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Als ein Repräsentant des innerkirchlichen Reformwillens trat er gegen den Missbrauch mit heiligen Dingen auf. Martin Luther fasste die vielfältigen gesellschaftlichen Reformwünsche zusammen und sprach unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen damit an - in religiöser, politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Viele theologische Begriffe wurden zu seiner Zeit diskutiert und waren noch nicht geklärt (Ablass, Papstamt, Sakramente). Er lernte vor allem die nominalistischen Theorien kennen, die aber nicht die katholische Lehre darstellten, und hielt sie für katholisch. Sein persönlich impulsives Auftreten und seine verzerrenden Darstellungen (Polemiken bes. gegen Kirche, Sakramente, Papst, Juden) vergrößerten die Konflikte und Unklarheiten. Das ist die Tragik der Reformation. Kleinbäuerliche Bergmannsfamilie, Eisleben (Sachsen-Anhalt). Studium in Erfurt „Magister artium". Gegen väterlichen Willen Eintritt in strenges Augustiner-Eremitenkloster, 1507 Priesterweihe, dann Theologiestudium in Erfurt, Wittenberg, Bibelprofessur, „Turmerlebnis" (Röm 1,17): Glauben heißt nicht nur intellektuelles Wissen, sondern auch mit dem Herzen annehmen, dass das Sühneleiden Christi unsere Erlösung allein aus der göttlichen Gnade (sola gratia) ohne Mitwirken des Menschen bedeutet. Luther konzentriert sich auf das persönliche Glauben (sola fide), das sich in der Schrift gründet (sola scriptura), und lehnt das objektive sakramentale Handeln der Kirche ab. Die Kirche als Vermittler ist überflüssig. Hier setzte Luther einen Schritt außerhalb der sakramentalen Kirche, die er nicht mehr für nötig hielt.
Ablassstreit 1517 und die Folgen: Im Auftrag der Päpste wurde Geld für den Bau des neuen Petersdoms gesammelt. Der Prediger Johann Tetzel (Dominikanermönch) verband den Aufruf zu Beichte und Buße mit dem Versprechen, für Geld zeitliche Sündenstrafen für Lebende und Verstorbene nachzulassen. Luther suchte das Gespräch, nicht den Streit mit den zuständigen Bischöfen, um die offene theologische Frage des Ablasses zu klären und die Ablassprediger zur Mäßigung zu bringen. Die 95 Thesen wurden deshalb nicht an eine Tür angeschlagen, sondern den Bischöfen von Magdeburg und Brandenburg zugesandt. Gelehrte Freunde veröffentlichten die Thesen, die zur Überraschung Luthers großen Widerhall in den deutschen Ländern fanden. 1520 wurde Luther durch eine päpstliche Bulle der Häresie beschuldigt. Daraufhin verfasste Luther im selben Jahr drei Schriften an den Adel und das Volk gegen Rom und die Kirche, was ihn zu einem „Volkshelden" machte. Er verbrannte die Bannandrohungsbulle öffentlich und wurde 1521 exkommuniziert.
Auf dem Reichstag von Worms (1521) hatte er Gelegenheit sich zu rechtfertigen. Der 1520 gewählte Kaiser Karl V. (Wahlempfehlung des Papstes für den frz.Kg., 9-jährige Abwesenheit Karls wegen Kriegen z.B. Türken 1529 vor Wien) suchte den Respekt vor der Kirche und dem Papstamt, verhängte die Reichsacht über den Mönchspriester Pater Martin Luther, der auf der Wartburg unter dem Schutz von Kurfüst Friedrich dem Weisen von Sachsen eine sprachlich gelungene und für die Entstehung der gemeinsamen deutschen Sprache wesentliche Übersetzung des NT schuf. Im Zuge der Reformation lösten sich viele Klöster auf, weil Mönche und Nonnen heirateten (Gelübde im Widerspruch zu den „Sola"-Prinzipien). In Braunschweig und Basel wurde die Reformation gewaltsam eingeführt. Manche Klöster konnten sich erfolgreich gegen eine Auflösung zur Wehr setzen.
Die Predigten und die durch den Buchdruck verbreiteten Schriften Luthers wurden begeistert in den deutschen Landen aufgenommen. Von der Wirkungsgeschichte her eines der wichtigsten Werke Martin Luthers: der Kleine Katechismus (Auslegung der 10 Gebote, Glau-bensbekenntnis, Vater unser, Taufe, Abend-mahl, Beichte). Die Bewegung geriet außer Kontrolle, als es zu Tumulten in Wittenberg gegen zelebrierende Priester kam und „schwärmerischer" Gruppen entstanden, die sich nicht nur auf die Offenbarung, sondern die innere Eingebung beriefen und gewaltsame gesellschaftspolitische Veränderungen anstreb-ten. Es kam außerdem zu Überfällen auf Kir-chengüter, so z.B. in den Bauernkriegen ab 1524.
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