Geschichte der ökonomischen Theorie

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• Preismechanismus wird am Beispiel des Arbeitsmarktes erklärt
• Unterscheidung zwischen dem natürlichen Preis der Arbeit und dem Marktpreis der Arbeit
• objektive Wertlehre: es lässt sich objektiv feststellen, was die Kosten für ein Gut sind
--> auch der natürliche Preis der Arbeit ist objektiv feststellbar
• der natürliche Preis der Arbeit ist der Preis, bei dem Arbeiter sich und seine Familie zum Existenzminimum erhalten kann, ohne dass sich die Anzahl der Arbeiter verändert
o der natürliche Preis der Arbeit ist aber nur regional und zeitbeschränkt objektiv: in unterschiedlichen Gesellschaften herrschen aufgrund unterschiedlicher Gewohnheiten unterschiedliche Existenzminima
• der Marktpreis der Arbeit ist derjenige Preis, der infolge des Zusammenspiels von Angebot und Nachfrage tatsächlich bezahlt wird
• der Marktpreis der Arbeit hat die Tendenz, sich an den natürlichen Preis der Arbeit anzugleichen
• liegt der Marktpreis über dem natürlichen Preis der Arbeit, so können sich die Arbeiter einen höheren Lebensstandard leisten und auch mehr Kinder, daher wird ihre Anzahl steigen
• die größere Anzahl an Arbeitern wird den Marktpreis so lange senken, bis er wieder mit dem natürlichen Preis der Arbeit zusammenfällt
• sinkt der Marktpreis unter den natürlichen Preis der Arbeit, so leiden die Arbeiter Entbehrungen, wodurch ihre Anzahl so lange sinkt, bis der natürliche Preis der Arbeit wieder erreicht ist (oder bis die Nachfrage nach Arbeit so weit gestiegen ist, bis dies erreicht wird)
1. Formulierung des ökonomischen Prinzips: Maximierung unter Knappheit
o damit führten die Neoklassiker das Prinzip ein, dass heute (weiterentwickelt und spezifiziert) jeglicher ökonomischen Analyse zugrunde liegt: eine Maximierungsfunktion unter Knappheitsbedingungen
2. Reformation des utilitaristischer Ansatz: Reformation der Werttheorie hin zu Nutzen und insb. zu abnehmenden Grenznutzen
o diese Änderung der Grundlagen bereitete den Weg für die spätere Einführung des Homo Oeconomicus (rationaler Entscheider mit Ziel der Nutzenmaximierung)
o utilitaristischer Ansatz geht aber bereits zurück die Klassiker (z.B. Smith und Mill)
3. neue Methode: Substitutionsprinzip (Güterbündel und Produktionsfaktoren können substituiert werden)
4. Betrachtung von Individuen (oder einzelnen Entscheidern wie Haushalte oder Unternehmen), nicht mehr von kollektiven Agenten (z.B. soziale Klassen)
5. die Geschichtlichkeit (Historizität) der ökonomischen Gesetze war nun gegeben
o dies war möglich, weil die Betrachtungsgrundlage (Knappheit) allgemein gegeben ist
o dafür musste allerdings die Betrachtung sozialer Relationen aus der ökonomischen Theorie verschwinden
o Ziel war eine Formulierung der Gesetze unabhängig vom kapitalistischen System, was aber nur begrenzt möglich war
o allerdings hatte die Klassik auch den Anspruch, dass Historizität gegeben sei
insofern kann Historizität auch als Gemeinsamkeit gewertet werden
6. subjektive Werttheorie statt objektiver Werttheorie
o in der subjektiven Werttheorie sind Werte individuell und subjektiv
--> der Wert individuell, weil der Wert für ein bestimmtes Individuum ein Mittel zum Zweck ist
--> der Wert ist subjektiv, weil er ein Individuum ihn als Mittel zum Zweck gewählt hat
--> etwas hat Wert, wenn es von mindestens einem Individuum gewollt wird
o in der objektiven Werttheorie existieren Werte unabhängig von individuellen Entscheidungen
--> das Individuum kann einen Wert akzeptieren oder nicht akzeptieren, aber nicht beeinflussen
o damit ist in der Neoklassik die Einkommensverteilung ein Spezialfall der Werttheorie, nämlich die Frage, welchen Preis die Produktionsfaktoren haben; und nicht mehr eine Verteilung des Einkommens zwischen verschiedenen Klassen
• Oskar Morgenstern kritisiert in seinem Aufsatz "Vollkommene Voraussicht und Wirtschaftliches Gleichgewicht" die Allgemeine Gleichgewichtstheorie, da er Ansicht war, dass die für die Gültigkeit der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie notwendige Annahme der vollkommenen Voraussicht in der Realität so nicht gegeben ist und auch theoretisch zu Paradoxien führt
• daraus schließt er, dass die Allgemeine Gleichgewichtstheorie nicht zur Erklärung von Situationen auf Märkten verwendet werden kann
• allerdings könnte man argumentieren, dass Morgenstern mit dieser Kritik etwas zu weit geht, denn auch wenn die Allgemeine Gleichgewichtstheorie zwar keinen Anpassungsprozess erklären konnte, so konnte die Existenz eines Allgemeinen Gleichgewichts immerhin nachgewiesen werden
• insgesamt stellt er die Situation nicht neutral dar, sondern argumentiert zynisch bis überheblich
• später entwickelten Morgenstern und von Neumann als Lösungsvorschlag die Spieltheorie, die den Anspruch hat, auch die Anpassung auf Märkten erklären zu können, weil sie die Interaktion der Wirtschaftssubjekte modelliert
• allerdings werden auch in der Spieltheorie weitreichende Annahmen bezüglich Rationalität und mathematischen Fähigkeiten der Akteure getroffen, die in der Realität aber selten erfüllt werden
• man könnte Morgenstern also vorwerfen, dass auch seine Theorie auf einer unrealistischen Annahme basiert, obwohl grade dies einer der Kritikpunkte war, die er an der vollkommenen Voraussicht bemängelte
• bei der Cambridge-Kontroverse handelte es sich um einen wissenschaftlichen Disput bezüglich der Kapitaltheorie zwischen den Ökonomen in der University of Cambridge (GB) und den Ökonomen am MIT in Cambridge (US)
• der zentrale Streitpunkt war, dass die britischen Ökonomen logische Inkonsistenzen in der neoklassischen Kapitaltheorie aufzeigen konnten
• den zentralen Beitrag zu dieser Diskussion leistete Piero Sraffa; weitere Beiträge leisteten Joan Robinson und Nicholas Kaldor
• die wichtigsten Verteidiger der neoklassischen Theorie waren Robert Solow und Paul Samuelson vom MIT
• in der neoklassischen Wachstumstheorie, wird davon ausgegangen, dass das Volkseinkommen durch eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität gesteigert werden kann
• diese erfolgt durch eine Substitution von Arbeit durch Kapital, der Anteil des Kapitals an der Produktion wird also kontinuierlich steigen
• dies kann jedoch nur funktioniere, wenn sich das Kapital immer besser verzinst
• diese Annahme wurde in der Neoklassik implizit getroffen, jedoch nie explizit gemacht oder hinterfragt
• Joan Robinson gibt jedoch zu bedenken, dass dies in der Realität anders sein kann
• grade wenn die Kapitalintensität der Produktion schon relativ hoch ist, kann Kapital nur durch sehr hohe Investitionen noch produktiver gemacht werden
• wenn Arbeitskraft im Wert sinkt, kann es lohnenswert sein, eine ältere, arbeitsintensive Technologie zu reaktivieren (re-switching)
• daher sei, anders als in der Neoklassik angenommen, Kapitalismus kein Garant für technischen Fortschritt und Wirtschaftswachstum
• außerdem zeigt Piero Sraffa auf, dass Kapital und Arbeit nicht (wie in der Neoklassik angenommen) als substitutive Produktionsfaktoren eingesetzt werden können, da das zur Produktion verwendete Kapital wiederum unter Einsatz von Arbeit und Kapital produziert wurde ("Production of commodieties by means of commodities")
• da dies jedoch für das eingesetzte Kapital in jedem Produktionsvorgang gilt, kommt es zu einem infiniten Regress
• deshalb kann die Grenzproduktivität des Kapitals nicht bestimmt werden
• ist keine Grenzproduktivität des Kapitals bestimmbar, so kann auch nicht festgestellt werden, ab wann es lohnenswert ist, Arbeit durch Kapital zu ersetzen
• zuguterletzt hat die neoklassische Kapitaltheorie das Problem, dass es keine eindeutige und mehrheitliche akzeptierte Definition des Kapitalbegriffs gab