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Uroflowmetrie - Durchführung
Patient uriniert in einen Trichter, dabei wird die Urinausscheidung pro Zeit aufgezeichnet und in eine Flusskurve eingetragen
Uroflowmetrie - Definition
Nicht-invasive Beurteilung von Miktionsdruck und Harnröhrenwiderstand anhand des Miktionsverlaufs
Uroflowmetrie - Indikationen
1) Verdacht auf Obstruktion der Harnröhre (z.B. benignes Prostatasyndrom, Harnröhrenstriktur)
2) Inkontinenzdiagnostik (zB bei neurogener Blasenentleerungsstörung)
Uroflowmetrie - Kurvenverlauf unregelmäßig, undulierend, wellenförmig
Hinweis auf eine Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie
Uroflowmetrie - Maximaler Harnfluss (Peak Flow)
Qmax normal: 15-50ml/s
Urethrozystometrie (Urodynamik / Zystometrie) - Definition
Methode zur Messung der Harnblasendrücke während des Miktionsvorgangs über einen transurethralen und rektalen Druckmesskatheter
Urethrozystometrie (Urodynamik / Zystometrie) - Durchführung
Messung über einen transurethralen und rektalen Druckmesskatheter sowie über ein EMG der Beckenbodenmuskulatur
Nierenszintigraphie (Radionuklidnephrographie) - Durchführung
- iv Gabe von Technetium und Messung der Verteilung im Körper mittels Gamma-Kamera
- statisch vs dynamisch
Statische Nierenszintigraphie - Indikation
- Beurteilung der Nierenmorphologie: Lage, Form, Größe, Anomalien
- Bestimmung der seitengetrennten Nierenfunktion
Statische Nierenszintigraphie - Substanz
DMSA-99m-Tc (reichert sich schnell im Nierenparenchym an und wird kaum renal eliminiert)
Dynamische Funktionsszintigraphie der Niere - Substanz
MAG3-99m-Tc (reichert sich schnell im Nierenparenchym an und wird fast vollständig tubulär sezerniert)
Dynamische Funktionsszintigraphie der Niere - Indikation
- Clearance der Niere im Seitenvergleich mit Messung der GFR und Rückschluss auf Harnabflussstörungen
- Beurteilung der arteriellen Perfusionsrate
Urethrozystographie (retrogrades Urethrogramm) - Indikation
Verdacht auf mechanische Läsionen wie Harnröhrenstrikturen, Verletzungen, Undichtigkeiten
Urethrozystographie (retrogrades Urethrogramm) - Durchführung
Darstellung der Harnröhre bis zur Harnblase durch retrograde Anfüllung mit Kontrastmittel
I.v. Urographie (Ausscheidungsurogramm, Ausscheidungsurographie, AUG) - Durchführung
i.v. Kontrastmittelgabe mit Röntgenbildern des Abdomens zu verschiedenen Zeitpunkten
I.v. Urographie (Ausscheidungsurogramm, Ausscheidungsurographie, AUG) - Indikation
Darstellung von Nierenausscheidung und Harnabflusswegen
I.v. Urographie (Ausscheidungsurogramm, Ausscheidungsurographie, AUG) - Kontraindikationen
- Hyperthyreose
- Niereninsuffizienz
- Kontrastmittelallergie
- Plasmozytom
Miktionsurethrogramm (Miktionszystourethrogramm)
Retrograde Befüllung der Harnblase mit Kontrastmittel mit Röntgenbildern während des Miktionsvorgangs mit Darstellung der Harnleiter und Harnröhre
Miktionsurethrogramm (Miktionszystourethrogramm) - Indikation
Diagnostik von vesikoureteralem Reflux und Harnröhrenstenosen
Statische Nierenszintigraphie
i.v. Gabe von DMSA-99m-Tc (99m-Tc-Dimercaptobernsteinsäure) und Messung der Verteilung im Körper mittels Gamma-Kamera
Dynamische Funktionsszintigraphie der Niere (Nierensequenzszintigraphie)
i.v. Gabe von MAG3-99m-Tc (Mercaptoacetyltriglycin) mit szintigraphischer Bildgebung und Aktivitätsmessungen von der Injektion bis zum Ende der Untersuchung (bis zu 30 Minuten)
Doppelniere
- Niere mit zwei Nierenbeckenkelchsystemen
- Krankheitswert nur bei assoziierter Ureterpathologie
Nierenagenesie
= Vollständiges Fehlen der Niere
- Bei beidseitiger Agenesie → Oligohydramnion (z.B. im Rahmen eines Potter-Syndroms)
- Bei unilateralen Befunden keine Therapienotwendigke
Niere - Gekreuzte Dystopie
Lageveränderung, bei der sich beide Nieren auf einer Körperseite befinden
Hufeisenniere
- Verwachsung beider Nieren am Unterpol
- Häufig keine Symptome
- Ggf. Harnabflussstörungen der Niere mit rezidivierenden Infekten, Hypertonie usw.
Ureter fissus
- 2 Harnleiter, aber nur 1 Harnleiterostium, da sich die Harnleiter vor der Mündung in die Harnblase vereinigen
- möglicher Jo-Jo-Effekt des Urins bei Y-förmigem Harnleiter (uretero-ureteraler Reflux)
Ureter duplex
2 Harnleiter und 2 Ostien, welche entsprechend der Meyer-Weigert-Regel münden
Meyer-Weigert-Regel
Bei Ureter duplex mündet der Harnleiter für die kraniale Nierenanlage immer kaudal des Harnleiters für die untere Nierenanlage in die Harnblase!
Pelvis bifidus
2 Nierenbecken, welche sich jedoch bereits am pyeloureteralen Übergang vereinen
Ren mobilis (Nephroptose) - Definition
Senkniere durch verminderte renale Fettkapsel (schlanke Menschen, Anorexia nervosa) --> Übermobilität der Niere
Schmerzen in der Flanke und im Unterbauch im Stehen und Schmerzrückbildung im Liegen spricht für
Ren mobilis (Nephroptose)
Ren mobilis (Nephroptose) - Therapie
1) Konservativ: Training der Bauchmuskulatur und Anpassung eines stabilisierenden Korsetts
2) Operativ: Laparoskopische Nephropexie = Fixierung der Niere über die Kapsel am M. psoas
Therapie bei rezidivierenden Pyelonephritiden und funktionsloser Niere durch Fehlbildung
Laparoskopische Nephrektomie
Blasenekstrophie - Ätio
Einschränkung des ventralen, mesodermalen Bauchwandverschlusses durch eine persistente Kloakenmembran
Blasenekstrophie - Therapie
Operative Korrektur (meist mehrschrittig) mit Verschluss von Blase, Harnröhre und Bauchdecke, Symphysenadaption
Blasenekstrophie - Zeitpunkt Therapie
Erste Lebensmonate bis 1.-2. Lebensjahr, abhängig vom Operationsverfahren
Balanoposthitis - Definition
Entzündung im Bereich der Glans penis und des Präputiums infektiöser oder nicht-infektiöser Genese
Phimose - Definition
angeborene oder erworbene Verengung der Vorhaut, die meist in Folge einer Balanoposthitis auftritt, jedoch auch andere Ursachen haben kann
Harnblasenekstrophie
durch einen fehlenden Verschluss der vorderen Bauchwand liegt die Harnblase sichtbar frei
Dorsal offene Harnröhre/Penis (mit dorsaler Penisdeviation)
Epispadie
Ventral offene Harnröhre/Penis (mit ventraler Penisdeviation)
Hypospadie
Hypospadie - Sonderform
infolge 5a-Reduktase-Mangel
Hypospadie - häufig in Kombination mit
Meatusstenose, einer ventralen Penisdeviation (bei Erektion) und einer dorsalen Vorhautschürze
offene Harnröhre/Penis - seltener und schwerwiegender
Epispadie
Harnblasenekstrophie und Epispadie - Ätio
Einschränkung des ventralen, mesodermalen Bauchwandverschlusses durch eine persistente Kloakenmembran
Palmure
Angeborene Anlagestörung mit Anwachsen des Skrotums an der Penisspitze (nicht wie üblich Peniswurzel) - Harnröhre nicht betroffen
Ausbildung eines Flügels (Schwimmhaut) zwischen Penisspitze und Skrotum bei der Erektion bei
Palmure
Harnröhrenklappen - Definition
Embryonale Fehlbildung nur bei Jungen mit Bildung von segelartigen Ausläufern im Bereich der membranösen und prostatischen Harnröhre
Harnröhrenklappen - Klinik
- idR kongenitale Hydronephrose oder ausgeprägter vesikoureteraler Reflux mit Megaureteren
- meist bereits Niereninsuffizienz bei Geburt durch postrenales Nierenversagen
Harnröhrenklappen - Therapie
- Transurethrale Resektion der Harnröhrenklappen nach passagerer Einlage eines suprapubischen Dauerkatheters
- Engmaschiges Follow-up, evtl. Nierentransplantation im Verlauf
- Pränataler vesiko-amniotischer Shunt möglich, jedoch mit hohem Eingriffsrisiko
Hypospadie - Therapie
Operation mit Verschluss des fehlangelegten Meatus urethrae externus und Bildung eines Neomeatus an der Spitze der Glans penis möglich
Phimose - Epi
Abnahme der Prävalenz mit steigendem Lebensalter
- 6. Lebensjahr: 8%
- 16. Lebensjahr: 1%
Balanoposthitis - häufigste Ursache
durch Smegma (Vorhauttalg) begünstigte Infektion mit Hefepilzen, Bakterien oder Viren
Balanoposthitis - seltenere Ursachen
- Reiter-Syndrom (Balanitis circinata)
- Psoriasis
- Fournier-Gangrän (Balanitis gangraenosa)
- Lichen sclerosus (Balanitis xerotica obliterans)
Balanoposthitis - Therapie
- Umschläge oder Sitzbäder mit Gerbstoffen (zB Tannolact)
- (Lokale) antibiotische Therapie
- Schmerztherapie
Balanitis symptomatica
- Psoriasis
- M. Behçet
- Lichen planus
- Erythema exsudativum multiforme
- Balanitis diabetica
- Pemphigus vulgaris
- Vernarbendes Pemphigoid
Kranzfurchenlymphangitis - Definition
Derber, quer verlaufender Bindegewebsstrang ohne Krankheitswert, der postbalanitisch oder nach häufigem GV auftreten kann
Kranzfurchenlymphangitis - Therapie
Symptomatisch mit Ibuprofen, Spontanheilung innerhalb weniger Wochen
Vorhautverklebung bei Säuglingen und Kinder
- 1. Lebensjahr: ca. 58%
- 3. Lebensjahr: ca. 35%
Keine Therapiebedürftigkeit!
Balanoposthitis - Therapie
- Bäder des Penis mit desinfizierenden Ingredienzien
- Antibiotische Therapie bei akuter Entzündung
- Sekundärprophylaxe durch hygienische Maßnahmen
- Operativ: Zirkumzision bei Rezidiven, relevanter Phimose
Phimose - konservative Therapie
- Lokale Glukokortikoidtherapie (kontraindiziert bei rezidivierenden Infekten oder obstruktiver Miktion)
- Lokale Östrogene
Paraphimose ("spanischer Kragen") - Mechanismus
Bei manuellem Überstreifen einer zu engen Vorhaut über die Glans penis: Einengung hinter der Glans → Venöse Abflussbehinderung → Schwellung des distalen Penis → Reposition der Vorhaut nicht möglich → Ödem und livide Verfärbung des Penis → Bei längerem Andauern: Ulzerationen und schwere Entzündungen
Paraphimose ("spanischer Kragen") - Therapie
Notfallmäßige Behandlung!, in Sedierung oder Narkose
- Verminderung des Ödems, Vorlegen von feuchten Kompressen, langsames Vorziehen der Vorhaut über die Glans
- Bei frustranem Therapieversuch: Ggf. notfallmäßiges Einschneiden des Schnürrings proximal der Glans (und im Verlauf Zirkumzision)
Mangelnde Genitalhygiene gilt als Risikofaktor für
Peniskarzinom
Kryptorchismus (Maldescensus testis) - Ätio
Androgenmangel (mangelnde nervale Differenzierung des N. genitofemoralis)
Kryptorchismus (Maldescensus testis) - konservative Therapie
Gabe von β-HCG oder GnRH (nervale Differenzierung des N. genitofemoralis)
Kryptorchismus (Maldescensus testis) - operative Therapie
1) Orchidopexie: Freilegung und Befestigung des Hodens im Skrotalfach beidseits
2) Orchiektomie: Entfernung des betroffenen Hodens
Spätere Entdeckung (>2 Jahre) eines Kryptorchismus sollte
bei erhöhtem Entartungsrisiko zur Orchiektomie führen
Ektoper Hoden
Fehlposition des Hodens außerhalb des Bereichs der natürlichen Deszensusstrecke (z.B. perineal, femoral)
Pendelhoden - Definition
Passagere Verschiebung des Hodens in den Leistenkanal durch Kremasterkontraktion, bei Entspannung folgenlose Repositionierung ins Skrotalfach
Pendelhoden - Therapie
keine Therapie notwendig
M. Ormond - Definition
- bindegewebiger Umbau des retroperitonealen Raum
--> Ummauerung und Medialisierung von Gefäßen und Ureteren mit Entstehung von venöser Stauung, Ödemen oder Nierenstauung
M. Ormond - Epi
- Geschlecht: ♂>♀(2:1)
- Alter: Häufigkeitsgipfel 40.- 60. Lebensjahr
M. Ormond - Ausbreitung
Prozess beginnt meist kaudal und setzt sich nach kranial fort
M. Ormond - Symptome
- Unspezifische Symptome wie Rückenschmerzen, Druckgefühl in den Flanken
- Einschränkung der Nierenfunktion durch Stauung
- Abflussbehinderung: Beinödeme und Ausbildung von Varikozelen
Ausscheidungsurogramm: Medialisierung der Harnleiter typisch für
M. Ormond
M. Ormond - Ätio
1) Primäre Form (M. Ormond)
- idiopathisch, wahrscheinlich autoimmuner Genese
2) Sekundäre Form (Ormond-Syndrom)
- Iatrogen
- Medikamentös
- Chronische Entzündungsprozesse
- Autoimmunkrankheiten
M. Ormond - auslösende Medikamente
Mutterkornalkaloide (Ergotamin) und deren Derivate (bspw. Bromocriptin)
M. Ormond - konservative Therapie
- Glukokortikoidgabe über einen Zeitraum von 6 Monaten
- Bei Therapieversagen erweiterte Immunsuppression
M. Ormond - operative Therapie
Bei Harnstau durch Harnleiterummauerung: Ureterolyse und Verlegung des Harnleiters nach intraperitoneal
M. Ormond - Komplikationen
Bedingt durch die Harnstauung
- Infektionen der Harnwege (Pyelonephritis)
- Chronische Druckschädigung → Niereninsuffizienz
Unterscheidung Neuroblastom vs. Nephroblastom
klinisch/Bildgebung kaum möglich, daher Diagnostik:
1) Katecholaminmetabolite im Urin: +ve bei Neuroblastom
2) 123I-MIBG-Szintigraphie: +ve bei Neuroblastom
1. Entwicklungsstufe der Niere
Pronephros (Vorniere)
2. Entwicklungsstufe der Niere
Mesonephros (Urniere) mit Kontakt zu Urnierengang (Wolff-Gang)
3. Entwicklungsstufe der Niere
Metanephros (Nachniere) mit metanephrogenem Blastem
Skrotalabszess - Definition
subkutane Eiterbildung im Bereich des Skrotums, die meist in Folge von entzündeten Haarfollikeln (oder iatrogen) entsteht
Skrotalabszess - Therapie
Inzision und operative Entlastung
Skrotalabszess - DD
- Neoplasie des Hodens
- Infizierte Hydrozele testis
- Condyloma acuminata
Fournier-Gangrän - Definition
- Nekrotisierende Fasziitis des äußeren Genitals
- Schnelles Fortschreiten der Infektion (bis Urosepsis) trotz verhältnismäßig unauffälligem Lokalbefund möglich
Fournier-Gangrän - Therapie
- Sofortige, radikale Exzision des betroffenen Gewebes bis ins Gesunde ⇒ spätere plastische Deckung
- 3x Antibiotika-Therapie mit Cephalosporinen, Gentamicin und Metronidazol
- Intensivmedizinische Überwachung
Urethritis - Erreger
- Chlamydia trachomatis (25%)
- Mykoplasmen: Ureaplasma urealyticum und Mycoplasma hominis (20%)
- Neisseria gonorrhoeae (20%)
- Enterokokken (15%)
- seltener Streptokokken (10%) und S. aureus (5%)
Urethritis - Initial kalkulierte Antibiose
Gabe von Fluorchinolonen
Akute und chronische Prostatitis - Erreger
v.a. E. coli, andere Enterobacteriaceae, seltener auch Mykobakterien und andere Bakterien
Chronisches pelvines Schmerzsyndrom (CPPS) - Erreger
kein Erreger nachweisbar
Asymptomatische Prostatitis (NIH IV)
Nachweis einer Entzündung (z.B. Leukospermie) ohne Symptomatik
Prostatitis - Symptome
- Fieber
- Schmerzen bei der Defäkation
- Dysurie
- Perineale Schmerzen
4-Gläser-Probe - 1. Portion
Anfangsurin, erste 10-20ml: Urethra
4-Gläser-Probe - 2. Portion
Mittelstrahlurin: Blase, obere Harnwege
4-Gläser-Probe - 3. Portion
Prostataexprimat, während Prostatamassage: Prostata
4-Gläser-Probe - 4. Portion
Exprimaturin, nach Prostatamassage: Prostata
Akute Prostatitis - Therapie bei Restharn und persistierendem Fieber
Einlage eines suprapubischen Dauerkatheters zur Harnableitung
Akute Prostatitis - Primärtherapie
Fluorchinolon für vier Wochen (z.B. Ciprofloxacin)
Chronifizierende Prostatitiden (NIH II-IV) - Therapie
Interdisziplinäre Behandlung - Mögliche Maßnahmen
- Adäquate Antibiotika-Therapie
- Gabe von Medikamenten für eine erleichterte Miktion: Tamsulosin und Finasterid
- Anticholinergika
- Antidepressive Therapie
- Probatorische Gabe von Phytotherapeutika
Granulomatöse Prostatitis
- Tastbefund wie bei Prostatakarzinom, jedoch Befund entzündlicher Genese
- Diagnose nur histologisch zu stellen (Stanzbiopsie erforderlich)
chronische Epididymitis
bei einer Entzündungssymptomatik >6 Wochen
Positives Prehn-Zeichen
Schmerzabnahme beim Anheben des Skrotums der betroffenen Seite bei Epididymitis
Epididymitis - Klinik
1) Lokale Entzündungszeichen am Skrotum (imposante Kardinalzeichen der Entzündung!)
2) Dysurie
3) Fieber
4) Positives Prehn-Zeichen
Epididymitis - Sono
- Darstellung eines aufgetriebenen Nebenhodens meist in Kombination mit einer Begleithydrozele
- eine Abszedierung oder Hodentorsion sind auszuschließen
Hydrozele testis - Definition
Schmerzlose Wassersackbildung zwischen den Hodenhüllen (im Prozessus vaginalis peritonei)
Hydrozele testis - rechts/links?
ca 60% rechts (verzögerter Deszensus)
Hydrozele testis - Ursache primär/juvenil
häufig Obliterationsstörungen des Processus vaginalis
Hydrozele testis - Ursache sekundär
- postentzündlich
- Eiweißmangel
- traumatisch (insb. thermisch)
- idiopathisch
Hydrozele testis - Diaphenoskopie
positiv: Licht wird nicht von Fremdkörpern absorbiert und scheint rötlich durch das Skrotum
Hydrozele testis - Procedere
- Bei Säuglingen: Spontane Rückbildung möglich
- Bei Patienten ≥1 Jahr: Immer OP!
Hydrozele testis - OP-Varianten
1) Bergmann (Resektion)
2) Lord (Raffnähte)
3) Winkelmann (um Hoden vernäht)
Varikozele testis - Ursache
Abnorme Erweiterung und Schlängelung (von Venen) des Plexus pampiniformis bedingt durch proximale Abflussbehinderung der V. spermatica
Varikozele testis - Symptome
- Schmerzlose Vergrößerung des Skrotums
- Missempfindung durch Größenzunahme möglich
Varikozele testis - Verbesserung des Lokalbefundes durch Lageänderung ("Hinlegen") bei
idiopathischer Varikozele
Varikozele testis - Ätio primär
- Abflussbehinderung und eine daraus resultierende Stauung
- Meist linksseitig (80%) aufgrund der rechtwinkligen Mündung der V. testicularis in die V. renalis
Varikozele testis - Ätio sekundär
- Kompression der V. testicularis
Beidseitig möglich, insb. durch eine Raumforderung im Retroperitoneum (z.B. M. Ormond, Lymphom) oder postthrombotisch (Plexus pampiniformis)
Varikozele testis - Therapie
Bei Beschwerden oder auf Patientenwunsch:
1) Mikrochirurgische subinguinale Resektion nach Goldstein: Methode der Wahl
2) Offen-chirurgische Verfahren (meist mit mikrochirurgischer Resektion des Plexus pampiniformis)
3) Varikozelensklerosierung (zB antegrad nach Tauber)
Spermatozele - Definition
Zystische Struktur des Nebenhodens, ausgehend vom Samenstrang und i.d.R. Spermien enthaltend
Spermatozele - Folgen OP
führt i.d.R. zur Sterilität der betroffenen Seite!
ARPKD - Mutation auf
Chr6
ADPKD - Mutation auf
1. Polycystin-Gen1 (85%): Chr16
2. Polycystin-Gen2 (15%): Chr4
polyzystische Nierenerkrankung mit Manifestation im Erwachsenenalter
ADPKD
polyzystische Nierenerkrankung mit Manifestation bei Geburt - Kindesalter
- ARPKD
- Multizystische Nierendysplasie (Potter II)
- Zystische Nierendysplasie bei fetaler Obstruktion des unteren Harntrakts (Potter IV)
polyzystische Nierenerkrankung mit Leberbefall
- ARPKD (obligat)
- ADPKD (sehr häufig)
ARPKD - Symptome
1) Vergrößerte Niere mit multiplen Zysten relativ gleichmäßiger Größe
- chronische Niereninsuffizienz und arterielle Hypertonie
- oft Hämaturie, Proteinurie
2) Obligate Leberfibrose mit möglicher hepatischer Insuffizienz und portaler Hypertension; Leberzysten
3) Ausladendes Abdomen und hochstehende Zwerchfelle → Lungenhypoplasie und respiratorische Insuffizienz
ARPKD - Prognose
- Früher Beginn führt zu einer Lebenserwartung von wenigen Monaten
- Bei spätem Erkrankungsbeginn: Lebenserwartung bis zu 10 Jahre bei adäquater und erfolgreicher Therapie
Multizystische Nierendysplasie (Potter II)
- Beginn: Geburt - Kindesalter
- Meist einseitige Nierenbeteiligung
- häufig eine vollkommen mit zahlreichen zystenartigen Hohlräumen durchsetzte Niere
- Stark vergrößerte, tastbare Niere, selten symptomatisch
eine bereits bei Geburt vollkommen mit zahlreichen zystenartigen Hohlräumen durchsetzte Niere, bei gesunder zweiter Niere - typisch für
Multizystische Nierendysplasie (Potter II)
ADPKD - Prognose
Dialysepflichtigkeit selten bei 40-jährigen, bei etwa 25% der 50-jährigen und 50% der 70-jährigen
ADPKD - Symptome renal
Multiple zystische Umwandlung umschriebener Nephronabschnitte (Mark und Rinde) beidseits → Chronische Niereninsuffizienz
ADPKD - Symptome extrarenal
1) Kardio/-vaskulär: Herzklappenfehler, arterielle Hypertonie, Hirnarterienaneurysma, LV-Hypertrophie
2) Sehr häufig multiple Leberzysten, seltener Pankreas-, Milz-, Ovarial- und Hodenzysten
3) Weiterhin häufiger: Dickdarmdivertikel, Hernien
Zystische Nierendysplasie bei fetaler Obstruktion des unteren Harntrakts (Potter IV) - Klinik
Je nach Ausprägung kann die Störung symptomlos verlaufen oder über eine massive Stauung im Nierenbecken zu einer akuten Niereninsuffizienz führen
Zystische Nierendysplasie bei fetaler Obstruktion des unteren Harntrakts (Potter IV) - Definition
- sekundäre Zystenniere aufgrund einer vorliegenden Obstruktion - der hohe Druck in den Harnwegen führt dabei zur Zystenbildung
- Therapeutisch wird idR eine Beseitigung der Obstruktion in kurativer Intention angestrebt
Markschwammniere - Sono
zystische, echoarme Erweiterungen der intrapapillären Sammelrohre mit einem echoreichen Saum, der den Markpapillen entspricht
Markschwammniere - Definition
- angeborene, aber nicht erbliche, medulläre zystische Nierenerkrankung (meist symptomloser Zufallsbefund)
- Nierenmark ist mit seinen Pyramiden zystisch erweitert
- vermehrte Calcium- und verminderte Säureausscheidung, was häufig zu Nephro- oder Urolithiasis führt
- rezidivierende HWI, Nephrolithiasis und chronische NI bei beidseitigem Befall (in ca. 75%) möglich
Behandlung von Nierensteinen infolge von erhöhter Calciumkonzentration im Urin (Hypercalciurie) mit
Thiaziddiuretika
Markschwammniere - Therapie
Prophylaxe von Nephrolithiasis mit Thiaziddiuretika (meist Kalziumphosphat- und -oxalatkonkremente)
Solitäre oder multiple Zysten der Niere
- Meist harmloser Zufallsbefund im Rahmen einer CT- oder sonographischen Untersuchung
- Echofreie, rundliche oder ovale Zyste mit dorsaler Schallverstärkung
- Therapie im weit überwiegenden Anteil nicht indiziert!
Enuresis - Definition
Mind. 2 Nächte pro Monat nach dem 5. Lebensjahr
Enuresis risoria (Giggle-Harninkontinenz)
Sonderform der Dranginkontinenz bei Kindern: Harnblasenentleerung wird durch Lachen getriggert
Formen der Harninkontinenz
1. Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz)
2. Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz)
3. Reflexinkontinenz
4. "Überlaufinkontinenz"
5. Extraurethrale Harninkontinenz
Inkontinenz durch passive Erhöhung des abdominellen Drucks (Lachen, Husten)
Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz)
Inkontinenz aufgrund autonomer, aktiver Detrusorkontraktion
Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz)
Inkontinenz aufgrund spinaler Schädigung (S2-S4 oder höher)
Reflexinkontinenz
Reflexinkontinenz - Pathophysiologie
- Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie mit unwillkürlichen Detrusorkontraktionen
- Gleichzeitige Kontraktion von Sphinkter und Detrusor
Kontraktion des M. detrusor vesicae durch
Parasympathikus → Vorderwurzel S2-S4 → Plexus hypogastricus inferior
Harnblasenentleerung durch
Willkürliche Entspannung des M. sphinkter urethrae externus durch N. pudendus
Extraurethrale Harninkontinenz
Urinabgang über Fisteln (zB postoperativ, post-Radiatio)
1) Blasen-Scheiden-Fistel
2) Ureter-Scheiden-Fistel
3) Fehlbildungen (ektope Uretermündung bei der Frau)
Permanenter Urinabgang bei dauerhaft leerer Blase bei
Blasen-Scheiden-Fistel
Permanenter Urinabgang über die Scheide bei regulärer Blasenfunktion bei
Ureter-Scheiden-Fistel
Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) - Stamey Grad I
Urinverlust bei starker körperlicher Belastung, Husten, Niesen und Lachen
Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) - Stamey Grad II
Urinverlust beim Gehen (Laufen) und Aufstehen
Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) - Stamey Grad III
Urinverlust im Liegen
Bonney-Test (Blasenhalselevationstest) bei Verdach tauf
Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz)
Chronische Harnretention (Harnverhalt) mit Harninkontinenz ("Überlaufinkontinenz") - Definition
Bei einem Harnverhalt und Überlaufblase kann der Harnblasendruck den Harnröhrenverschlussdruck übersteigen
"Überlaufinkontinenz" - mögliche Ursachen
- Subvesikale Obstruktion
- Anticholinergika und Medikamente mit anticholinerger Wirkung
Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) - konservative Therapie
- Gewichtsreduktion
- Regelmäßige Miktion
- Beckenbodentraining
- Elektromagnetische Beckenbodenkontraktionen
Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) - medikamentöse Therapie
1) Östrogenbehandlung der Vulva und der Vagina
2) Gabe von Duloxetin (SSNRI) zur Verstärkung der Sphinkterkontraktion möglich
Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) - operative Therapie
1) Einlage von Bändern zur Elevation der Harnröhre
- Tension-free vaginal tape (TVT)
- Transobturator tape (TOT)
2) Offen-operative Verfahren: Abdominale Kolposuspension nach Burch
Imperativer Harndrang mit unwillkürlichem Urinabgang bei
Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz)
Sensorische Urgeinkontinenz
Pathologisch gesteigerte Empfindlichkeit der Harnblase mit Auslösung einer reflektorischen Harnblasenentleerung
Motorische Urgeinkontinenz
Autonome Detrusorhyperaktivität
Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz) - Mittel der 1. Wahl
Anticholinergika (Parasympathikuswirkung gemindert → Hyperaktivität des M. detrusor vesicae nimmt ab)
Anticholinergika bei Dranginkontinenz
- Oxybutynin (auch bei Kindern!)
- Solifenacin
- Trospiumchlorid
- Darifenacin
Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz) - Alternative Therapien
- Alpha-Rezeptor-Blocker: z.B. Tamsulosin
- Weitere Parasympatholytika: z.B. Butylscopolaminbromid
- Trizyklische Antidepressiva: z.B. Imipramin (anticholinerge Wirkkomponente)
- Flavoxat (Spasmolytikum ohne anticholinerge Wirkung)
Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz) - Ultima ratio
1) Endoskopische Injektion von Botulinum-Toxin in unterschiedliche Punkte der Harnblasenwand
2) Ileumaugmentationsplastik der Harnblase
3) Zystektomie mit Bildung einer Ileumneoblase oder inkontinente Harnableitung per Ileumkonduit
Medikamente, die zu Harnverhalt (Ischurie) führen können
1. Trizyklische Antidepressiva (anticholinerg)
2. Sympathomimetika (Erhöhung des Sphinkter-Tonus)
Harnröhrenstriktur (Urethrastenose) - Definition
- Narbige Veränderung der Harnröhre (posttraumatisch, postinfektiös, iatrogen)
- Symptome: Schwacher, gespaltener Harnstrahl, Pollakisurie, Restharnbildung/-gefühl, Harnverhalt
- Uroflowmetrie mit Darstellung einer Plateauphase in der Miktion
Pollakisurie
- Häufiger Harndrang mit Entleerung geringer Harnmengen
- typisch für BPH und Entzündungen der unteren Harnwege
Harnröhrenstriktur (Urethrastenose) - Therapie
- Primär: Urethrotomia interna (Endoskopische Durchtrennung der ringförmigen Narbe bei 12 Uhr mit einem Messer)
- Bei Rezidiv: Harnröhrenplastik mit End-zu-End-Anastomose
Harnblasentamponade - Definition
- Blutgerinnsel, die die gesamte Harnblase ausfüllen
- dadurch verstopft der Harnblasenausgang und die Harnblase wird überdehnt
Sono: die komplette Harnblase ist mit inhomogenem Material unterschiedlichster Echodichte ausgefüllt, meist jedoch echoreich im Vergleich zum Urin spricht für
Harnblasentamponade
Harnblasentamponade - Therapie
Anlage eines transurethralen Spülkatheters: Ausräumung der Koagel und Spülen der Harnblase mit physiologischer Kochsalzlösung bis zum Sistieren der Blutung
Harnblasenfüllung bei Harnverhalt
mehrere Liter möglich (das normale Volumen einer Harnblase beträgt etwa 300-600ml)
Harnverhalt (Ischurie) - Therapie in Akutsituation
1) Transurethraler (Einmal‑)Katheter
- Indiziert bei einmaligen Verhalt
2) Suprapubischer Katheter
- Indiziert bei Verdacht auf urethrale Verletzungen
Kontraindikation für suprapubischen Katheter
- Massive Antikoagulation
- Schrumpfblase
- Zustand nach vielen abdominellen Operationen
- Harnblasentumoren (sowie Tumoren im Punktionsweg)
Harnverhalt (Ischurie) - Therapie
1) Anlage eines Dauerkatheters (suprapubisch bevorzugen)
2) medikamentös:
- 5-alpha-Reduktasehemmer (z.B. Finasterid)
- Alpha-Rezeptor-Blocker (z.B. Alfuzosin)
3) Behandlung der Grunderkrankung (z.B. TUR-P)
Überlaufblase - Ätio
Bei chronischen Harnverhalt durch subvesikale Obstruktion (z.B. bei Prostatahyperplasie) kommt es zur Dehnung der Harnblase mit Ausfall des regulären Empfindens
Überlaufblase - Symptome
- Massiver Harnverhalt mit Harnstauungsnieren beidseits
- Tröpfeln aus der Harnröhre bei eingeschränkter Miktion (Ischuria paradoxa)
- Komplikation: Postrenales Nierenversagen mit Anurie und Urämie
Ischuria paradoxa
Patient kann zwar nicht mehr adäquat miktionieren (wg. subvesikaler Obstruktion), jedoch übersteigt ab einem bestimmten Punkt der intravesikale Druck den Harnröhrenverschlussdruck
normaler Deszensus testis
von abdominal über den Leistenkanal bis ins Skrotum
primäre (idiopathische) Varikozele
Befundverbesserung im Liegen
sekundäre (symptomatische) Varikozele
keine Befundverbesserung im Liegen
primäre (idiopathische) Varikozele - Lokalisation
fast immer links, da die linke V. spermatica annähernd im rechten Winkel in die linke Nierenvene einmündet
prall-elastische Größenzunahme mit Verstreichen der skrotalen Fältelung typisch für
Hydrozele
Obere Harnabflussstörung
Obstruktionen der Nierenkelche, des Nierenbeckens oder der Ureteren
Untere Harnabflussstörung
Obstruktionen der Harnblase oder der Urethra
Sackniere
atrophisches Nierengewebe, das z.B. durch eine Hydronephrose entstanden ist
Hydronephrose in der Schwangerschaft
- bei ca. 90% der schwangeren Frauen; asymptomatisch
- meist der rechte Ureter betroffen, er im Verlauf der Schwangerschaft zunehmend zwischen dem Musculus iliopsoas und dem wachsenden Uterus komprimiert wird
Hydronephrose Grad I
Erweiterung des Nierenbeckens ohne Erweiterung der Nierenkelche ("erweitertes Nierenbecken")
Hydronephrose Grad II
Leichte Erweiterung des Nierenbeckens, der Kelchhälse und der Nierenkelche ("dilatierte Nierenkelche")
Hydronephrose Grad III
- Deutliche Erweiterung des Nierenbeckens, der Kelchhälse und der Nierenkelche
- Parenchym durch erweitertes Nierenbecken teilweise verdrängt ("abgeflachte Papillen")
Hydronephrose Grad IV
Parenchym durch erweitertes Nierenbecken vollständig verdrängt ("atrophisches Nierenparenchym")
Harnabflussstörungen - Symptome
- Kolikartige Flankenschmerzen ("So schlimm wie nie zuvor") ggf. mit Ausstrahlung in die Leiste oder das Genital
- Erbrechen
- Hämaturie
Häufigster Grund einer oberen Harnabflussstörung (akut und chronisch)
Nierensteine/Konkremente
Jede Harnabflussstörung ist ein begünstigender Faktor für
die Entwicklung von Harnsteinen und Harnwegsinfektionen mit der Gefahr einer Urosepsis!
Röntgennegative Nierensteine
1) Harnsäuresteine
2) Xanthinsteine
3) Indinavirsteine
Röntgenpositive Nierensteine (schattengebend)
1) Kalziumoxalatsteine
2) Kalziumphosphatsteine
Schwach röntgenpositive Nierensteine
1) Struvitsteine
2) Zystinsteine
Nierensteine im CT
Fast alle Steine (außer Indinavir-Steinen) zeigen sich als hyperdense Konkremente (>100 HE=Hounsfield-Einheiten)
Sono Niere - zentrales Reflexband
zentrale echoreiche Anteile der Niere, bestehend aus:
1) Nierenbecken
2) peripelvinem Fettgewebe
3) Lymphgefäße
"Aufspreizung des zentralen Reflexbandes"
nicht gestautes Nierenbecken ist normalerweise nicht sichtbar - bei einer Hydronephrose jedoch echoarm dilatiert
CT bei Hydronephrose
- Hypodense Dilatation des Nierenbeckens und der Nierenkelche
- ggf. perirenales Ödem (="Stranding")
CT bei Pyelonephritis
- Verzögertes Kontrastmittel-Enhancement des Parenchyms
- Flüssigkeitsansammlungen im perirenalen Fettgewebe (Capsula adiposa renis)
Bildgebung bei chronischen Harnabflussstörungen zur seitengetrennten Beurteilung der Nieren und Klärung der Operationsindikation
MAG3-Nierenfunktionsszintigraphie
Megakalikosis
Anlagebedingte Weitung der Nierenkelche ohne Ektasie des Nierenbeckens
Harnabflussstörungen - Therapie in Akutsituation
1) Doppel-J-Katheter
2) Perkutane Nephrostomie (PCN)
Doppel-J-Katheter
Transurethrale, endoskopische Einlage einer Schiene in den Harnleiter in Seldinger-Technik über das Hindernis hinweg
Perkutane Nephrostomie (PCN)
Retroperitoneale (1. Wahl) oder transabdominelle Einlage eines Katheters mit perkutaner Ausleitung
Ureterstenose - operative Therapie
Exzision der Harnleiterstenose und Defekt-Überbrückung:
1) Ureteroureterostomie
2) Psoas-Hitch-Plastik (Harnblase wird eleviert und am Psoas-Muskel fixiert)
3) Boari-Plastik (Lappen aus der Harnblase)
4) Ileum-Interponat
Nierenbeckenabgangsstenose - operative Therapie
- Nierenbeckenplastik nach Anderson-Hynes
- Indikationen: Progredienter Funktionsverlust der Niere, Flankenschmerzen oder rezidivierenden Pyelonephritiden
Eine Pyelonephritis wird angenommen
wenn bei einer Harnwegsinfektion Fieber, Flankenschmerzen oder ein Nierenklopfschmerz vorliegt
Pyelonephritis - Erreger
Enterobacteriaceae (Gram-negative Stäbchen)
- Escherichia coli (ca. 70% der Fälle)
- Proteus mirabilis
- Klebsiellen
komplizierte Pyelonephritis (Rezidivneigung!) bei
- Vesikoureteraler Reflux
- Neurogene Harnblasenentleerungsstörung
- Nephrolithiasis oder Urolithiasis
- Subvesikale Obstruktion
Pyelonephritis - Patho
Destruktive interstitielle Nephritis: Eitrige Entzündung des Interstitiums mit Destruktion des Parenchyms, der Nierentubuli und manchmal des Nierenbeckens.
Kalkulierte Therapie der Pyelonephritis - 1. Wahl
Fluorchinolone der Gruppe II oder III (z.B. Ciprofloxacin)
Kalkulierte Therapie der Pyelonephritis - 2. Wahl
1) Cephalosporine der 3. Generation (z.B. Ceftriaxon) ggf. + Aminoglykosid
2) (Acyl‑)Aminopenicilline + Beta-Laktamase-Inhibitor (z.B. Ampicillin/Sulbactam) ggf. + Aminoglykosid
3) Carbapeneme (z.B. Meropenem)
Pyelonephritis: Vorteil kalkulierter AB-Therapie mit Ciprofloxacin im Vergleich zu Cephalosporinen
Enterokokken werden abgedeckt
Pyelonephritis - Komplikationen bei Chronifizierung
1) Rezidivierende bakterielle Pyelonephritiden (Ask-Upmark-Niere)
2) Schrumpfniere
3) Terminale Niereninsuffizienz bei beidseitigem Befall, Einzelniere oder anderer Pathologie der 2. Niere
Pyelonephritis gravidarum - Definition
- Einfluss von Progesteron führt zu einer Weitstellung der Ureteren mit erleichterter Keimaszension (bei zusätzlich erhöhtem Glukosegehalt des Urins)
- Betroffen ist dabei v.a. die rechte Niere
- Häufigste Erkrankung im 1. Trimenon
Jede asymptomatische Bakteriurie im Rahmen einer Schwangerschaft
muss behandelt werden (einschließlich Urinkultur und testgerechter Anpassung der Medikation)
Pyelonephritis gravidarum - Fluorchinolone und Cotrimoxazol
Kontraindiziert
Pyelonephritis gravidarum - Therapie
Antibiotische Therapie mit
1) Breitbandpenicillinen (Amoxicillin, Ampicillin) oder
2) Cephalosporinen der 2./3. Generation (Cefuroxim)
Perinephritischer Abszess=
Eitrige Entzündung zwischen Niere und Gerota-Faszie
Paranephritischer Abszess=
Durchbruch der Gerota-Faszie mit Eiterentleerung ins Retroperitoneum
Risikogruppen für eine perinephritische Staphylokokkeninfektion
1) Intravenöser Drogenabusus
2) Intensivpflichtige oder dialysepflichtige Patienten
3) Immunsuppression
4) Herzklappenvitien und Endokarditis
Perinephritischer Abszess - Klinik
- Flankenschmerzen, evtl. mit Ausstrahlung in Bauch oder Rücken
- Hautrötung oder tastbarer Tumor unter der Haut
- systemisch: Fieber, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit
Perinephritischer Abszess - CT
- hypodenses Areal neben der Niere, evtl. mit Lufteinschlüssen
- Verwaschener Psoas-Schatten
- Ausschluss eines Urinoms durch i.v. Kontrastmittel-Gabe
Urinom
Außerhalb des Harntrakts gelegene Ansammlung von Urin im Körper, die insb. nach traumatischen oder operativen Verletzungen der Nieren/ableitenden Harnwege entsteht
Perinephritischer Abszess - Therapie
Entlastung des Abszesses
- Perkutane, retroperitoneale Abszessdrainage
- Operative Eröffnung
Niere - Kapsel
1. Capsula fibrosa renalis (gibt glatte Oberfläche)
2. Capsula adiposa
3. Fascia renalis (ventral: Gerota, dorsal: Zuckerkandl)
Primärer vesikoureteraler Reflux - Ätio
Embryonale Fehlentwicklung der Muskulatur des Trigonum vesicae
Sekundärer vesikoureteraler Reflux - Ätio
- Subvesikale Obstruktion (häufig mit Divertikelbildung)
- Iatrogen (Nach Operationen mit Manipulation im Bereich des Trigonum vesicae (z.B. TUR-B))
Ektopes Harnleiterostium
Mögliche Lage des Ostiums in der Urethra mit Reflux bei der Miktion
VUR nach Parkkulainen/Heikel Grad I
Reflux in den Harnleiter, jedoch nicht bis in das Nierenbecken
VUR nach Parkkulainen/Heikel Grad III
Reflux bis in das Nierenbecken mit leichter Dilatation des Hohlsystems und leichtgradiger Verplumpung der Kelche
VUR nach Parkkulainen/Heikel Grad V
Reflux mit starker Dilatation des Hohlsystems und Ureterkinking sowie verplumpten Nierenkelchen mit größtenteils nicht mehr sichtbaren Papillen
Megaureter mit Reflux - Definition
- Angeborene Erweiterung des Harnleiters
- ursächlich für ca. 20% der pränatalen Hydronephrosen
Whitaker-Test
Nierenbeckendruckmessung über eine Wassersäule nach Anlage einer Nephrostomie
Retrograde Pyelographie
Transurethrale Sondierung des Harnleiters und retrograde Kontrastmittel-Darstellung
Primär obstruktiver Megaureter
- prävesikaler aperistaltischer enger Ureter mit prästenotischer Dilatation
- Stenose entsteht durch Entwicklungsstop des Ureters
Sekundär obstruktiver Megaureter
Dekompensation des Ureterdurchtritts durch die Harnblasenwand bei:
- Neurogene Harnblasenentleerungsstörung
- Urethralklappen
- Erhöhung vesikaler Drücke verschiedener Genese (z.B. bei subvesikaler Obstruktion)
Megaureter mit Reflux - Therapie bei primärer Obstruktion
- Exzision der Stenose bei relevanter Enge im Szintigramm und Nierenfunktionsverlust
- Ansonsten konservative Therapie mit regelmäßiger Verlaufskontrolle
Megaureter mit Reflux - Therapie bei sekundärer Obstruktion
Therapie des Grundleidens
VUR - Bestimmung des Schweregrads des Reflux über
Miktionsurethrogramm
VUR - konservative Therapie
Hohe Spontanheilungsrate!
- Dauerhafte antibiotische Therapie bei Bakteriurie und rezidivierenden Infekten
- Dreizeitige Miktion zur Entleerung des refluxiven Ureters
- Feste Miktionsfrequenz
- Engmaschige Verlaufskontrollen
VUR - Indikation operative Therapie
- Reflux > IV. Grades
- Verschlechterung der renalen Funktion
- Rezidivierende, nicht kontrollierbare Infekte
VUR - operative Therapie
1. Endoskopisch: Unterspritzung des Harnleiterostiums mit Silikon
2. Offen operativ:
- Methoden der anti-refluxiven Harnleiterneuimplantation (zB Lich-Gregoir, Leadbetter-Politano oder Cohen)
- Ureter-Ureterostomie
- Nephroureterektomie bei szintigraphischer Nierenfunktion unter 20%
Rezidivierende Harnwegsinfektion
≥2 Infektionen/Halbjahr oder ≥3 Infektionen/Jahr
Asymptomatische Bakteriurie
Vorliegen einer signifikanten Bakteriurie ohne Symptome
Unkomplizierte Harnwegsinfektion
Infektion der Harnwege ohne relevante funktionelle oder anatomische Anomalien, Nierenfunktionsstörungen oder Begleiterkrankungen, die eine Harnwegsinfektion bzw. Komplikationen begünstigen
Urozystitis bei Männern primär immer eine
komplizierte Harnwegsinfektion
Bei Kindern häufig Zystitis durch
Adenoviren
Urinkultur: signifikante Bakteriurie ab
- 10^5 KBE/ml
- bei entsprechenden klinischen Symptomen (Dysurie etc.) sind bereits 10^3 KBE/ml als klinisch relevant zu werten
- suprapubisch gewonnener Katheterurin: jede Bakteriurie auffällig!
Urozystitis - Indikation für Urinkultur
jeder Verdacht einer Harnwegsinfektion (außer Frauen mit unkomplizierter Zystitis)
Jeder Verdacht auf eine komplizierte Zystitis bedarf
einer ambulant-urologischen Abklärung des gesamten Urogenitaltraktes!
Interstitielle Zystitis - Definition
Seltene, abakterielle und schmerzhafte Zystitis mit chronischem Verlauf und Fibrosierung der Harnblasenwand
Interstitielle Zystitis - Diagnostik
Als pathologisches Korrelat gilt eine Mastzellinfiltration in zystoskopischen Harnblasenprobebiopsien als wegweisend
Interstitielle Zystitis - Klinik
- Chronische Pollakisurie
- Suprapubische Schmerzen
- abakteriell
Interstitielle Zystitis - Therapie
- Keine kausale Therapie bekannt
- Interdisziplinäres Konzept mit Behandlung der chronischen Schmerzen (z.B. durch Antidepressiva und intravesikale Injektionen)
unkomplizierte Urozystitis - Therapie der 1. Wahl
Fosfomycin-Granulat (einmalig 3g)
unkomplizierte Urozystitis - Therapie der 2. Wahl
- Nitrofurantoin
- Cotrimoxazol=Trimethoprim/Sulfamethoxazol (cave: Resistenzen bei E. coli)
unkomplizierte Urozystitis - Reserveantibiotika
- Fluorchinolone (z.B. Ciprofloxacin)
- Orale Cephalosporine (z.B. Cefuroxim)
unkomplizierte Urozystitis - warum Nitrofurantoin nur noch Mittel der 2. Wahl
aufgrund potentiell schwerwiegender Nebenwirkungen (wie Lungenfibrose)
Urozystitis - in ca. 80% der Erreger
E. coli
komplizierte Urozystitis - Therapie der 1. Wahl
- Fluorchinolone (z.B. Ciprofloxacin, Levofloxacin)
- Cephalosporine der Gruppe IIIa (z.B. Ceftriaxon)
Urozystitis - Prävention
1) Erhöhte Trinkmenge
2) Miktion direkt nach dem Koitus
3) Im Falle von rezidivierenden Infekten:
- Möglichkeit der Impfung gegen bestimmte E. coli-Stämme
- Langfristige antibakterielle Medikation (zB Cotrimoxazol für 6 Monate)
Urozystitis in der Schwangerschaft - Therapie
- Orale Cephalosporine (z.B. Cefuroxim)
- Fosfomycin-Granulat
- Amoxicilllin
häufigste maligne Neoplasie der Niere im Kindesalter
Nephroblastom (Wilms-Tumor)
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - Epi
Tumor des Kleinkindesalters: Häufigkeitsgipfel zwischen 2. und 4. LJ, kaum Erkrankungen nach dem 8. LJ
Tumorsuppressorgene, bei deren Funktionslosigkeit die Entstehung des Nephroblastoms begünstigt wird
1. Wilms-Tumor-Suppressor Gen 1 (11p13 mit Nähe zu AN-2)
2. Wilms-Tumor-Suppressor Gen 2 (11p15)
3. p 53 (17p)
4. Verlust von Anteilen der Chromosome 16 und 1
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - häufigste Subtypen
1) Klassischer Typ (80%)
2) Anaplastischer Typ (10%)
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - Klassischer Typ
"triphasische Metaplasie": Metanephritisches/metanephrogenes Blastem inselartig angeordnet mit epitheloiden und stromatoiden Bereichen
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - Anaplastischer Typ
- Polymitotische Zellstruktur mit stark hyperchromatischen Kernen
- Prävalenz bei 10% der Wilms-Tumoren mit schlechter Prognose aufgrund mangelnder Chemosensibilität
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - Symptome
- Symptomarme Erkrankung
- Zunahme des Bauchumfangs (Völlegefühl)
- Abgeschlagenheit
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - SIOP V
Wilms-Tumor beider Nieren bei Diagnosestellung
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - SIOP IV
Organmetastasen hämatogener Genese
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - SIOP II
- Durchbruch der Nierenkapsel, jedoch vollständige Resektion möglich
- Miteinbeziehung extrarenaler Gefäße
- Zustand nach Biopsie oder intraoperativer Ruptur
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - Tumorbiopsie
- hohes Risiko einer peritonealen Tumorzellaussaat
- Nur zur Diagnosesicherung vor neoadjuvanter Chemotherapie in fortgeschrittenem Stadium
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - Goldstandard in der Therapie
radikale Nephrektomie: en-bloc ohne Tumorruptur
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - neoadjuvante Chemotherapie bei
Stadium V (beidseitiger Befall)
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - Therapie Stadium I und II
- Radikale Nephrektomie (en-bloc ohne Tumorruptur)
- anschließend adjuvante Chemotherapie
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - Therapie Stadium III-V
- Radikale Nephrektomie (en-bloc ohne Tumorruptur)
- anschließend Radiochemotherapie
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - Prognose
Sehr gut: Ca. 85% der Patienten können geheilt werden
- Tumor auf Niere beschränkt (Stadium I): 98%
- Fernmetastasierung (Stadium IV) oder bilateraler Befall (Stadium V): 60%
Rezidive meist innerhalb der ersten 2 Jahre
WAGR-Syndrom
Wilms-Tumor
Aniridie
Gonadoblastom (urogenitale Fehlbildung)
Retardierung (geistig)
Nephroblastom (Wilms-Tumor) - Risiko bei Hufeisenniere
2- bis 7-fach erhöhte Tumorinzidenz
Urolithiasis - mit 75% häufigster Steintyp
Kalziumoxalatsteine
Urolithiasis - mit 10-20% 2.-häufigster Steintyp
Struvitsteine
Urolithiasis - mit 5-10% 3.-häufigster Steintyp
Harnsäuresteine
Urolithiasis - Auftreten bei Hyperpara und RTA
Kalziumphosphatsteine
Urolithiasis - Auftreten bei Rückresorptionsstörung von Aminosäuren
Zystinsteine
Urolithiasis - Auftreten bei Allopurinol-Gabe (oder genetischem Defekt der Xanthinoxidase)
Xanthinsteine
Urolithiasis - Alkalisierung des Harns zur Prophylaxe bei
1. Kalziumoxalatsteine
2. Harnsäuresteine (*auch Chemolitholyse möglich!)
3. Zystinsteine
Urolithiasis - Ansäuerung des Harns zur Prophylaxe bei
1. Struvitsteine
(2. Kalziumphosphatsteine)
oxalatreiche Ernährung
Kaffee, Kakao, Nüsse, Rhabarber, rote Beete, Spinat
Säurestarre
- über Wochen bis Monate konstant bleibender Urin-pH-Wert im sauren Bereich (pH<7)
- provoziert die Bildung von Kalziumoxalat- und Harnsäuresteinen
Struvitsteine=
Magnesiumammoniumphosphat
Struvitsteine - Ätio
- HWI, bevorzugt durch Urease-bildende Keime (v.a. Proteus-Infektionen, selten Klebsiella, Pseudomonas und Staphylokokken)
- Alkalisierung des Urins durch basische Ammonium-Ionen → Ausfall von Magnesiumammoniumphosphat begünstigt
Struvitsteine - Prophylaxe
- Eradikation des Harnwegsinfekts durch antibiogrammgerechte Therapie
- Ansäuern des Harns (mit Methionin)
Harnsäuresteine - Therapie
- Alkalisierung des Harns über mehrere Wochen (orale "Chemolitholyse"): Alkalizitrate, z.B. Kaliumnatriumhydrogencitrat oder Natriumbikarbonat
- Allopurinol
Harnsäuresteine - Urikosurika
bewirken eine vermehrte Harnsäureausscheidung und verstärken somit die Steinbildung
Zystinsteine - Ätio
Autosomal-rezessiv vererbte Rückresorptionsstörung von Aminosäuren (u.a. Zystin)
Nitroprussidprobe
Nachweis von Zystin im Urin: Zyanid reduziert Zystin zu Zystein → Dieses wird durch Nitroprussid rot
- Positiv bei Cystinurie, Homocystinurie und massiven
allgemeinen Aminoacidurien
Urolithiasis - Röntgenpositiver Stein und Hyperkalziämie typisch für
Kalziumoxalatsteine
Urolithiasis - schwach röntgenpositiver Stein und HWI typisch für
Struvitsteine
Urolithiasis - röntgennegativer Stein und Adipositas typisch für
Harnsäuresteine
Urolithiasis - Symptome
- Kolikartige Schmerzen (Flanke und Abdomen)
- Ggf. klopfschmerzhafte Nierenlager
- Übelkeit und Erbrechen
- Paralytischer Subileus möglich (reflektorisch)
Urolithiasis - Akutbehandlung bzw. konservative Therapie
1. Analgesie (NSAR, Metamizol)
2. Alpha-Blocker (z.B. Tamsulosin), Spasmolytika (z.B. Butylscopolamin)
3. Erhöhung der Trinkmenge
4. Körperliche Bewegung
Urolithiasis - Indikation Steinentfernung
- Leitlinie: Bei Uretersteinen >5 mm
- Bei frustraner konservativer Therapie, bei Abflusshindernis oder rezidivierenden Infekten
Urolithiasis - Steinentfernung
1. Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) ist (noch) MdW bei den meisten Konkrementen
- Voraussetzung: Stein in Röntgen u./o. Ultraschall darstellbar (v.a. kalziumhaltige Steine)
2. Endoskopischer Eingriff
- Perkutane Nephrolitholapaxie (Seldinger-Technik)
- Ureterorenoskopie (retrograde Harnleiterspiegelung, mit mit Laserlithotripsie)
endoskopische Steinentfernung - ab Größe >2.5cm
Perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL)
- Zugangsweg bei Ureterorenoskopie wäre zu klein!
vom Tubulusepithel ausgehendes Adenokarzinom der Niere
Nierenzellkarzinom
vom proximalen Tubulus ausgehendes Nierenkarzinom
Klarzelliges (80%) und papilläres (10%) Nierenzellkarzinom
vom kortikalen Sammelrohr ausgehendes Nierenkarzinom
Chromophobes Nierenzellkarzinom
Nierenzellkarzinom - Epi
- Häufigster bösartiger Nierentumor
- 3% aller Tumorerkrankungen
- Geschlechterverhältnis: ♂>♀ (1,5:1)
- Häufigkeitsgipfel im 60.-70. Lebensjahr
Nierenzellkarzinom - assoziierte hereditäre Syndrome
- Von-Hippel-Lindau-Syndrom
- Birt-Hogg-Dube-Syndrom
- Hereditäres papilläres Nierenzellkarzinom (HPRCC)
- Tuberöse Sklerose
- Hereditäre Leiomyomatose
Nierenzellkarzinom - auslösende Toxine
- Trichlorethen (Entfettungsmittel)
- Cadmium
- Blei
Nierenzellkarzinom - Risikofaktoren
1) Nikotinabusus
2) Niedriger Sozialstatus
3) Grunderkrankungen
- Terminale Niereninsuffizienz
- Übergewicht
- Arterieller Hypertonus
4) Genetisch
5) Toxine (Cadmium, Blei, Trichlorethen)
Onkozytom - Definition
- gutartiger Tumor bis 10cm Größe
- ausgehend vom Nierenparenchym
Onkozytom - Prognose
selber nicht invasiv, Umwandlung in Nierenzellkarzinom jedoch möglich
Onkozytom - Therapie
- Überwachung
- Nephron-schonende Entfernung bei Größenzunahme (Verdacht auf Umwandlung in Nierenzellkarzinom)
Onkozytom - Histo
- Makroskopie: Brauner Tumor mit zentraler, sternförmiger Vernarbung
- Mikroskopie: Körnig-eosinophiles Plasma mit dicht gepackten, vergrößerten Mitochondrien
Angiomyolipom
- gutartiger Nierentumor (enthält Gefäße, Muskel- und Fettgewebe)
- Häufiger bei Frauen im mittleren Lebensalter und bei tuberöser Sklerose (hier oftmals multipel)
Nierenzellkarzinom - häufiger auf die Niere begrenzt und damit insgesamt eine bessere Prognose
Papilläre und chromophobe Nierenzellkarzinome
Nierenzellkarzinom - T2
Tumor begrenzt auf die Niere, Tumorgröße >7cm
-a: 7-10cm
-b: >10cm
Nierenzellkarzinom - T4
- Infiltration über Gerota-Faszie hinaus oder
- ipsilateraler Nebennierenbefall
Nierenzellkarzinom - T3
Perirenale- oder Gefäßinfiltration, jedoch innerhalb Gerota-Faszie und ohne ipsilateralen Nebennierenbefall
Nierenzellkarzinom - Symptome
meist keine Symptome (50% Zufallsbefund)
- Makrohämaturie
- Flankenschmerzen
- Pyelonephritis
- Tastbarer Oberbauchtumor
Stauffer-Syndrom
- Paraneoplastisches Syndrom bei Nierenzellkarzinom
- Leberwerterhöhungen (v.a. alkalische Phosphatase) und Gerinnungsstörungen
- Ursache ist unbekannt
- nach erfolgter Nephrektomie kommt es zur Besserung
Nierenzellkarzinom - paraneoplastische Syndrome
1. Hyperkalzämie durch die Bildung von PTHrP
2. Stauffer-Syndrom:Leberwerterhöhungen (v.a. alkalische Phosphatase) und Gerinnungsstörungen
3. Gynäkomastie, Cushing-Syndrom, Hirsutismus, Thrombozytose
Nierenzellkarzinom - Tumorbiopsie
bei unklaren Befunden (entgegen früherer Empfehlung nicht kontraindiziert)
Nierenzellkarzinom - wie differenzieren zu Urothelkarzinom des Nierenbeckens
Urinzytologie oder Ureterorenoskopie
Nierenzellkarzinom - Metastasierung absteigend nach Vorkommen
1. Lunge
2. Knochen
3. Leber
4. Gehirn
5. Haut
Nierenzellkarzinom - 5-Jahres-Überlebensrate Stadium IV
15%
Nierenzellkarzinom - 5-Jahres-Überlebensrate Stadium II
85%
Nierenzellkarzinom - Therapie der Wahl Stadium I
Parenchymsparende Nierenteilresektion
Nierenzellkarzinom - Therapie der Wahl Stadium II-III
Radikale Nephrektomie
- Bei Einzelniere oder anderen Risiken für eine Niereninsuffizienz: Parenchymsparende Nierenteilresektion
Nierenzellkarzinom - Therapie der Wahl Stadium IV
Radikale Nephrektomie ± Metastasenchirurgie ± Resektion von Tumorzapfen in der V. cava inferior
Nierenzellkarzinom - Therapie bei Irresektabilität
Neoadjuvante Systemtherapie (Signaltransduktionswege!) + anschließende Nephrektomie ± Metastasenchirurgie
Nierenzellkarzinom - warum keine Chemotherapie
hohe Resistenz wegen Expression des MDR-1-Proteins (multidrug resistance protein-1), welches hydrophobe Substanzen wie Chemotherapeutika aus der Zelle schleust
Die Prognose des Nierenzellkarzinoms hat sich in den letzten Jahren verbessert
wegen besserer Früherkennung (insb. Sono) durch häufigere Bildgebung
Hodentorsion - Definition
plötzliche, idiopathische Verdrehung des Samenstrangs innerhalb des Skrotums
Hodentorsion - Epi
2 Häufigkeitsgipfel:
- Vor dem 2. LJ
- Zwischen dem 15.-20. LJ
Bei einem jungen Patienten mit plötzlich auftretenden, massiven Hodenschmerzen sollte immer X bedacht werden
Hodentorsion
Hodentorsion - Symptome
- Plötzliche Schmerzen in Hoden und/oder Unterbauch (Palpation kaum möglich)
- Vegetative Symptomatik wie Übelkeit und Erbrechen
- Evtl. Hodenhochstand
Hodentorsion - Prehn-Zeichen
negativ
Hodenschmerzen mit zunehmender Schwellung, Leukozyturie und Mikrohämaturie sprechen für
Epididymitis
Unabhängig von den apparativen Befunden bei klinischem Verdacht einer Hodentorsion
operativer Eingriff
Hydatidentorsion
- sehr ähnliche Symptomatik wie eine Hodentorsion
- konservatives Vorgehen kann gewählt werden, wenn zweifelsfrei von einer Hydatidentorsion ausgegangen werden kann!
- Ansonsten muss der Hoden operativ freigelegt werden
Hydatiden
- Anhangsgebilde am oberen Pol des Hodens oder am Nebenhoden (=Appendix testis)
- Überreste des Müllerschen Ganges
"blue dot sign"
Infarzierte Hydatide, die bläulich durch die Skrotalhaut schimmert
Hodentorsion - Operative Verfahren
- Operative Freilegung des Hodens mit Detorquierung und Orchidopexie
- Orchidopexie kontralateral empfohlen
Hodentorsion - wenn OP zeitnah nicht möglich
Versuch eines konservativen Manövers: MERKSPRUCH "Wird der Hoden dir zur Qual, dann drehe ihn nach lateral"
Hodentorsion - Prognose
- Rechtzeitige Intervention innerhalb des Zeitfensters (6h) → Restitutio ad integrum
- Zu späte oder fehlende operative Intervention → Hypoxie → Nekrose des Hodens
Frakturgeräusch beim Geschlechtsverkehr im Rahmen eines Biegetraumas mit folgender Schwellung und Hämatom des Penis typisch für
Penisruptur
Penisruptur=
Traumatische Ruptur der Corpora cavernosa (Tunica albuginea)
Penisruptur - Symptome
- Sofortige Detumeszenz
- Peniskrümmung
- Zunehmendes, subkutanes Penishämatom
Penisruptur - Differentialdiagnose
Riss einer subkutanen Vene mit subkutanen Hämatom (z.B. V. dorsalis penis)
Penisruptur - Therapie
wenn möglich immer operativ:
1) Nach Einlage eines transurethralen Dauerkatheters: Naht der Ruptur
2) Nachbehandlung: Druckverband, 4-wöchige sexuelle Abstinenz, evtl medikamentöse Verhinderung einer Erektion
Bicalutamid
nichtsteroidales, hochaffines und selektives Antiandrogen
- bei Prostatakarzinom
- zur vorübergehenden Verhinderung einer Erektion
Priapismus - Definition
Erektion über zwei Stunden
Priapismus - Ätio
- idiopathisch ca. 30% (insuffiziente Detumeszenz)
- Medikamente und Drogen ca. 20% (z.B. Kokain, Alkohol)
- SKAT (Schwellkörperautoinjektions-Therapie)
- Neurologisch (z.B. Rückenmarkskompression)
- Einschränkung des venösen Abflusses durch Tumorinfiltration oder Schwellung bei perinealem Trauma
- Leukämischer Priapismus bei CML
- Risikofaktor: Sichelzellanämie
Low-flow-Priapismus
- Ischämie durch Versagen der physiologischen Detumeszenz
- Schwellkörperdruckerhöhung über diastolischem Druck ⇒ venöse Stase in den Corpora cavernosa
- Lähmung der glatten Schwellkörpermuskeln durch Ischämie ⇒ Verstärkung des Priapismus: Circulus vitiosus!
High-flow-Priapismus
- Übermäßiger arterieller Einstrom bei suffizientem Abfluss
- Keine Ischämie
BGA aus Schwellkörper bei Low-flow-Priapismus
Hypoxie, Hyperkapnie und Azidose
BGA aus Schwellkörper bei High-flow-Priapismus
reguläre Werte
Low-flow-Priapismus - Zeitfenster für Therapie
innerhalb von 12 Stunden, da ansonsten mit dauerhaften Schäden (Fibrosierung der Corpora cavernosa mit irreversibler Impotenz) zu rechnen ist!
High-flow-Priapismus - Therapie
In der Regel keine Therapie notwendig
Low-flow-Priapismus - Therapie bei Sichelzellanämie
Sauerstoffgabe, i.v. Hyperhydratation und Erzeugung einer metabolischen Alkalose ⇒ Vermeidung einer weiteren Verklumpung der Erythrozyte
Low-flow-Priapismus - konservative Therapie
1) Schwellkörperpunktion mit großlumiger Venenverweilkanüle: BGA + Aspiration von bis zu 500ml Blut
2) Injektion von Alpha-Rezeptoragonisten
- Adrenalin
- Etilefrin
Low-flow-Priapismus - operative Therapie
- Notwendigkeit bei Versagen der konservativen Therapie
- Möglichkeit mehrerer Shunts mit Eröffnung des Corpus cavernosum über die Glans penis
Low-flow-Priapismus - Prognose
- Bei konservativer Therapie innerhalb des Zeitfensters meist restitutio ad integrum
- Bei Notwendigkeit einer operativen Therapie (frustrane konservative Therapie): Impotenz zwischen ca. 50-90%
- Ultima ratio: Penisprothese
Flankenschmerz nach Sturz verdächtig auf
traumatische Verletzungen der Niere
Anurie in Verbindung mit abdominellen Schmerzen nach stumpfem Bauchtrauma verdächtig auf
Harnblasenverletzung
Peritonitis und steigende Retentionsparameter (durch peritoneale Resorption des Kreatinins) bei Harnblasenverletzung sprechen für
Intraperitonealen Verlauf
Harnblasenverletzung - Symptome
- Makrohämaturie
- Fehlende Miktion
- Schmerzen im Unterbauch
Harnblasenverletzung - Therapie extraperitoneale, kleine Verletzung
konservatives Vorgehen: Einlage eines transurethralen DK (bei perforierenden Fragmenten: suprapubische Ableitung)
Harnblasenverletzung - Therapie große extraperitoneale Verletzungen und alle intraperitonealen Verletzungen
Offen-operative Versorgung!
Nierentrauma - Grad IV
Parenchymeinriss bis in die Tiefe des Nierenbeckens mit segmentalem Funktionsausfall und Urinom
Nierentrauma - Grad V
Komplett zerrissene Niere mit Hilusgefäßdissektion und vollständigem Funktionsausfall
Nierentrauma - Therapie Grad I-III
Konservativ: Bettruhe, AB-Prophylaxe, Monitoring
Nierentrauma - Therapie Grad IV
Zusätzlich Sicherung eines adäquaten Harnabflusses (zB durch Doppel-J-Stent)
Nierentrauma - Therapie Grad V
- Versuch der transperitonealen Nierenfreilegung und Deckung des Defekts
- Ev. Nephrektomie
Nierentrauma - Komplikationen
- Arterio-venöse Fistelbildung
- Renale Hypertonie bei Parenchymschädigung
- Funktionsverlust der betroffenen Niere durch Hydronephrose oder Nierenarterienstenose
erektile Dysfunktion - Definition
länger als 6 Monate keine adäquate, für die Kohabitation ausreichende Erektion
Phallographie
= objektive Messung der verbleibenden Erektionsfähigkeit
Nocturnale Tumeszenz-Messung: Messung spontaner nächtlicher Erektionen bei erektiler Dysfunktion (meist im Schlaflabor)
Erektion - Physiologie
Sakrales Erektionszentrum S2-S4 (Parasympathikus) → Plexus hypogastricus inferior → Glattmuskuläre Relaxation der Schwellkörpermuskulatur (Vasodilatation) ⇒ Erektion
Corpus spongiosum
unpaarig angelegt, umgibt die Harnröhre und verhindert, dass es während der Erektion zu einer Komprimierung des Harnröhrenlumens kommt
Erektile Dysfunktion - medikamentöse Therapie
1) Phosphodiesterase-V-Hemmer
2) SKAT (Schwellkörperautoinjektions-Therapie) mit Papaverin oder Prostaglandin E1 (Alprostadil)
Papaverin
- Alkaloid aus Schlafmohn: Führt zu glattmuskulärer Entspannung
- wird neben Alprostadil (PG E1) bei SKAT eingesetzt
Erektile Dysfunktion - mechanische Therapie
1) Penisring (Abflussbehinderung bei bestehender Erektion)
2) Penispumpe (Hohlzylinder, der auf den Penis aufgesetzt wird in Kombination mit einer Unterdruckpumpe)
Erektile Dysfunktion - Ultima ratio
Penisprothese aus 3 Teilen
1. penil eingesetzte Schwellkörperimplantate
2. skrotal eingesetzte Pumpe
3. im Unterbauch implantiertes Flüssigkeitsreservoir
Ejaculatio praecox - Definition nach ICD-10
Unfähigkeit, die Ejakulation ausreichend zu kontrollieren, damit der Geschlechtsverkehr für beide Partner befriedigend ist
Ejaculatio praecox - Epi
Häufige sexuelle Funktionsstörung des Mannes (Prävalenz bis zu 30%), alle Altersgruppen betroffen
Ejaculatio praecox - Ätio
- Organische Faktoren: Hypersensibilität des Penis, übererregbarer Reflexbogen
- Psychogene Faktoren: Angst, Probleme in der Partnerschaft, unregelmäßiger Geschlechtsverkehr
Ejaculatio praecox - Therapie
1. Verhaltenstherapie
2. Medikamentöse Therapie
- Lokal: Anwendung von Lokalanästhetika
- Systemisch: Dapoxetin (kurzwirksames SSRI) als Bedarfsmedikation
Hypospermie
<1,5ml Ejakulat
Azoospermie
Keine Spermatozoen im Ejakulat
Kryptozoospermie
<1 Million Spermatozoen/ml Ejakulat
Oligozoospermie
<15 Millionen Spermatozoen/ml Ejakulat
Asthenozoospermie
Weniger als 32% der Spermatozoen zeigen eine progressive Motilität (Spermienkategorie PR)
Oligoasthenoteratozoospermie (OAT-Syndrom)
Niedrige Konzentration, unzureichende Beweglichkeit und vermehrt amorphe Spermatozoen in Kombination
Teratozoospermie
Vermehrt amorphe Spermatozoen
Ursachen für Pathologien im Spermogramm
- Bakterielle Infekte (z.B. Chlamydien)
- Maldescensus testis
- Varikozele testis
- Virusinfektionen (z.B. Mumps)
Spermienqualität - Einteilung WHO nach Motilität
1. PR=progressiv (früher A=schnell progressiv, B=progressiv)
2. NP=nicht-progressiv
3. IM=Immotilität
Spermienqualität - NP=nicht-progressiv bedeutet
ungerichtete Motilität: beweglich, aber nur lokal (Kreisbewegungen)
Normales Spermiogramm - Gesamtspermienzahl
>39 Millionen (>15 Millionen/ml)
Normales Spermiogramm - Vitalität und Morphologie
- >58% lebende Spermien
- >4% mit regulärer Form
Sperma-pH-Wert >8.0 bei
Entzündungen der Prostata, Samenwege oder Geschlechtsdrüsen
Sperma-pH-Wert <7.2 bei
Fehlfunktion der Bläschendrüse (Gl. vesiculosa) bzw. Verschluss der Ductus ejaculatorii
Bläschendrüse (Gl. vesiculosa, Samenblase)
Produktion des fructosereichen, alkalischen Drüsensekrets
Cowper-Drüse (Glandulae bulbourethrales)
dient vor allem als Gleitmittel für das Ejakulat in der Harnröhre und wird bei sexueller Erregung sezerniert
Erniedrigung des Sperma-Fruktosegehalts bei
- Verschluss der ableitenden Harnwege
- Fehlfunktion der Bläschendrüse (Gl. vesiculosa)
Peniskarzinom - Risikofaktoren
- Mangelnde Hygiene (nach Zirkumzision sehr selten!)
- Humane Papillomaviren
- Rauchen
- Phimose
- Leukoplakie
- M. Bowen/Erythroplasie Queyrat
Peniskarzinom - Symptome
- Tastbarer Tumor im Bereich der Glans penis oder des Präputiums
- Verhärtung der Eichel
- Rötung der Eichel
evtl. geschwollene Leistenlymphknoten
Peniskarzinom - Sentinellymphkknoten
inguinal: nahe der Mündungsstelle der V. epigastrica superficialis in die V. saphena magna
Peniskarzinom - wann partielle Penektomie
Falls mit 1cm Sicherheitsabstand aufgrund der Penislänge postoperativ gerichtete Miktion noch möglich
Peniskarzinom - Therapie
totale Penektomie mit Anlage einer Boutonniere (Ausführung der Harnröhre über den Damm)
Peniskarzinom - wann inguinale Lymphadenektomie
bei vergrößerten Leistenlymphknoten und allen invasiven Peniskarzinomen (ab T2-Stadium)
Peniskarzinom - wann Chemotherapie
bei Metastasierung (dennoch infauste Prognose)
Harnröhrenkarzinom der Frau
- Meist Plattenepithelkarzinome, selten Urothelkarzinome mit unklarer Genese
- Risikofaktoren sind chronische Entzündungen, Leukoplakien und gutartige Tumoren
Benignes Prostatasyndrom - Definition
Überbegriff für die pathophysiologischen Zusammenhänge zwischen Beschwerden des unteren Harntrakts (LUTS), Prostatavergrößerung (BPE) und Blasenauslassobstruktion (BOO bzw. BPO)
Symptome wie Pollakisurie, Nykturie, Harnstrahlabschwächung und das Gefühl, die Harnblase nicht vollständig entleeren zu können, führen die Patienten zum Arzt typisch für
Benignes Prostatasyndrom
Benignes Prostatasyndrom - hormonelle Ursache
1. Androgene: Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron (DHT) → Wachstumsreiz der Prostata im Bereich der Übergangszone↑
2. Östrogene: Verschiebung des Testosteron/Östrogen-Spiegels zugunsten des Östrogens in zunehmendem Alter und bei Adipositas
Prostatavergrößerung in der Übergangszone (Transitionalzone) spricht für
Benignes Prostatasyndrom
Prostatavergrößerung in der peripheren Zone (Außenzone) spricht für
Prostatakarzinom
Benignes Prostatasyndrom - Patho
Wachstum in periurethralen Drüsen (zentrales Wachstumsmuster des Adenoms) unklarer Ätiologie
LUTS=
lower urinary tract syndrom
- Miktionsbeschwerden im Rahmen des benignen Prostatasyndroms
Prostatakarzinom - Lokalisation
-meist ausgehend von der Peripherzone der Prostata (Außenzone) → ca. 85%
- seltener Ursprung in Transitionalzone → ca. 15%
LUTS - irritative Symptome
- Pollakisurie
- Nykturie
- Restharngefühl
LUTS - obstruktive Symptome
- Verzögerter Miktionsbeginn
- Abgeschwächter Harnstrahl
- Unterbrochener Harnstrahl
- "Nachträufeln"
- Ischuria paradoxa (ständiges Tröpfeln bei Überlaufinkontinenz möglich)
IPSS=
Internationaler Prostata-Symptomen-Score
- Ausprägungsgrad bzw. Einfluss auf die Lebensqualität des benignen Prostatasyndroms werden anhand häufiger Symptome zu einem Score zusammengefasst
- Dient als Entscheidungshilfe für Therapieindikation, aber auch der Verlaufs- und Erfolgskontrolle einer Behandlung
IPSS - Parameter (je 0-5 Punkte, max. 35)
1. Nykturie
2. Pollakisurie
3. Restharngefühl
4. verzögerter Miktionsbeginn
5. abgeschwächter Harnstrahl
6. unterbrochener Harnstrahl
7. Probleme die Miktion zu verzögern
DRU: vergrößerte Prostata, aber symmetrisch und gute Abgrenzbarkeit mit prall-elastischer, mittelfester Konsistenz (etwa wie der angespannte Thenar) - spricht für
Benignes Prostatasyndrom
DRU: prall-elastische, kastaniengroße, schmerzlose Prostata mit gut tastbarem Sulkus - spricht für
Normalbefund
DRU: derbe, asymmetrische, schmerzlose Prostata - spricht für
Prostatakarzinom
Balkenblase
- Komplikation bei BPS
- durch Druckbelastung der Harnblasenmuskulatur bei erschwertem Abfluss kommt es zur Hypertrophie einiger Muskelfaserbündel, die trabekelartig hervorstehen
⇒ Balkenartige Detrusorhypertrophie ggf. mit Pseudodivertikeln
BPS - Risikofaktoren für Progression
- Steigendes Alter
- Ausgeprägte Symptomintensität
- Höhe des Prostatavolumens (bzw. des Serum-PSA)
- Geringe maximale Harnflussrate
- Hohe Restharnmenge
BPS - Therapie bei geringem Leidensdruck des Patienten, keine Risiken
Kontrolliertes Abwarten und Änderung des Lebensstils:
- Reduktion der Flüssigkeitszufuhr auf 1500ml/24h
- Vermeidung diuretisch wirkender Nahrungsmittel wie Kaffee oder Alkohol
- Blasentraining
BPS - Therapie bei starkem Leidensdruck des Patienten mit/ohne Risiko für Progression des BPS
Medikamentöse Therapie:
- Phytotherapie (bspw. Sägepalmenextrakt, Kürbiskerne, Brennnesselwurzel)
- Alpha-Blocker (z.B. Alfuzosin) - rein symptomatisch
- 5-alpha-Reduktasehemmer (z.B. Finasterid) - reduzieren Prostatavolumen um 20-30%
BPS - Phytotherapeutika
1. Sägepalmenextrakt
2. Kürbiskerne
3. Brennnesselwurzel
Prostatakarzinom nach operativer BPS-Behandlung
möglich, da Gewebereste im Körper verbleiben
BPS - bei nahezu allen operativen Maßnahmen kommt es nach der Operation dauerhaft zu
retrograden Ejakulation (durch anatomische Veränderung)
BPS - operative Verfahren bei Prostatavolumen bis ca. 70ml
Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P)
TUR-Syndrom
Bei zu langer OP-Dauer und/oder großer Wundfläche kommt es zur Resorption der elektrolytfreien Spülflüssigkeit → Entstehung von Hyponatriämie und Hypervolämie (hypotone Hyperhydratation)
BPS - operative Verfahren bei Prostatavolumen ab ca. 70ml
Offen-operative Verfahren (z.B. Adenomenukleation nach Freyer)
klarzelliges Nierenzellkarzinom - Histo
durch reichhaltiges Glykogen und Fette im Zytoplasma erhalten die Zellen ein klares Aussehen bei konventionellen Färbemethoden
Prostatakarzinom - T3
Extraprostatisches Tumorwachstum, Tumor durchbricht Prostatakapsel
Prostatakarzinom - T1
Klinisch nicht erkennbarer Tumor: Weder tastbar noch sichtbar
Prostatakarzinom - UICC Stadium I bis TX
T2a
Inzidentelles Prostatakarzinom
Zufallsbefund im Rahmen der histologischen Untersuchung von TUR-P-Präparaten (z.B. wegen einer BPH) - etwa 10%
Prostatakarzinom - Symptome
- Harnverhalt, Hämaturie, Harnstauungsnieren
- Inkontinenz, Impotenz
- Schmerzen in den Knochen (meist lumbosakral) bei ossärer Metastasierung
- Gewichtsverlust
DRU - Indikation (im Zusammenhang mit dem Prostatakarzinom)
- Als jährliche Vorsorgeuntersuchung ab einem Alter von 45 Jahren
- Als Basisdiagnostik bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom
PSA-Erhöhung bei
1. Karzinomen (nicht obligat!)
2. Adenomen (benigne Prostatahyperplasie)
3. Entzündungen
4. nach Manipulationen an der Prostata
Transrektale Sonographie (TRUS) bei Verdacht auf Prostatakarzinom
1. Echoarme (oder auch echoreiche), unregelmäßig begrenzte Areale
2. Verstärkte Durchblutung
3. Ausdehnung der Veränderung an die Außenseite der peripheren Zone
Transrektale, sonographiegesteuerte Prostatastanzbiopsie bei Verdacht auf Prostatakarzinom
Unter Lokalanästhesie, Antibiotikaprophylaxe und sonographischer Kontrolle werden 10-12 Gewebezylinder über einen transrektalen Zugang entnommen
Prostatakarzinom - Staging-Untersuchungen
- Abdomensonographie (Lebermetastasen, Harnstau?)
- Laparoskopische pelvine Lymphadenektomie
- Ganzkörperknochenszintigraphie und Röntgen der Wirbelsäule zum Nachweis ossärer Metastasen
- MRT des kleinen Beckens: Zur Bewertung der Operabilität
Prostatakarzinom - Laparoskopische pelvine Lymphadenektomie
- bei Verdacht auf Lymphknotenmetastasierung, vor geplanter Prostatektomie bei T3
- Durchführung: idR Entnahme von mind. 10 pelvinen LK
Osteoblastische Metastasen - radiologisch
Verdichtungsherde (≤2cm) im Spongiosabereich der WK
Prostatakarzinom - Verzicht auf laparoskopische pelvine Lymphadenektomie bei
niedrigem Risiko (cT1c und PSA <10ng/ml und Gleason ≤6)
Prostatakarzinom - Histo
- Zumeist Adenokarzinome mit mikroglandulärer Anordnung der Drüsen und Auskleidung mit hochprismatischem Epithel
- Expression von Zytokeratin und PSA
Gleason-Score - Berechnung bei der Prostatastanzbiopsie
Der vorherrschende und der am schlechtesten differenzierte Gleason-Grad werden zusammengefasst
("the most" + "the worst"!)
Gleason-Score - Berechnung bei einem Prostatektomiepräparat
durch Addition des am häufigsten mit dem am zweithäufigsten vorkommenden Entdifferenzierungsgrad (Gleason-Grad) gebildet
Befund im Prostatektomiepräparat: Verschiedenste Drüsenformationen, wobei am häufigsten Gleason-3-Formationen nachweisbar sind und am zweithäufigsten werden Gleason-4-Formationen gefunden = Score?
Gleason-Score: 3 + 4 = Gleason 7; Überwiegen des niedrigen Grades = Gleason 7a
Gleason 2
Variable Drüsenformationen mit Stromainvasion der Drüsenzellen, einzelne Drüsen aber noch identifizierbar
Gleason 5
Drüsenherkunft nicht mehr erkennbar, strang- oder haufenartiges Zellwachstum und Tumorzellnester mit zentraler Nekrose
Prostatisch intraepitheliale Neoplasie (PIN) - Definition
- Reguläre Prostatadrüsen mit einzelnen dysplastischen Zellen
- Vorstufen des Prostatakarzinoms
Prostatisch intraepitheliale Neoplasie (PIN) - Vorgehen
Bei High-Grade PIN in ≥4 Stanzen oder atypischer mikroazinärer Proliferation (ASAP): Wiederholung der Stanzbiopsie innerhalb von 6 Monaten
Prostatakarzinom - Therapieoption eines klinisch metastasierten Prostatakarzinoms (M1)
- 1. Wahl: Androgendeprivation mittels Hormontherapie
- Bei Versagen der Hormontherapie → Zytostatische Chemotherapie
Prostatakarzinom - Operatives Vorgehen mit kurativer Intention
Radikale retropubische Prostatektomie = Entfernung von
1. Prostatadrüse
2. Prostatakapsel
3. Samenblasen
4. prostatanahe Anteile beider Samenleiter
Prostatakarzinom - Operatives Vorgehen wenn kurativer Ansatz nicht möglich
Symptomlinderung durch Wiederherstellung der Harnpassage per transurethraler Resektion der Prostata (TUR-P)
Prostatakarzinom - Indikation für Radiatio
1. Als Alternative zur radikalen Prostatektomie
2. Bei unvollständiger Tumorentfernung ("R1-Situation")
3. Ggf. als neoadjuvante und/oder adjuvante Therapie
4. Palliativ: Bei Symptomen
Prostatakarzinom - Durchführung der Radiatio
1. Brachytherapie durch Afterloading-Technik oder Seed-Implantation (125-Iod-Seeds)
2. Bei R1-Situation adjuvante Bestrahlung des Tumorbetts mit 66 Gy
Prostatakarzinom - Hormontherapie
- Kombinationstherapie von LH-RH-Analoga mit Antiandrogenen (besser als Monotherapie)
- Früher: Beidseitige Orchiektomie zur Androgendeprivation (Androgenentzug)
Prostatakarzinom - Antiandrogene
1. steroidal (z.B. Cyproteronacetat)
2. nichtsteroidal (z.B. Flutamid)
Prostatakarzinom - Komplikationen nach radikaler Prostatektomie oder Radiatio
1. IMMER Sterilität
2. Stressinkontinenz (2.häufigste Komplikation)
3. Anastomosenstrikturen
4. Erektile Dysfunktion
Okkultes Prostatakarzinom
Prostatakarzinom, das nicht durch den Primärtumor, sondern durch die klinischen Symptome oder diagnostischen Befunde von Tumormetastasen (z.B. Rückenschmerzen bei ossären Metastasen) entdeckt wurde
Prostatakarzinom - Prognosefaktoren
1. Gleason-Score
2. TNM-Kategorie
3. Resektionsränder bei OP
Prostatakarzinom - Tumorspezifische Mortalität bei Gleason≤6
<25%
Prostatakarzinom - Tumorspezifische Mortalität bei Gleason=7
50%
Prostatakarzinom - Tumorspezifische Mortalität bei Gleason≥8
>75%
Hodentumor - Epi
- Häufigkeitsgipfel 20.-50. LJ
- Erneuter Inzidenz-Peak ab dem 70. LJ
- Bilaterales Vorkommen in 2%
Hodentumor - Risikofaktoren
- Maldeszensus testis (Kryptorchismus)
- Kontralateraler Hodentumor oder TIN
- Verwandte ersten Grades mit Hodentumor
Häufigster Hodentumor bei Kindern unter 3 Jahren
Dottersacktumor
Hochmaligner Tumor mit Bildung mehrkerniger Riesenzellen und frühzeitiger Metastasierung
Chorionkarzinom
Häufigster Hodentumor (50%), makroskopisch einheitlich weiße Färbung (wegen Zellmonomorphismus) nach Anschnitt
Seminom
Hodentumor - Nicht-Seminome
1. Embryonalzellkarzinom
2. Teratom
3. Chorionkarzinom
4. Dottersacktumor
5. Stromatumor (Leydigzell-Karzinom, Sertolizell-Karzinom)
Hodentumor - HCG-Erhöhung
- immer bei Chorionkarzinom
- manchmal bei Embryonalzellkarzinom und Seminom
Hodentumor - AFP-Erhöhung
- immer bei Dottersacktumor
- manchmal bei Embryonalzellkarzinom und Chorionkarzinom
Hodentumore metastasieren früh
lymphogen ins Retroperitoneum
Hodentumor - Symptome
- Schmerzlose Verhärtung und Vergrößerung des Hodens
- Selten (ca. 10%) Spannungsschmerz im Skrotalfach bei größeren Tumoren (Schweregefühl)
- negative Diaphanoskopie
- in 10% Entdeckung durch Metastasen (z.B. Knochenschmerz bei ossärer Metastasierung)
Hodentumor - Lugano-Klassifikation I
N0-Situation
Hodentumor - Lugano-Klassifikation II
Regionärer Lymphknotenbefall (a: <2cm, b: 2-5cm, c: >5cm)
Hodentumor - Lugano-Klassifikation III
M1-Situation oder N-Situation extraretroperitoneal
Sternenhimmel-Phänomen
Sono: disseminierte Verkalkungen als Vorstufe eines Hodentumors
Hodentumor - schneller Therapiebeginn
wegen einer Tumorverdopplungszeit von 10-30d essentiell!
Hodentumor - Vorgehen
Alle malignen Hodentumoren sollten primär operiert werden
Hodentumor - Durchführung OP
- Primäre Semikastration über einen inguinalen Zugang bei allen Hodentumoren in "no-touch-Technik"
- Vor OP: Asservation von Ejakulat in spezialisierten Praxen!
- KL-Hodenbiopsie (wenn primär keine Chemotherapie geplant und erhöhtes Risiko für beidseitigen Befall besteht)
IGCCCG-Klassifikation
Abschätzung der Prognose von bösartigen Hodentumoren - v.a. nach Tumormarkerhöhe und Fernmetastasierung (außer Lungenmetastasen, da keine Verschlechterung)
Seminom - Therapie bei Lugano I
- Bei Rete testis-Infiltration und/oder Tumorgröße ≥4cm: 1-2 Zyklen Carboplatin
- Sonst: Active Surveillance
Seminom - Therapie bei Lugano II
- 3 Zyklen PEB1 oder
- Radiatio
Seminom - Therapie bei Lugano III
Je nach Prognose 3-4 Zyklen PEB1
Nicht-Seminom - Therapie bei Lugano III
Je nach Prognose 3-4 Zyklen PEB1
Nicht-Seminom - Therapie bei Lugano II
- Bei erhöhten Tumormarkern: 3 Zyklen PEB1
- Bei negativen Tumormarkern: Ggf. nervenschonende radikale Lymphadenektomie ±2-3 Zyklen PEB
Nicht-Seminom - Therapie bei Lugano I
- Bei Gefäßinfiltration in der Histologie: 1-2 Zyklen PEB1
- Sonst: Active Surveillance
PEB-Schema
1. (Cis-)Platin
2. Etoposid
3. Bleomycin
Besonderheit Hodentumor im metastasierten Stadium
kann noch durch adäquate Chemotherapie noch kuriert werden kann - dies gilt vor allem für das Seminom
IGCCCG-Klassifikation: Gute Prognose = 5-Jahres-Überlebensrate
90%
Plattenepithelkarzinom der Blase - Ätio
- Chronische Irritation der Blase führt zu Metaplasie des Urothels und dann zu Dysplasie
- Risikofaktoren:
1. Schistosoma haematobium Infektion
2. Chronische Zystitis
3. Rauchen
4. Chronische Nephrolithiasis
Urothelkarzinom - Risikofaktoren
1. Nikotinabusus (am wichtigsten!!)
2. Niedrige Trinkmenge
3. Genetische Prädisposition
4. Chronische Zystitiden
5. Berufliche Exposition (aromatische Amine, Phenacetin)
6. Medikamente: Cyclophosphamid, Pioglitazon
Urothelkarzinom - genetische Prädisposition
Langsame Azetylierer: verminderte Aktivität der N-Acetyltransferase
Urothelkarzinom - berufliche Exposition
1. Substanzen
- aromatische Amine (z.B. β-Naphthylamin - früher in Gummimischungen verwendet)
- Benzidin
- Phenacetin
- Dieselabgase
2. Berufsgruppen: u.a. Lackierer, Zahntechniker, Gummiindustrie, Friseure
Harnblasenkarzinom - T2
Infiltration der Harnblasenmuskulatur
Harnblasenkarzinom - T3
Tumorinfiltration ins perivesikale Fettgewebe
Urothelkarzinom - häufigstes Erstsymptom
Schmerzlose Makrohämaturie
Urothelkarzinom - Urinzytologie
Nachweis von abgeschilferten Tumorzellen, zuverlässig bei G2- und G3-Tumoren
Harnblasenkarzinom - Urethrozystoskopie und/oder Ureterorenoskopie
- Häufig papillärer/blumenkohlartiger Tumor
- Solide Ausprägungen bei fortgeschrittenen Stadien
- Häufig multizentrisches Auftreten
- Verbesserte Darstellung von high-grade-Läsionen mittels Fluoreszenz-Zystoskopie möglich
Harnblasenkarzinom - Häufigste Lokalisation
Hinterwand und -seitenwand
Harnblasenkarzinom - Therapie bei lokal begrenztem Tumor (bis T1)
1) minimal-invasiv: Transurethrale Resektion (TUR) des Tumorgewebes mittels Elektroschlinge (+Histo!)
2) idR TUR-Nachresektion im Abstand von 4-6 Wochen
+ Adjuvante intravesikale Chemotherapie/Immunmodulation
Harnblasenkarzinom - TUR-Nachresektion
endoskopische Nachresektion des vormaligen Tumorbettes ('Resektionsnarbe') nach 4-6W, um ein infiltrierendes Wachstum nicht zu übersehen
Harnblasenkarzinom - Adjuvante intravesikale Chemotherapie/Immunmodulation
1. Mitomycin-Frühinstillation (intravesikale Chemotherapie)
2. intravesikale Instillation von BCG Tuberkulose-Erregern
Harnblasenkarzinom - bei lokaler Tumorkontrolle
müssen regelmäßige zystoskopische Verlaufskontrollen erfolgen (erst alle 3, dann alle 6 Monate)!
Bis zu 70% der Patienten mit Urothelkarzinom im oberen Harntrakt
entwickeln später Abtropfmetastasen in der Harnblase
Therapie bei Urothelkarzinom des Harnleiters und des Nierenbeckens
1. Radikale Nephroureterektomie mit Teilresektion der Harnblase
2. bei LK-Metastasen: 4 Zyklen einer systemischen, adjuvanten Chemotherapie (Gemcitabin und Cisplatin)
Harnblasenkarzinom - Therapie bei lokal fortgeschrittenem Tumor (ab T2)
1. radikale Zystektomie mit pelviner Lymphadenektomie
2. Ggf. (neo‑)adjuvante Chemotherapie (Gemcitabin und Cisplatin)
Kontinente Harnableitung
1. Ileumneoblase
2. Mainz-Pouch
3. Ureterosigmoideostomie
Inkontinente Harnableitung
1. Ileumkonduit (wird perkutan im rechten Unterbauch (ähnlich einem Anus praeter) ausgeleitet)
2. Ureterokutaneostomie (Harnleiter-Haut-Fistel)
Mainz-Pouch
Ausgeschaltetes Darm-Reservoir für Urin, welches über den Bauchnabel kontinent katheterisiert werden kann
Ileumkonduit
ein Stück des terminalen Ileums wird ausgeschaltet und zu einem Reservoir geformt, an das die Ureteren angeschlossen werden und das perkutan im rechten Unterbauch (ähnlich einem Anus praeter) ausgeleitet wird
Spezielle Komplikationen bei Colon- und Ileumneoblasen
- Infektionen mit Peritonealreizung ("Pouchitis")
- Resorptionseigenschaften der Darmschleimhaut: Exsikkose, Elektrolytentgleisungen, metabolische Azidose
- Harnsteinbildung
- Sekundäre Malignome
Bei der Diagnose Urothelkarzinom sollte
zum Ausschluss weiterer Herde immer der gesamte Harntrakt beurteilt werden!
dorsale Plaques in Kombination mit Penisdeviation und schmerzhafter Erektion sprechen für
Induratio penis plastica
renomedullärer Interstitialzelltumor
- mesenchymaler Nierentumors der Prostaglandine-produzierenden Interstitialzellen
- gutartig und wird häufig bei Autopsien gefunden
Eine suspekte Raumforderung im Hoden muss bei einem jungen Mann
immer zur Operation (inguinal freilegen, Schnitt ca. 2 cm über dem Leistenband) mit Histologiesicherung führen
Seminom - klassische Metastasierung
lymphogene in die paraaortalen/parakavalen (retroperitonealen) LK
Bei allen nicht-seminomatösen Hodentumoren wird in jedem Tumorstadium (außer Stadium I) XX durchgeführt
Polychemotherapie nach PEB-Schema
reduzierte Atemverschieblichkeit der Niere spricht für
chronischen Prozess mit Verwachsungen
Urolithiasis - klassischer Befund in Urinuntersuchung
Mikrohämaturie
einzigen Nierensteine, die nach der Entstehung noch durch die Chemolitholyse therapiert werden können
Härnsäuresteine
Alkalisierung des Urins mit
1. Alkalizitrate, z.B. Kaliumnatriumhydrogencitrat oder
2. Natriumbikarbonat
Bonney-Test
=Blasenhalselevationstest
- positiv, wenn unter manueller Elevation des Blasenhalses kein Urinabgang mehr beim Husten zu beobachten ist
- spricht für (behandelbare) Stressinkontinenz