14 - Pathologie Herz-Kreislaufsystem / Blut

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• Definition
- Chronisch fortschreitende Erkrankung der Arterienwände mit Ablagerung pathologischer Stoffwechselprodukte und fibrösem Wandumbau
- Atherosklerose (Veränderung der Gefässwände) = Arteriosklerose
- Arteriolosklerose = Wandveränderung der Endaufzweigung der Arterien vor ihrem Übergang in die Kapillaren
• Häufigkeit des Krankheitsbildes
- Spitze der Todesursachen in der westlichen Welt
• Ursachen und Risikofaktoren
•• Irreversible Risikofaktoren
- Alter > 40 Jahre
- männliches Geschlecht (3-5x höher als bei Frauen)
- genetische Faktoren
•• Risikofaktoren 1. Ordnung (ein Faktor reicht)
- Hypertonie
- Hyperlipidämie (hoher Blutfettspiegel) - hoher LDL-Spiegel, niedriger HDL-Spiegel
- Nikotin
- Diabetes mellitus (Hyperglykämie), vor allem in kleinen Blutgefässen (=Mikroangiopathie), betroffen Nieren, Netzhaut und Extremitäten
•• Risikofaktoren 2. Ordnung (mindestens zwei F.)
- Adipositas (Hyperlipoproteinämie, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus)
- Bewegungsmangel
- Stress (psychisch und emotional)
- hoher Harnsäurespiegel (Purin)
- hoher Homocysteinspiegel (Fleischgenuss)
• Pathogenese und Verlauf
- verläuft über viele Jahre, zunächst unerkannt
- Anlagerung von Cholesterin, bildet harte Plaques
- Gefässwände verkalken und verlieren ihre Elastizität
- Gefässlumen verengt sich
- Bildung von Gefässstenosen und Gefässverschlüssen (Thrombus)
• Symptome:
- lange Zeit ohne Beschwerden
- verminderte Sauerstoffversorgung der Organe mit folgenden Folgen:
•• Herzkranzgefässe (Koronararterien):
- KHK =
- Angina Pectoris (reversibel)
- Herzinfarkt (irreversibel)
- Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Klappenpathologien
•• Gehirnarterien (Aorta carotis):
- Streifung (TIA) = reversibel
- Apoplexie = irreversibel
- Hirninsuffizienz (Demenz) = chronisch
•• Beinarterien:
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) = reversibel oder irreversibel, wenn chronisch
- Claudio intermittens (Schaufenster)
•• Nierenarterien:
- Niereninfarkt (akut)
- Niereninsuffizienz (chronisch), verstärkt Hypertonie
•• Netzhaut
- Netzhautinfarkt (irreversibel, akut)
- Erblindung (chronisch)
•• Aorta
- Aneurysma (irreversibel, akut oder chronisch)
•• Arterien des Magen-Darm-Trakts
- Angina intestinalis (reversibel, akut)
- Mesenterialinfarkt (irreversibel, akut)
- Verdauungsstörungen (chronisch)
•• Beckenarterien
- Impotenz bei Männern ist erstes Anzeichen
•• Gesamter Kreislauf:
- Hypertonie verstärkt Arteriosklerose
- bis zu 80% der Arterie kann ohne Folgen verschliessen
• Diagnose:
- Anamnese: Risikofaktoren
- Klinische Untersuchung: Adipositas, Hypertonie
- Labor: Diabetes mellitus, Hypercholesterinämie, Hyperurikämie
- Periphere Pulse
- Hauttemperatur und Farbe
- Angiographie (Röntgen + Kontrastmittel)
- Ultraschall (Dopplersonografie)
• Therapie:
- Ausschalten der Risikofaktoren
- Bewegungstherapie
- Blutverdünnung (Aspirin cadio) (Thrombozytenaggregationshemmer)
- Medikament zur Gefässerweiterung
- OP Aufdehnung der Stenose mit Stent oder Anlegen eines Umgehungskreislaufes (Bypass)
• Prognose
- unheilbar, kann nur verlangsamt oder durch Vorbeugung vermieden werden
• Definition
Angina Pectoris = Beengung im Bereich der Brust
Anfallsweise Thoraxschmerzen, welche in Ruhe oder unter Nitroglyceringabe vorübergehen
- keine Erkrankung, sondern das klassische Symptom einer koronaren Herzkrankheit
- AP ist prinzipiell Vorbote eines Herzinfarktes
• Ursachen:
- verminderte Herzdurchblutung
- Arteriosklerose der Herzkranzgefässe
- Thrombose der Herzkrankgefässe
- erhöhter Sauerstoffbedarf bei Anstrengung, Tachykardie, Kälte, reichlichem Essen
• Symptome:
- Schmerzen oder Engegefühl in der Herzgegend, evtl. ausstrahlend in linken Arm, Unterkiefer, Oberbauch
- meist nach körperlicher Anstrengung, nach dem Essen oder bei Kälte (Änderung der Durchblutungsverhältnisse)
- Angstgefühle, Übelkeit, Erbrechen
- plötzliche Atemnot
- Schweissausbruch, Herzrasen
- max. 20 Minuten, verschwinden von selbst
• Komplikationen:
- Herzinfarkt
- Herzrhythmusstörungen
- Herzinsuffizienz
• Risikofaktoren
- s. Arteriosklerose
- Anämie
• Unterschied zwischen stabiler und instabiler AP aufgrund Anamnese und Symptome
- stabile AP: Anfälle bleiben gleich, lassen sich aber durch Medikamente rasch behandeln
- instabile AP: Anfälle nehmen an Schwere, Dauer und Häufigkeit zu
• Diagnose:
- Anamnese mit Behandlung durch Nitroglycerin (AP verschwindet innerhalb von Minuten) wirkt gefässerweiternd
- EKG, Koronarangiographie (Herzkatheter)
• Therapie:
- Medikamente zur besseren Herzdurchblutung (Nitroglycerin)
- Applikation: Zerbeisskapseln oder Spray
- Oberkörper hochlagern
- vermeiden von Risikofaktoren der Arteriosklerose
- Bewegungstherapie
- OP mit Aufdehnung der Koronarstenose
- von der Kälte wieder in die Wärme
• Definition:
Ischämische (Minderdurchblutung) Myokardnekrose, meist aufgrund einer koronaren Herzkrankheit mit Stenose (Verengung) einer Koronararterie
• Ursachen + Risikofaktoren:
- akute, absolute Koronarinsuffizienz
- Arteriosklerose (Gefässveränderungen können aufreißen und einen thrombotischen Verschluss des Gefässes erzeugen) = bei Endarterienverschluss stirbt das Muskelgewebe ab
- erhöhter Sauerstoffbedarf bei Anstrengung, Kälte, Essen
• Symptome:
- intensive, lang anhaltende Schmerzen wie Angina Pectoris
- durch Nitroglycerin nicht beeinflussbar
- Schwächegefühl, Angst, Schwindel
- vegetative Symptome (Schwitzen, Erbrechen)
- Angina Pectoris und Herzinfarkt werden nur durch die Wirksamkeit von Nitroglycerin unterschieden
• Stummer Infarkt
- 20% der Infarkte sind stumm, also schmerzlos
- Ursache ist diabetisch bedingte Schädigung der schmerzleitenden Nervenfasern
• Komplikationen:
- Tod
- Herzrhythmusstörungen mit Klammerflimmern (häufigste Todesursache)
- Akute Linksherzinsuffizienz mit Lungenödem
- kardiogener Schock aufgrund Linksherzinssufizienz
- Thrombenbildung in den Herzhöhlen
- Herzwandaneurysma (Aussackungen der Herzwand)
- Herzwandruptur
• Diagnose und Abgrenzung zur AP:
- Anamnese mit Hospitalisation bei Verdacht
- EKG
- Bestimmung der Herzmuskelenzyme im Blut (Stoffe, die aus Herzmuskelzellen freigesetzt werden)
- Abgrenzung zur AP:
-- zeitlicher Verlauf: HI Schmerzen verschwinden nicht
-- Wirkung von Nitroglycerin: keine
• Therapie:
- sofortige Intervention (Sterberate innerhalb erster Stunde = 60%)
- Intensivpflege mit Kreislaufüberwachung
- absolute Bettruhe, Vermeidung von Aufregung und Anstrengung
- medikamentöse Behandlung, Schmerzmittel, Blutverdünner
- Fibrinolysetherapie: medikamentöse Auflösung eines Thrombus (nur in den ersten 6-12 Stunden)
• Prognose
- Erschöpfungszustände in den ersten Wochen bis zu einem Jahr
- Niedergeschlagenheit, Beklemmungsgefühle, Angst
- Mortalitätsrate: nach 4 Wochen ca. ein Drittel, nach 10 Jahren ca. 70%, nach 20 Jahren ca. 90%
• Rehabilitationsschritte
- bei komplikationslosem Verlauf Frühmobilisation
- nach 3 Wochen Bewegungstherapie
- Vorbeugung durch Ausschaltung der Risikofaktoren
• Medikation
- Acetylsalicylsäure (ASS): Blutverdünner
- Nitroglycerin: gefässerweiternd
- Betablocker: dämpft Sympathikus, Herzschlag verlangsamt
- ACE-Hemmer: Dilatation der Gefässe, Blutdrucksenkung
- Diuretika: harntreibend, Verringerung Blutvolumen + Gefässwiderstand
- Cholesterinsenker: Reduzierung Arteriosklerose
• Definition:
Ungenügende Leistung der linken Herzkammer
- Blutstau vor dem linken Herzen = Lungenstau
• Ursachen:
- KHK
- langandauernde arterielle Hypertonie
- Mangeldurchblutung der linken Segelklappe oder der linken Taschenklappe
- Herzinfarkt
- Rhythmusstörungen
- Aortenklappenstenose
• Symptome:
- Dyspnoe (Atemnot infolge Lungenstauung)
- Orthopnoe (stärkste Dyspnoe, Atemnot bei Flachlagerung, kann nur aufrecht sitzend atmen mit Atemhilfsmuskulatur)
- verminderte körperl. Leistung (O2-Mangel)
- Zyanose, peripher und zentral (Finger, Lippen)
- nächtlicher Husten, Atemnot im Liegen
- Lungenödem
- Nykturie
- Tachykardie (Puls > 100)
- Herzvergrösserung
• Pathologische Folgen
•• akute Form
- Lungenödem (Rückstau in die Lungenvenen)
- Atemnot infolge Lungenstauung
- Zyanose (Blausucht)
- nächtliche Orthopnoe
•• chronische Form
- Lungenfibrose durch interstitielle Ödeme = Verminderung der Dehnbarkeit
- Widerstandserhöhung im Lungenkreislauf
- Erhöhung des Blutdrucks im rechten Herz mit Rechtsherzhypertrophie
- Asthma cardiale (trockener Husten, meist im Liegen)
- Uhrglasnägel, Trommelschlegelfinger
- Lungenödem -> Lungenfibrose -> Rechtsherzinsuffizienz
• Konsequenz der chronischen Form
- Durchstauung ins rechte Herz
• Diagnose:
- Anamnese, Symptome
- EKG
- Ultraschalluntersuchung (vergrößertes Herz)
- Röntgen
• Therapie:
- Ursachen behandeln
- Übergewicht reduzieren, Anstrengung anpassen
- leichtverdauliche Kost für Entlastung Magen-/Darm
- Flüssigkeitseinschränkung und salzarme Kost
- Medikamente zur Verbesserung der Herzleistung
• Definition:
Unvermögende Leistung der rechten Herzkammer, ausreichend Blut in den Lungenkreislauf zu pumpen
- meist im Zusammenhang mit Linksherzinsuffizienz
• Ursachen:
- Herzkrankheiten (Infarkt, Pulmonarklappenstenose, Trikuspidalinsuffizienz durch iv. Drogen)
- chronische Lungenerkrankungen (Asthma, Bronchitis)
- Lungenembolie
- Lungenfibrose (Vernarbung durch eingeatmete Silikate (Sandstrahlung))
- Lungenödem -> Lungenfibrose -> Rechtsherzinsuffizienz
• Symptome:
- Rückstau in die Körpervenen
- Beinödeme mit Nykturie (lymphodynamisch, Fingerdruck erzeugt Delle, die sich schwer zurückbildet (30 sec lateral Tibia))
- Stau der Halsvenen
- Hepatomegalie (Vergrößerung der Leber) durch Stau der V. cava inferior
- Stauung in den Verdauungsorganen = Appetitlosigkeit/ Verdauungsstörungen
- Stauungsgastritis
- Aszites (Wasseransammlung in der Bauchhöhle
- Milzvergrösserung
• Pathologische Folgen
- Rückstau in die Körpervenen
• Komplikationen
- Stauungsekzeme durch Austrocknung der Haut
- Infektionen durch offene Geschwüre (Ulcus cruris)
- Blutstauung in den Organen (Vergrößerung Bauchumfang)
- Sauerstoffunterversorgung in der Leber
- Stauungszirrhose in der Leber
- Thromboserisiko
• Diagnose:
- Anamnese, Symptome (Dyspnoe, körperl. Leistung, Nykturie)
- EKG
- Ultraschalluntersuchung (vergrößertes Herz)
- Röntgen (Herzvergrösserung)
- Labor: Herzhormon BNP (hohes BNP = höhere Insuffizienz)
• Therapie:
- Ursachen behandeln
- Übergewicht reduzieren, Anstrengung anpassen
- leichtverdauliche Kost für Entlastung Magen-/Darm
- Flüssigkeitseinschränkung und salzarme Kost
- Plasmavolumen senken -> Diuretika
- Medikamente zur Verbesserung der Herzleistung (z.B. Digitalis)
Definition:
Anhaltend erhöhter arterieller Ruheblutdruck von über 140/90 mmHG
•Ursachen:
•• Primäre Hypertonie (essentielle Hypertonie)
- weitgehend unbekannt
- Arteriosklerose
- Übergewicht, salz- und fettreiche Ernährung
- familiäre Veranlagung
•• Sekundäre Hypertonie: als Folge von anderen Krankheiten
- renal (steigender Reninpegel steigert Blutdruck)
-- durch Nierensteinstenose oder Veränderungen des Nierengewebes
- endokrin
-- vermehrte Kortisolbildung (Cushing-Syndrom)
-- Hyperthyreose
-- vermehrte Aldosteronbildung
- neurogen
-- Meningitis
-- Hirntumor
- medikamentös
• Symptome:
•• Leichte Hypertonie:
- meist keine Symptome, lange beschwerdefrei
- oft Folgeerscheinungen
•• Schwere Hypertonie:
- Kopfschmerzen
- Nasenbluten
- Herzklopfen, Atemnot
- Schwindelgefühl
- Übelkeit
• Komplikationen:
•• Leichte Hypertonie:
- Schädigung der Gefässwände führen zur Arteriosklerose
- Herzinsuffizienz
•• Schwere Hypertonie:
- übermässige Leistung des Herzens führt zur Hypertrophie des Herzmuskels und zur Herzinsuffizienz
- Hirnblutung
• Diagnose:
- Blutdruckmessung
- EKG
- Erfassung der Risikofaktoren einer Arteriesklerose
- Ausschließen einer sekundären Hypertonie
- Netzhautspiegelung
• Therapie:
- Werte unter 140/90 (130/80 Diabetiker) halten
- Normalisierung des Körpergewichts
- fett- und kochsalzarme Kost
- Bewegung (10'000 Schritte/t)
- Blutdrucksenker (Betablocker, ACE-Hemmer, Diuretika (entwässernd))
- Behandlung der Ursache einer sekundären Hypertonie
• Antihypertensiva-Gruppen
- Diuretika (entwässernd)
- Beta Blocker (Senkung Herzfrequenz und Blutdruck)
- Kalziumantagonisten (senkt Spannung in den Gefässwänden
- ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Blocker, Reninblocker (hemmen gefässverengendes Hormon)
• Prognose
- Lebenserwartung nimmt mit steigendem Blutdruck ab
- Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall
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