelle Erfahrungen; Milieufaktoren
Wie wichtig ist die genetische Komponente von Persönlichkeitsstörungen?
ca. 25 % --> Nicht so stark. aber vor allem auch wichtig, dass möglicherweise Elternteil Persönlichkeitsstörung hat und die Erziehung dementsprechend geprägt ist.
Was gibt es für Persönlichkeitsstörungen und wie können sie eingeteilt werden? Was sind die jeweiligen Verhaltensmerkmale?
> Cluster A: sonderbar/exzentrisch:
- Paranoid (F60.0)
- Schizoid (F60.1)
--> Misstrauisch, affektarm, gefühlskalt, Bedrohung:
Wut-isoliert
> Cluster B: emotional, dramatisch, launisch:
- Dissozial (F60.2)-> Psychopathie
- Emot. instabil (F-60.3)
- Histrionisch (F60.4)
- Narzisstisch (DSM-IV)
-->Impulsivität, starke Wut, Idealisierung/Entwertung,
Nähe/Distanz, selbst- und fremdschädigendes Verhalten:In forensik am wichtigsten
>Cluster C: ängstlich, furchtsam:
- Ängstlich vermeidend (F60.6)
- Dependent (F60.7)
- Zwanghaft (F60.5)
- passiv-aggressiv (F60.8)
--> Anspannung,Besorgnis,Hilflosigkeit,
Abhängigkeit, kritikempfindlichkeit, gewissenhaft, passive Aggressivität
Was gibt es allgemein für Komorbiditäten bei Persönlichkeitsstörungen?
Sucht
Was gibt es beim Cluster B für Komorbiditäten?
- Dissozial PKS: PTSD (posttraumatische Belastungsstörung), Alkohol
- Borderline: PTSD, Alkohol, Panikstörung
- Narzißtisch: Alkohol
- Histrionisch: keine
Was gibt es bei Dependenter Persönlichkeitsstörung für Komorbiditäten?
Depression, generalisierte Angststörung
Wann wird eine Behandlung im Massnahmenvollzug nach Art. 59 StGB angeordnet?
> «Art.59 StGB»
> Art.56 ...wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten zu begegnen
> ...wenn ein Behandlungsbedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert
--> Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten soll nicht verhältnisunmässig sein.
> Gericht stützt sich auf Begutachtung (Notwendigkeit und Erfolgsaussichten einer Behandlung, Wahrscheinlichkeit weiterer Straftaten, Möglichkeit zum Massnahmevollzug).
> In der Regel nur wenn geeignete Einrichtung vorhanden.
> Falls Voraussetzungen für eine Massnahme nicht mehr erfüllte sind, wird diese aufgehoben.
Wann wird eine stationäre Massnahme angeordnet? Was ist das Ziel? Wo wird sie durchgeführt? Wie lange kann sie dauern?
Stationäre Massnahme:
- Psychische Störung: Zusammenhang Delikt & Störung, Ziel: Risiko für weitere Straftaten senken
- Psychiatr. Einrichtung/ Massnahmevollzugseinrichtung
- Schwerwiegende Tat -> im geschlossenen Rahmen solange wie aus Sicherheitsgründen notwendig
- Freiheitsentzug max. 5Jahre; Verlängerung je max.5Jahre
- Keine festgelegte Höchstdauer!!!
Ist das Gefängnis der richtige Ort um gesund zu werden...?
- Abteilung im Gefängnis vs. Forensische Abteilung in Klinik: Umgebung trist im Gefängis
- Regime Vollzug: Gefängnisordnung gilt für alle...Sanktionen
- Eingeschränkte Möglichkeiten
- Haltungen (Bsp.: euthyme Therapie, Leute haben das Gefühl die "Inhaftierten" sollen nicht auch noch "verwöhnt" werden)
--> Nein...
Was ist die Euthyme Therapie?
Gruppenprogramm zur Förderung Euthymen Erlebens und Verhaltens bei depressiven Patienten (1983):
> Euthymes Erleben:
- alles, was der Seele gut tut und sich positiv auf das
Befinden auswirkt
- immer assoziiert mit positiven Emotionen
- immer mit Wohlempfinden verbunden
> Wohlbefinden, Selbstfürsorge, sich selber etwas Gutes tun
> Im Zentrum stehen positive Verhaltens- und Erlebnisweisen, angenehme Ereignisse („Pleasant Events")
> Es wird mit Ressourcen und „Positivas" gearbeitet
> Ziel ist ein angemessener Umgang mit diesen Positivas
> Beschäftigung mit neg. Gedanken soll inhaltlich & zeitlich beschränkt werden
Was ist Genusstherapie?
- Ergänzung des Therapieangebots
- Keine fachspezifische Ausbildung notwendig
- Tagesstruktur ->Freizeitgestaltung unabhängig von finanz. Mitteln
- Störungsübergreifend -> Verbesserung störungsspezifischer Symptome
- Genuss vs. Suchtmittelgenuss (Ersatzbelohnung suchen)
- Evtl. Stärkung der Therapeutischen Beziehung -> Motivationssteigerung
- Verbesserung der sozialen Kompetenzen
- Empathie fördernd
- Gruppengefühl: „..da waren doch auch schöne Momente..."
Wie ist die Behandlung im Massnahmenvollzug organisiert?
- Therapiezimmer auf Wohngruppe
- Betreuungspersonal in Gruppentherapie
- Betreuung: besser ausgebildet; Doppelbesetzung:
Bezugspersonensystem
- 5x/Woche Rapport
- Wöchentlich Teamsitzung/ Fallvorstellung
- Alle 6 Wochen Supervision
- Ärztliche Visite alle 2 Wochen, STAO's, LV's
- Gemeinsame Erarbeitung von Konzepten
- Intensiverer Austausch (Therapie <-> Alltagsleben)
- Aktivitäten: Wohngruppenkochen, Sport, Wohngruppenabend
- Hausratsitzung, Gemeinsame Mittagessen
- BiSt (Bildung im Strafvollzug)
Wie verläuft das Standartassesment (Analyse) eines "Patienten"?
* Stammdaten/ Ausgangslage prüfen (sehr aufwändig)
* Störung (Diagnosen), Denken/Fühlen/Verhalten;
Beziehungen/ Interaktionsmuster
* soziales Umfeld/spez. Problembereiche
* Anlassdelikt/ Vordelinquenz
* Anamnese (Ergebnis)
* Ziele/ Motivation
* Risikoeinschätzung (HCR-20; RSVP; etc.)
Was fragt man sich zur Delinquenzgenese mit Hilfe deren man den Therapieplan erstellt? (Hypothese zur Delinquenzgenese)
Welche Faktoren haben das Delikt möglich gemacht?
situativ/konstellativ/Modus, Schema/Denken, Fühlen, Verhalten/Kontext
Was ist im Therapieplan enthalten?
- Reduzierung der Risikofaktoren
- Installierung von protektiven Faktoren
- Störvariablen/Hindernisse benennen und vermeiden
- Benennung von (Zwischen)Zielen
- Festlegung von Entscheidungszeitpunkten: --> Überpüfung der Hypothese, Bewährung der therapeutischen Strategie?
Was ist problematisch an der Therapeutischen Beziehung und wie wichtig ist sie?
- Problematisch: Doppelrolle (arbeit für Justiz aber gleichzeitig Helfer), nicht freiwillige Therapie für den Patienten
--> Therapeutische Beziehung ist der wichtigster Faktor für Therapie-Erfolg!!
- grösste Herausforderung mit PS (Bsp.: "Tests" durch die Patienten)
- ohne tragfähige Beziehung keine Konfrontation
Welche Haltung muss der Therapeut einnehmen?
- Jeder Mitarbeiter ist Modell/ Vorbild (auch restliches Personal)
- Umgang: wohlwollend, respektvoll, nicht wertend,
authentisch
- Umsetzung häufig herausfordernd wegen Delikten (umgang mit Mördern und Co)
- Zuverlässig/ «Wort & Versprechen» halten
- Mehr tun als «üblich» (auch mal etwas von sich selber preisgeben ist ok.)
Was sind die ersten und wichtigsten Voraussetzungen für eine gelungene Therapie?
- Störungseinsicht und Veränderungsmotivation (PS = ich-synton (dysfunktionale Schemata als Teil der eigenen Identität))
- Beziehungsmotiviert (Risiko für Reaktanz (Abwehrhaltung)) --> Beziehungsgestaltung
- Behandlungsbereitschaft
* Vor-und Nachteile von Störung bzw. Delikt
* Gewinn aus Therapie
* könnte Therapie helfen bei Umsetzung meiner Ziele
* Haftzeit nutzen/ kein Risiko
- Therapiefähigkeit
Was ist Komplementäres Beziehungsverhalten des Therapeuten?
- Wünsche des Klienten an Beziehung erfüllen
- Defizite aufdecken
- Wertschätzung des Klienten Schafft Vertrauen
- NUR WENN AUTHENTISCH (signal-kongruent)
- Nicht komplementär zur Spielebene!! (nicht auf Manipulation einsteigen)
- Nähe und Distanz («devil's principale»)
- Komplementarität & Konfrontation gehören zusammen
Wie "betreibt" man Komplementäres Beziehungsverhalten zur Motivebene bei Narzisten?
• Loben für gute Leistungen
• Einsame Anteile sehen
• Verstärkung nicht leistungsbezogener Interessen/
Verhaltensweisen
Wie "betreibt" man Komplementäres Beziehungsverhalten zur Motivebene bei Histrionischer PS?
• Adäquaten Wünschen entsprechen, den anderen nicht
• Feste Termine, Zeiten zuteilen
Wie "betreibt" man Komplementäres Beziehungsverhalten zur Motivebene bei Dissozialer PS?
• Den verletzten Anteil sehen, hinter der dominanten
Aussenfassade
• Klar und fair
• Gesunde Anteile ansprechen
Was gibt es für Suchtspezifische Intervention?
> Komorbidität Sucht
> Zusammenhang: Sucht & PS und Sucht & Delikt erforschen
> Motivation steigern zu Entzug und Co (andernfalls kann Therapie teiweise gar nicht wirken, weil dermassen müde und Co)
> Medikation/ Beikonsum vlt. gefährlich
Was gibt es für Therapeutische Interventionen?
- Psychoedukation
- Reduktion Symptome: Bsp.
--> Verhaltens-Wochenpläne
— Verstärkung erwünschten Verhaltens
— Reduktion destruktiven Verhaltens
- Verhaltensanalysen bei Fehlverhalten
- Deliktrekonstruktion
- Hausaufgaben
- Therapeut kann Angebot machen, es obliegt jedoch der Verantwortung des Patienten, ob er dieses Angebot
annimmt...
Was wird den Patienten für den Aufbau und die Verstärkung von Alternativverhalten gelehrt?
> Anderen zuhören, empathisch sein
> Auf andere eingehen und Bedürfnisse erfüllen
> Eigene Bedürfnisse deutlich machen
> Adäquat Rückmeldung geben
> Grenzen respektieren
> Grenzen setzen, nein sagen
> ANDEREN VERTRAUEN
Was ist eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung?
• Beschäftigung mit Details, Regeln, Listen, Ordnung, Plänen
• Perfektionismus, der bei der Aufgabenbehinderung behindert
• Betont die Arbeit zulasten von Freizeit und Freundschaften
• Übermässig gewissenhaft, rigide in Fragen von Moral, Ethik und Werten
• Schwierigkeiten, Dinge wegzuwerfen
• Delegiert nur widerwillig
• Geizig
• Beharrlich, starr
Was ist eine histrionische Persönlichkeitsstörung?
> Dramatische Selbstdarstellung, theatralischer Auftritt
> Leichte Beeinflussbarkeit durch andere
> Oberflächliche, labile Affekte
> Ständige Suche nach aufregenden Erlebnissen und Aktivitäten, in denen die Betroffenen im Mittelpunkt der
Aufmerksamkeit stehen
> Unangemessen verführerisch in Verhalten und Erscheinung
> Übermäßige Beschäftigung damit, äußerlich attraktiv zu sei.
Was ist eine schizoide Persönlichkeitsstörung?
> Nur wenige Tätigkeiten bereiten Freude
> Emotionale Kühle, abgeflachter Affekt, Distanziertheit
> Reduzierte Fähigkeit, warme, zärtliche Gefühle oder Ärger auszudrücken
> Erscheint gleichgültig gegenüber Lob und Kritik von anderen
> Wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit anderen Menschen
> Bevorzugung von Aktivitäten, die alleine durchzuführen sind
> Übermässige Inanspruchnahme durch Fantasien und
Introvertiertheit
> Hat keine oder wünscht keine engeren Freunde oder
vertrauensvollen Beziehungen (höchstens eine)
> Deutliches Gespür für geltende Normen; wenn nicht befolgt, geschieht dies unabsichtlich
Was ist eine paranoide Persönlichkeitsstörung?
> Übertriebene Empfindlichkeit bei Rückschlägen und
Zurücksetzungen
> Neigung, dauerhaft Groll zu hegen
> Misstrauen, Verdrehen von Erlebten, indem neutrale oder freundliche Handlungen als feindlich oder verächtlich missdeutet werden.
> Streitsüchtiges, beharrliches, situationsunangemessenes Bestehen auf eigenen Rechten
> Häufiges, ungerechtfertigtes Misstrauen in die Treue des Partners
> Ständige Selbstbezogenheit
> Häufige Beschäftigung mit dem Gedanken an „Verschwörungen" als Erklärung für Ereignisse
- Was hat jemand mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung für eine Haltung zu anderen?
- Was erhofft sich ein solcher Patient? (Motiv)
- Was ist das Krankheitsschema?
- Was wird als Bestätigung des Schemas gewertet?
- Was ist das Ziel des eigenen Verhaltens?
- Wie testet so jemand den Therapeuten?
- Wie soll der Therapeut komplementär handeln?
> Extremes Misstrauen/Annahme, dass andere sie beeinträchtigen wollen
> Motiv: Schützen eigener Grenzen & eigenen Territoriums/Autonomie/ Anerkennung/ Solidarität
> Schema: Grenzverletzung/ Wachsamkeit: Heftigste Reaktionen aufgrund des sich nicht ernst genommen
fühlens (keine Schwäche zeigen)
> Ablehnung des Gegenübers gilt als Bestätigung des Schemas
> Ziel: Distanz halten! Als gefährlich wirken
> Tests: „Provokation damit Therapeut sein „wahres Gesicht" zeigt (Infragestellung guter Absichten)
> Komplementarität: äusserst schwierig, weil Dilemma!
- Widersprüche ermöglichen
- Vorsicht mit Lob (sie glauben es nicht)
- Konfrontation erst nach langem und vorsichtig
Was ist eine ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung?
- Andauernde und umfassende Gefühle von Anspannung und Besorgtheit
- Ueberzeugung sozial unbeholfen, unattraktiv oder
minderwertig zu sein
- Übertriebene Sorge, in sozialen Situationen kritisiert
oder abgelehnt zu werden
- Eingeschränkter Lebensstil wegen Bedürfnis nach
körperlicher Sicherheit
- Vermeidung beruflicher und sozialer Aktivitäten die
zwischenmenschlichen Kontakt bedingen, aus Furch vor
Kritik, Missbilligung oder Ablehnung
- selbstunsicher : Wunsch nach Bindung, getraut sich nicht
- Wenig ich-synton; wenig manipulativ (wollen keine
Aufmerksamkeit)
ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung:
- Was erhofft sich ein solcher Patient (Motiv)?
- Testet er den Therapeuten?
- Was muss der Therapeut unbedingt beachten?
- Welche Therapieform kommt in Frage?
- Womit soll der Patient konfrontiert werden? Und wozu ermuntert?
- Zentrales Motiv: Anerkennung, Wichtigkeit
- Kaum Tests (infrage stellen von Interesse)
- Sie nicht vergessen auf Station
- Ergotherapie als Basis für Verhaltenstherapie
- Konfrontation: «selbsterfüllende Prophezeiungen» (wenn man sich in die Ecke verdrückt aus Angst das keiner mit einem redet, tut es auch keiner). Alternativen: Initiative & Risiko
Was ist eine dependente Persönlichkeitsstörung?
- Ermunterung oder Erlaubnis an andere, die meisten wichtigen Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen
- Unterordnung der eigenen Bedürfnisse unter die anderer Personen
- Mangelnde Bereitschaft zur Aeusserung selbst angemessener Ansprüche gegenüber Personen, von denen man abhängt
- Unbehagliches Gefühl oder Hilflosigkeit, wenn die Betroffenen alleine sind, aus übertriebener Angst, alleine nicht für sich sorgen zu können
- Häufiges beschäftigt sein mit der Furcht, verlassen zu werden
- Eingeschränkte Fähigkeit, Alltagsentscheidungen zu treffen ohne zahlreiche Ratschläge oder Bestätigung von anderen
dependente Persönlichkeitsstörung:
- Was haben die Personen für eine Einstellung gegenüber anderen?
- Was suchen sie immer?
- Was haben sie für Strategien um dies zu erreichen?
- Wie ist solches Verhalten?
-Testen sie den Therapeuten?
- Wie kann der Therapeut komplementär Handeln?
- Womit muss der Patient konfrontiert werden?
- Was ist das Ziel was der Patient lernen soll?
- Zentrales Schema: Unverlässlichkeit, fehlende Solidarität
- Bedürfnis nach Geborgenheit & Bindung (extreme Form der Nähe): allein sein vermeiden Strategien: unterordnen, unentbehrlich werden, Konflikte vermeiden
- Dependente sind hoch manipulativ: Unterordnung ist nicht altruistisch, sondern egoistisch
- Kaum Tests
- Komplementarität: verlässlich & Loyal sein/Zuverlässigkeit Alltag; Sich nicht Verantwortung durch Patienten abgeben lassen;
Helfen, sich selbst zu helfen (sich nicht einwickeln lassen von Jammern?)
- Konfrontation: Egoismus ihres Verhaltens
- Ziele: Autonomie, Konflikte, Entscheide
Was ist eine narzisstische Persönlichkeitsstörung?
> Größengefühl in Bezug auf die eigene Bedeutung
> Beschäftigung/Fantasien über unbegrenzten Erfolg, Macht Schönheit oder idealer Liebe
> Überzeugung, besonders zu sein und nur von anderen besonderen Menschen oder solche mit hohem sozialem Status oder Macht verstanden zu werden.
> Bedürfnis nach übermäßiger Bewunderung
> Anspruchshaltung
> Ausnutzung zwischenmenschlicher Beziehungen
> Mangel an Empathie, Ablehnung, die Gefühle und Bedürfnisse anderer anzuerkennen und sich mit ihnen zu identifizieren
> Neid oder Glaube, andere seien neidisch auf den Betroffenen
> Arrogante , hochmütige Verhaltensweisen und Attitüden
narzisstische Persönlichkeitsstörung:
- Was wünschen sich die Narzissten?
- Was haben sie für verschiedene Selbstschemata?
- Wie testen Narzissten den Therapeuten?
- Wie soll sich der Therapeut komplementär Verhalten?
- Was ist das Ziel?
- Zentrales Schema: Anerkennung; Wunsch: Feedback: Lob, Solidarität
- Negative & positives Selbstschema (parallel; nie gleichstark aktiv, manchmal bewusstsein, dass sie doch nicht so toll sind, manchmal nicht, je nach dem welche Komponente stärker ausgeprägt) ->Kompensation und je grösser Angeben, desto grössere Selbstzweifel
- Narzisstische Tests -> Herausforderung d. Doppelrolle
und Narzissten wollen kompetente Therapeuten
- Komplementarität: Klient nicht als defizitär definieren!
--> Kein Problem; aber Herausforderung; Sich nie auf Machtkämpfe einlassen; Keine Akzeptanz v. Vorgehen durch Klient: verwerfen; Loben (füttern): Kritik -> Kritikfähigkeit, Eigenständigkeit ->
theoretisiert -> Reflexivität/ loben für Alternativverhalten
- Teilweise Komplementarität zur Spielebene erlaubt
- Ziel: negative Annahme in der Therapie prüfen können
Was ist eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung?
> Tendenz unerwartet und ohne Berücksichtigung der
Konsequenzen zu handeln
> Tendenz zu Konflikten und Streitereien mit anderen
> Neigung zu Ausbrüchen von Wut und Gewalt, Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens
> Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden
> Unbeständige und launische Stimmung
Was ist der Typ Borderline vom emotional instabilen Patienten?
> Störung und Unsicherheit: Selbstbild, Zielen, „innere
Präferenzen" incl. sexueller, anhaltendes Gefühl von
Leere, Instabile Beziehungen, Krisen
> Bemühungen, Verlassen werden zu vermeiden
> Selbstschädigende Handlungen oder Drohungen damit
emotional instabile Persönlichkeitsstörung:
- Was ist das Motiv?
-Schema?
-Tests am Therapeuten?
- Was klarmachen und helfen zu ändern?
«Liebe mich wenn ich es am wenigsten verdiene, denn
dann brauche ich es am meisten»
- Motiv: Zuverlässigkeit, Solidarität
- Schema: Verlassenheit/Instabilität/ Missbrauch
- Tests: Beziehungen testen
- «Spalten»
- Schwarz-weiss Welt
- Selbstverletzungen, Konsum
- «Sich annehmen»
- Impulsivität, Frustrationstoleranz
- Emotionsregulation
- Traumaarbeit
Was ist eine dissoziale Persönlichkeitsstörung?
> Herzloses Unbeiligtsein gegenüber den Gefühlen anderer
> Deutliche und andauernde verantwortungslose Haltung und Missachtung sozialer Normen, Regeln und Verpflichtungen
> Unfähigkeit zur Aufrechterhaltung dauernder Beziehungen, keine Schwierigkeiten, sie einzugehen
> Sehr geringe Frustrationstoleranz und niedrige Schwelle für aggressives, einschließlich gewalttätiges Verhalten
> Fehlendes Schuldbewusstsein oder Unfähigkeit, aus negativer Erfahrung, insbes. Bestrafung zu lernen
> Neigung, andere zu beschuldigen oder Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, mit dem der Betroffene in Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist.
dissoziale Persönlichkeitsstörung:
- Warum verhalten sie sich so?
- Was wird versucht beizubringen?
> „Andere zerstören, angreifen, bevor sie es tun";„Andere auf Distanz halten"
> Beziehungsgestaltung: Ablehnung aushalten
> Grenzen setzen
> Empathie
> Verantwortung, Einhalten von Regeln, Schuldbewusstsein
> Frustrationstoleranz (Emotionsregulation)
> Kein Externalisieren
> Traumaarbeit
Was gibt es für mögliche Gruppentherapien?
> Schemagruppe
> R & R (Reasoning and Rehabilitations)
> Soziale Kompetenzen (Emotionsregulation)
> Antigewalt-Gruppe
Was sind die allgemeinen Kriterien der organischen
Persönlichkeitsstörung?
— Objektiver Nachweis und/oder Anamnese einer
zerebralen Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung
— Fehlen von Bewusstseinseintrübung oder ausgeprägten Gedächtnisstörungen
— Kein ausreichender oder überzeugender Beleg für
andere Verursachung der Persönlichkeits-und
Verhaltensstörung, die die Einordnung im Kapitel F6 rechtfertigen würden
Welche Kriterien müssen zusätzlich noch erfüllt sein, damit eine organische Persönlichkeitsstörung vorliegt?
Spezif. Kriterien:
— 1. die allgemeinen Kriterien müssen erfüllt sein
— 2. Mindestens 3 der folgenden Merkmale müssen über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten bestehen:
- Andauernd reduzierte Fähigkeit, zielgerichtete
Aktivität durchzuhalten, besonders, wenn es sich
um längere Zeiträume handelt und darum, Befriedigung aufzuschieben
- Eine oder mehrere der folgenden affektiven
Veränderungen (emotionale Labilität; Euphorie und
flache, inadäquate Scherzhaftigkeit, den
Umständen nicht angemessen; Reizbarkeit und/
oder Ausbrüche von Wut und Aggression; Apathie)
- Ungehemmte Aeusserung von Bedürfnissen oder
Impulsen, ohne Berücksichtigung der Konsequenzen o.
der sozialen Konventionen (Bsp.: extreme Vernachlässigung der Körperpflege)
- Kognitive Störungen, typischerweise in Form von:
ausgeprägtem Misstrauen u paranoiden Ideen
exzessive Beschäftigung mit einem einzigen Thema
- Auffällige Veränderung der Sprachreproduktion und des Redeflusses mit Umständlichkeit, Begriffsunschärfe,
zähflüssigem Denken und Schreibsucht
- Verändertes Sozialverhalten (Hyposexualität o.
Aenderung der sexuellen Präferenz)
Zusammenfassend: Wie sind Personen mit organischer Persönlichkeitsstörung?
> Fehlende Frustrationstoleranz, Gewaltdurchbrüche
> Lügen, manipulieren, beschuldigt, intrigant
> Kf. sehr bemüht, überfordert
> Sozialer Rückzug; Kindliche Bedürftigkeit, Unreife
> Sehr misstrauisch
> Distanzlos, unfähig Regeln einzuhalten
> Kritikunfähig, kein Durchhaltevermögen
> (Suizid)drohungen
> Freundlich, kooperativ vs. drohend, ablehnend, distanziert
> Bemüht guten Eindruck zu hinterlassen u als nicht
psychisch/auffällig krank zu wirken
> Auffällige Rechtfertigungstendenz/ Verzweifelte Appellation ihm zu glauben
Wozu dient der Therapieplan primär?
Therapieplan: Tragbar bleiben auf Abteilung -->
- keine körperliche Gewalt
- keine verbale Gewalt
- kein Konsum
- Verhaltensregeln
- Therapiemotivation
- Therapiebeziehung