Jahreszahlen Österreich und Weltgeschichte - vom 15. Jhd. bis 1922 - detailliert

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2. Hälfte des 18. Jhd. (1740 - 1792)
Kurzerklärung:
* Bekannte Vertreter des „aufgeklärten Absolutismus" waren in Österreich die Habsburger Joseph II. und Leopold II. und unter deren Einfluss ihre Mutter Maria Theresia. In Preußen war Friedrich II. („der Große") und in Russland Zarin Katharina die Große bekannt für deren Reformen.
* Diese Herrscher erkannten angesichts der Ideen der Aufklärung in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, dass Veränderungen in den von ihnen beherrschten Staaten notwendig seien. Sie wollten, dass die Gesetze des Staates für alle Menschen unabhängig davon ob sie Adelige, reiche Bürger oder arme Bauern und Arbeiter seien gelten sollten und ließen deshalb allgemein verbindliche Gesetzbücher zusammenstellen. In einigen Staaten kam es zu Reformen wie z.B. der Abschaffung der Folter, dem Ende der Hexenprozesse, die Gewährung von Religions- und Meinungsfreiheit und der Einführung der Schulpflicht. Da sie weiter alleine entscheiden wollten welche Veränderungen durchgeführt werden sollten und deshalb die alleinige Macht behalten wollten lehnten sie die Einführung der Demokratie in ihren Staaten ab.
* Die „aufgeklärten Herrscher" erkannten weiters, dass ein Ausbleiben von Reformen zu Revolutionen der Bevölkerungen führen würden. So warnte beispielsweise der Habsburger Joseph II. seine Schwester Marie Antoinette, die mit dem französischen König Ludwig XVI. verheiratet war, dass es in Frankreich das absolut regiert wurde zu einer Revolution kommen werde, wenn keine Reformen umgesetzt werden würden. Wenige Jahre später kam es zur sogenannten „Französischen Revolution".
1789 - 1799
Kurzerklärung:
* Aufgrund der großen Unzufriedenheit großer Teile der französischen Bevölkerung kam es 1789 zum Ende der absoluten Macht des Königs Ludwig XVI. - der Monarch war ab diesem Zeitpunkt an die Vorgaben des französischen Parlaments - der „französischen Nationalversammlung" - gebunden.
* Es wurde die seit dem Mittelalter bestehenden Unterschiede zwischen den 3 Ständen Klerus (Geistliche wie Priester als 1. Stand), Adeligen (2. Stand) und den einfachen Bürgern (3. Stand) wie Arbeitern, Bauern und reicheren Bürgern abgeschafft.
* Die Einführung einer Verfassung mit den darin garantierten Menschenrechten sollte politische Mitbestimmung ermöglichen, die Gewaltherrschaft einzelner verhindern und die Freiheit des einzelnen Menschen gegenüber dem Staat sichern.
* Neben dem heute noch besonders bekannten „Sturm auf die Bastille" im Jahr 1789 kam in der Folge zu zahlreichen blutigen Auseinandersetzungen und schließlich der Zeit des sogenannten „Großen Terrors" bei der die Partei der „Jakobiner" unter der Führung von Maximilien de Robespierre eine Diktatur errichteten und zehntausende Menschen als angebliche Gegner der Revolution hingerichtet wurden. Es wurde nicht nur die Monarchie abgeschafft und die Republik eingeführt, sondern auch König Ludwig XVI. und seine Frau Marie Antoinette hingerichtet.
* Nachdem immer mehr einflussreiche Franzosen damit rechnen mussten als Feinde der Revolution verhaftet zu werden konnten die „Jakobiner" gestürzt und deren Vertreter verhaftet werden. Der Anführer der „Jakobiner" Maximilien de Robespierre wurde hingerichtet.
* In der Folgezeit wurde das sogenannte „Direktorium" eingerichtet, dass an der Spitze aus einer Gruppe von einflussreichen reichen Männern bestand sich die Macht in Frankreich aufteilten.
* 1799 kann der junge General Napoleon Bonaparte durch einen gewaltsamen Putsch die Macht in Frankreich als Diktatur übernehmen.
1789 (17. Juni)
Kurzerklärung:
* Als der sogenannte „Dritte Stand" sich zur „französischen Nationalversammlung" erklärte war dies der Anfang der „Französischen Revolution".
* In Frankreich gab es seit dem 17. Jhd. eine absolute Monarchie, in welcher der König alleine regierte und Veränderungen wie sie Denker / innen der „Aufklärung" forderten bekämpfte.
* Die französische Gesellschaft war seit dem Mittelalter in die drei Stände Klerus (Geistliche wie Priester als 1. Stand), Adelige (2. Stand) und die einfachen Bürger (3. Stand) die ca. 98 Prozent der Bevölkerung darstellen eingeteilt. Da die beiden ersten Stände kaum Steuern zahlen mussten trug der 3. Stand die Hauptlast der Belastungen.
* Durch die äußerst schlechte Entwicklung des Klimas in diesen Jahren kam es zu einem enormen Nahrungsmittelmangel, der u.a. einen enormen Anstieg des Brotpreises bewirkte. Da der König Ludwig XVI. und seine Regierung den Menschen u.a. wegen leerer Staatskassen in ihrer Not nicht half und viele Bürger politische Mitbestimmung forderten kam es zu Protesten.
* Der französische König Ludwig XVI. rief im Mai 1789 erstmals nach über 150 Jahren wieder Vertreter der 3 Stände zur Versammlung der sogenannten „Generalstände" zusammen um neue Steuern beschließen zu lassen die von nun an auch von Klerus und Adel zu bezahlen wären. Die ersten beiden Stände verfügten jeweils über 300 Abgeordnete und der dritte Stand über 600 Abgeordnete. Da bei Abstimmungen der „Generalstände" nicht nach der Anzahl der Abgeordneten abgestimmt wurde, sondern jeder einzelne Stand jeweils eine Stimme hatte konnten bei allen Abstimmungen der Klerus und Adel (insgesamt ca. 2% der Bevölkerung) gemeinsam den 3. Stand (98% der Gesellschaft) überstimmen.
* Nachdem der dritte Stand über mehrere Wochen hinweg mehrmals erfolglos eine Abstimmung nach Anzahl der Abgeordneten gefordert hatte, erklärte er sich zur „französischen Nationalversammlung" - der eigentliche Anfang der „französischen Revolution", da dies den Anfang darstellte um die absolute Macht des Königs brechen zu können. Da sogar der Klerus und Adel sich mit jeweils knapper Mehrheit dem dritten Stand anschlossen musste Ludwig XVI. die „Nationalversammlung" als Vertretung der französischen Nation anerkennen.
1799 - 1815
Kurzerklärung:
* Napoleon Bonaparte wurde auf der Insel Korsika geboren, die erst ein Jahr zuvor ein Teil Frankreichs geworden war. Napoleon erreichte während der französischen Revolution aufgrund seiner militärischen Fähigkeiten in der Armee rasch die Position eines Generals.
* Er wurde schließlich Diktator des Landes und krönte sich selber zum Kaiser der Franzosen. Napoleon erreichte mit Hilfe seiner Armee und Bündnispartner eine Vorherrschaft in Europa der sich zeitweise nur Großbritannien und Russland widersetzten konnten.
* Dieser Aufstieg Napoleons als Mann aus dem niederen Adel eines Gebietes, dass erst seit kurzem zu Frankreich gehörte, wäre in der Ständegesellschaft des französischen Königreichs undenkbar gewesen, da z.B. die Position eines Generals nur Angehörigen des hohen Adels vorbehalten warten. Erst die radikalen Veränderungen der französischen Revolution machten den Aufstieg bis hin zum Staatsoberhaupt möglich.
* Obwohl er verantwortlich war für Kriege die mehr als 5 Millionen Europäern das Leben kostete genoss Napoleon bei großen Teilen der französischen Bevölkerung großes Ansehen, da er nach der „Französischen Revolution" die blutigen Unruhen im Land beenden konnte.
* In anderen europäischen Völkern entstand aufgrund der französischen Besetzung des eigenen Landes das Bedürfnis sich als gesamte Nation gegen die fremde Übermacht zu wehren. So entstand während dieser Zeit erstmals im größeren Ausmaß in Deutschland und Italien die in mehrere einzelne Staaten geteilt war ein eigenes Nationalgefühl.
* Napoleon konnte schließlich durch ein Bündnis von europäischen Großmächten besiegt werden und starb dann in der Verbannung auf der Insel St. Helena im Südatlantik.
1814 - 1815
Kurzerklärung:
* Nach einer Reihe französischer Niederlagen wie z.B. der „Völkerschlacht bei Leipzig" (1813) musste Napoleon als Kaiser 1814 zurücktreten und wurde auf die Insel Elba verbannt. Der österreichische Kaiser Franz I. lud die Vertreter der ungefähr 200 europäischen Staaten und Städte nach Wien zu einer Versammlung („Kongress") - dem „Wiener Kongress" - ein um über die Neuordnung Europas nach der Niederlage Napoleons zu beraten. Da einigen Vertretern das eigene Vergnügen wichtiger war als der politische Fortschritt wurde u.a. von einem Kongressteilnehmer der Vorwurf geäußert „der Kongress tanzt, aber er kommt nicht vorwärts".
* Da es aufgrund der „Französischen Revolution" und den sich daran anschließenden napoleonischen Kriegen zahlreiche Veränderungen der Grenzen gegeben hatte wollten vor allem die europäischen Großmächte Großbritannien, Frankreich, Russland, Österreich und Preußen einen Ausgleich und ein „Mächtegleichgewicht" erreichen um zukünftige Kriege vermeiden zu können. Auf dem Wiener Kongress einigten sie sich darauf die drei Grundsätze der Restauration (Wiederherstellung) der bisherigen Grenzen, die Legitimität (Rechtmäßigkeit) der Herrschaftsansprüche der Dynastien (Herrscherfamilien), und Solidarität (gegenseitige Hilfsbereitschaft) zwischen den Herrscherfamilien einzuhalten.
* Jeglicher Wunsch nach demokratischer Mitbestimmung und Meinungsfreiheit der Menschen wurde von den Herrschern Europas als Angriff auf deren Legitimität (Rechtmäßigkeit) als absolut herrschende Monarchen gesehen, die von Gott dafür auserwählt worden seien („Gottesgnadentum"). Die Fürsten begründeten ihr Vorgehen u.a. damit, dass zukünftig nur die absolut herrschenden Fürsten derartige blutige Ausschreitungen wie während der französischen Revolution und den Revolutionskriegen verhindern werden können.
* Dem Grundsatz der „Restauration" (Wiederherstellung) entsprechend wurde in Frankreich wieder ein König eingesetzt - dies war Ludwig XVIII., der Bruder des während der französischen Revolution hingerichteten Ludwig XVI. Darüber hinaus musste Frankreich alle Gebiete wieder abtreten die es während der napoleonischen Zeit erworben hatte.
* Da die Fürsten Österreichs, Preußens und Russlands erkannt hatten, dass die Bevölkerungen ihrer eigenen Länder unter Umständen zu Revolutionen bereit waren schlossen sie sich - dem Grundsatz der „Solidarität" folgend - zur sogenannten „Heiligen Allianz" zusammen. So kam es beispielsweise während der Revolution von 1848 / 1849 zu einer Unterstützung der österreichischen Habsburger durch die Armeen des russischen Zaren.
* 1806 war das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation" aufgelöst worden. Da der in großen Teilen der deutschsprachigen Bevölkerung vorhandene Wunsch nach einem deutschen Nationalstaat die Herrschaft, der über 30 Fürsten beendet hätte einigte man sich 1815 auf die Gründung des letztlich machtlosen sogenannten „Deutschen Bundes". Der „Deutsche Bund" bestand aus voneinander unabhängigen Staaten, die sich vor allem nach außen hin gegenseitig unterstützen und gegenseitige Kriege verhindern sollten. Der „Deutsche Bund" scheiterte 1866 an der militärischen Auseinandersetzung zwischen den beiden deutschen Großmächten Österreich und Preußen.
19. Jhd. bis 1918 (Ende des 1. Weltkriegs)
Kurzerklärung:
* Die Habsburger - Monarchie war bis zu deren Auflösung am Ende des 1. Weltkriegs ein „Vielvölkerstaat" der sich aus zahlreichen Nationen zusammensetzte.
* Zahlreiche Vertreter dieser Nationen wollten vorerst mehr Einfluss innerhalb der Monarchie und langfristig sogar die Gründung eines eigenen Nationalstaats erreichen.
* Welche Nationen in der Habsburger - Monarchie lebten erkennt man u.a. an einer 1910 durchgeführten Untersuchung hinsichtlich der zu diesem Zeitpunkt anzutreffenden „Umgangssprachen". Die am häufigsten gesprochenen Sprachen in der Österreichisch - Ungarischen - Monarchie waren Deutsch (25 %) und Ungarisch (20%). Besonders häufig waren in der Monarchie slawische Völker anzutreffen - Tschechen (13%), Ukrainer (7%), Polen (10%) und Südslawen die Slowenisch (2%) und Serbokroatisch (8%) sprachen. Darüber hinaus waren 1910 die Sprachen Rumänisch (6%) und Italienisch (2%) in der Monarchie anzutreffen.
* Im Laufe des 19. Jhd. kam es zu einer politischen Radikalisierung der Völker. Die Konflikte zwischen den Nationen beschränkten sich in der 2. Hälfte des 19. Jhd. nicht immer auf heftige Debatten im österreichischen Parlament, sondern es kam zunehmend auch zu gewalttätigen Übergriffen zwischen Bevölkerungsgruppen in Form von Plünderungen, Anschlägen und Attentaten. Angehörige einzelner Nationen boykottierten z.B. den Kauf in „fremden Geschäften", weigerten sich an Angehörige anderer Völker Wohnungen zu vermieten oder diese in ihren Betrieben anzustellen.
1848 (Februar)
Kurzerklärung:
* Die beiden deutschen Denker Karl Marx und Friedrich Engels veröffentlichten im Februar 1848 in ihrem Exil in London das sogenannte „Kommunistische Manifest" - eine 23 seitige Schrift in der sie verarmte und ausgebeuteten Menschen - die sogenannten „Proletarier" - zum Aufstand gegen die gewaltsame Unterdrückung der absolut regierenden Fürsten und ihre Ausbeuter- die sogenannten „Kapitalisten" - aufriefen.
* Unter „Kapitalisten" verstanden Marx und Engels die Eigentümer von sogenannten „Produktionsmitteln" wie z.B. Fabriken, Grundstücken, Rohstoffen, Energie und Transportmöglichkeiten, mit denen in einer modernen Gesellschaft etwas hergestellt werden konnte. Marx und Engels warfen den „Kapitalisten" vor den Menschen für ihre Arbeit zu wenig zu bezahlen und sich selbst maßlos zu bereichern.
* Die beiden Denker versuchten nicht nur Ursachen für diese Entwicklung anzuführen, sondern forderten konkrete Maßnahmen um diese Situation grundlegend verändern zu können.
* Der von Marx und Engels geforderte Aufstand sollte als „Klassenkampf" von den Proletariern mit dem Ziel geführt werden eine „kommunistische Gesellschaft" zu errichten. Die Proletarier sollten zur „herrschenden Klasse" im Staat werden. In dieser „Diktatur des Proletariats" sollte u.a. durch Gewaltanwendung und Enteignung von Privateigentum dafür gesorgt werden, dass der kommunistische Staat die Kontrolle der gesamten Wirtschaft und der gesamten Gesellschaft übernehmen sollte.
* Marx und Engels gingen davon aus, dass der von ihnen vorhergesagte Umsturz der Verhältnisse in Deutschland beginnen würde, da sie dort eine besondere revolutionäre Stimmung vermuteten. Bevor aber der Kampf gegen die bürgerlichen „Kapitalisten" erfolgreich sein könnte, müssten die Proletarier bereit sein gemeinsam mit Anhängern anderer Parteien die Herrschaft der Fürsten zu beenden. Danach wäre es dann laut den beiden Denkern möglich eine „Diktatur des Proletariats" einzuführen.
* Die Forderungen von Marx und Engels wurden nach 1848 bis heute von sozialistischen und kommunistischen Parteien vertreten. Selbst kommunistische Diktaturen wie jene der Sowjetunion unter Stalin beriefen sich früher oder Nordkoreas berufen sich noch gegenwärtig auf die beiden Denker um ihre „Einparteiendiktatur" zu rechtfertigen.
1848 - 1849
Kurzerklärung:
* In mehreren europäischen Staaten kam es im Verlauf des Jahres 1848 und 1849 zu gewaltsamen Aufständen gegen die bis dahin herrschenden Fürsten und deren Regierungen.
* Ursachen für die Revolution waren u.a. Proteste der verarmten Bevölkerung wegen der großen sozialen Not der Menschen durch die Ausbeutung und Arbeitsbedingungen der „industriellen Revolution", Forderungen nach politischer Mitbestimmung des wohlhabenden Bürgertums und der Studenten.
* In einigen Regionen Europas wie z.B. in Polen, Italien und Ungarn wurden von großen Teilen der Bevölkerung Aufstände unternommen um die Fremdherrschaft der Russen, Österreicher oder Preußen beenden und nationale Selbstbestimmung erreichen zu können.
* Nach anfänglichen Erfolgen konnte in den meisten Staaten durch massiven Militäreinsatz die vorhergehenden Herrschenden ihre Macht zurückgewinnen.
* In vielen Ländern konnte dennoch die Befreiung der Bauern von der „Leibeigenschaft" dauerhaft erreicht werden.
* Obwohl z.B. in Preußen und Österreich nach 1849 die Fürsten wieder absolut herrschen konnten, blieb dennoch in den jeweiligen Bevölkerungen die Erinnerung an die noch während der Revolution von den Aufständischen beschlossenen Verfassungen und den darin enthaltenen Grundrechten erhalten.
* Der Wunsch nach einem eigenen Nationalstaat erfüllte sich in Italien mit der Gründung des „Königreichs Italien" bereits 1861, in Deutschland mit dem Entstehen des „Deutschen Kaiserreichs" 1871 und in anderen Ländern z.B. nach dem 1. Weltkrieg erst mit dem der Zerfall der Habsburger - Monarchie.
* In manchen europäischen Staaten erkannten die Herrscher, dass sie auf Dauer die Anliegen der Bevölkerungen nicht ignorieren konnten, sondern diesen gerecht werden mussten und leiteten mit der Zeit notwendige Reformen ein.
2. Hälfte des 19. Jhd. (1861)
Kurzerklärung:
* Die Gründung des Königreichs Italien als Nationalstaat: Italien war - ähnlich wie Deutschland - über Jahrhunderte hinweg in mehrere Staaten geteilt, die von verschiedenen meist ausländischen Herrscherfamilien wie den österreichischen und spanischen Habsburgern und französischen und spanischen Bourbonen regiert wurden. Neben dem vom jeweiligen Papst regierten Kirchenstaat in Mittelitalien gab es als einziges einheimisches Adelsgeschlecht, das ein größeres Gebiet beherrschte die Herrscherfamilie „Savoyen" die auch als „Haus Savoyen" bezeichnet wurde. Das „Haus Savoyen" beherrschte das Königreich „Piemont - Sardinien".
* Nachdem der französische Kaiser Napoleon 1805 das „Königreich Italien" geschaffen hatte und sich selber zum italienischen König gemacht hatte verbreitete sich im 19. Jhd. mit dem in Europa aufkommenden Nationalismus der Wunsch nach einem eigenen Nationalstaat. Unter italienischen Bürgern verbreitete sich als Auswirkung der verschiedenen europäischen Revolutionen in dieser Zeit auch der Wunsch nach dem Ende der absoluten Herrschaft („Absolutismus") der verschiedenen Fürsten, politischer Mitbestimmung und die Gewährung von Verfassungen mit der Zusicherung von Grundrechten wie Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit.
* Während der Revolution von 1848 / 1849 kam es auch in Italien zu zahlreichen Aufständen gegen die Fremdherrschaft um diese Ziele umsetzen zu können, die letztlich aber alle militärisch niedergeschlagen wurden.
* Als König von Piemont - Sardinien schloss Viktor Emanuel II. in mehreren Kriegen (1859 und 1866) verschiedene und wechselnde Bündnisse mit Frankreich und Preußen um das österreichische Kaiserreich besiegen zu können. Obwohl die Italiener sich gegenüber den Österreichern militärisch NICHT ALLEINE durchsetzen können, sondern immer den Beistand von Bündnispartnern wie Frankreich und Preußen benötigten wurde letztlich die Herrschaft der Habsburger in Ober- und Mittelitalien beendet. Eine Voraussetzung dafür war u.a. auch, dass die Bevölkerung kleinerer von den Habsburgern beherrschten Fürstentümer in Italien ab 1860 mit großen Mehrheiten für den Anschluss ihrer Gebiete an Piemont - Sardinien stimmte.
* 1861 entstand schließlich das Königreich Italien als Vereinigung von Nord- und Süditalien mit der Hauptstadt Florenz.
* 1870 wurde die nationale Einheit Italiens durch die militärische Besetzung des Kirchenstaates erreicht und Rom wurde die Hauptstadt des Königreichs Italien.
2. Hälfte des 19. Jhd. (1861 - 1865)
Kurzerklärung:
* Ab dem 18. Jhd. kam es in immer mehr Staaten zur allmählichen Abschaffung der Sklaverei. So wurde am Wiener Kongress (1814 - 1815) die Ablehnung der Sklaverei beschlossen.
* Im Laufe des 19. Jhd. gab es in den USA vor allem im Norden immer mehr Menschen die eine Abschaffung der besonders in den südlichen Staaten des Landes verbreiteten Sklaverei forderten. Die beinahe 4 Millionen Sklaven arbeiteten in den Südstaaten unter unmenschlichen Bedingungen besonders häufig in Baumwollplantagen. Während die Landwirtschaft mit ihren riesigen Baumwollplantagen im Süden der USA eine herausragende wirtschaftliche Bedeutung hatte wurde die Industrialisierung mit Hilfe moderner Maschinen und dem Transport der produzierten Güter mit der Eisenbahn im Norden des Landes zunehmend wichtig.
* Vor allem Politiker aus den Nordstaaten wie der neu gewählte US - Präsident Abraham Lincoln wollten das Verbot der Sklaverei in die Verfassung der USA aufnehmen. Nach heftigen Diskussionen erklärten sich die Staaten des Südens unabhängig und bildeten gemeinsam die sogenannte Konföderation. Dadurch kam es zum sogenannten „Amerikanischen Bürgerkrieg" bzw. „Sezessionskrieg" zwischen der „Konföderation" der Südstaaten und der „Union" der Nordstaaten der von 1861 bis 1865 dauerte.
* Da der Norden nicht nur über beinahe 3 Millionen Soldaten im Gegensatz zum Süden mit 1 Million Soldaten verfügte, sondern auch wirtschaftlich und technisch weit überlegen war konnte er sich letztlich in diesem Krieg durchsetzen. Im „Amerikanischen Bürgerkrieg" starben mit über 600 000 Soldaten mehr US - Bürger als im 1. oder 2. Weltkrieg.
* Obwohl die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde kam es noch nicht zu einer rechtlichen Gleichstellung der Farbigen mit der weißen Bevölkerung da es dort weiter Formen der „Rassentrennung" gab wie z.B. getrennte Schulen und Farbigen vielfach nicht an demokratischen Wahlen teilnehmen konnten.
* Um in Zukunft die Einheit der USA sicherstellen zu können wurde die Macht der Regierung in Washington gegenüber den einzelnen Bundesstaaten der USA gestärkt. Die USA befand sich auf dem Weg zu einer wirtschaftlichen und militärischen Weltmacht.
1866
Kurzerklärung:
* Preußen galt seit dem 18. Jhd. als der mächtigste Gegenspieler Österreichs innerhalb Deutschlands. Die Österreichischen Habsburger hatten über Jahrhunderte hinweg bis 1806 als Kaiser die Entwicklung des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" - auch „Deutsches Reich" genannt - beeinflusst.
* Obwohl der Wunsch der Bevölkerungen nach einem deutschen Nationalstaat während der Kriege gegen Napoleon deutlich geworden war, kam es während des „Wiener Kongresses" (1814 - 1815) nur zur Gründung des sogenannten „Deutschen Bundes" - ein Pakt von voneinander unabhängigen 34 Fürstentümern und 4 freien Städten. Die Führung bzw. den Vorsitz im „Deutschen Bund" hatte Österreich. Die mögliche Vormacht eines einzelnen Staates im „Deutschen Bund" wurde u.a. dadurch verhindert, dass alle wesentlichen Entscheidungen einstimmig getroffen werden mussten.
* Die Revolutionen der Jahre 1848 und 1849 führten im deutschsprachigen Bereich zu keiner Gründung eines gemeinsamen Nationalstaats.
* 1864 kam es zu einem Streit zwischen einerseits dem „Deutschen Bund" und anderseits Dänemark in der Frage zu welchem Staat die Gebiete Schleswig und Holstein gehören sollten. Diese Auseinandersetzung führte 1864 zum sogenannten „Deutsch-Dänischen Krieg" bei der u.a. die Armeen der mächtigsten Staaten des „Deutschen Bundes" Österreichs und Preußens die Truppen Dänemarks besiegen konnten. Nachdem Dänemark besiegt worden war kam es zu Streitigkeiten zwischen Preußen und Österreich in der Frage wer in Zukunft in Schleswig und in Holstein herrschen sollte.
* 1866 führten diese Auseinandersetzungen zwischen Österreich und Preußen bzgl. Schleswig und Holstein zu einem Krieg der u.a. als „Deutscher Krieg" oder „preußisch - deutscher Krieg" bezeichnet wird. Während Preußen mit Italien und den norddeutschen Staaten verbündet war wurde Österreich von den süddeutschen Staaten unterstützt. Das Kriegsziel beider Staaten war die Vorherrschaft in Deutschland zu erreichen. Den Österreichern gelangen zwar Siege gegen Italien aber die militärische Niederlage in der Schlacht bei Königgrätz (1866) im damaligen Böhmen gegen Preußen führte zur Niederlage der Habsburger - Monarchie.
* Folgen des Krieges waren u.a. der Machtverlust Österreichs, die Auflösung des „Deutschen Bundes" und Preußen wurde der mächtigste Staat Deutschlands. Die norddeutschen Staaten bildeten mit Preußen als Führungsmacht den sogenannten „Norddeutschen Bund".
1867
Kurzerklärung:
* Die Unzufriedenheit der Bürger und Völker der Donaumonarchie führte letztlich zu zahlreichen Forderungen nach Veränderungen und zu einer Schwächung der Monarchie da die Habsburger damit rechnen mussten, dass es auch in Zukunft zu Aufständen gegen ihre Herrschaft kommen würde.
* Insbesondere nach der österreichischen Niederlage bei der Schlacht bei Königgrätz 1866 gegen Preußen bestand die Gefahr eines Aufstands der Ungarn als zweitgrößter Nation der Monarchie gegen die Herrschaft der Habsburger.
* Um eine Loslösung Ungarns von der Habsburger - Monarchie verhindern zu können kam es deshalb 1867 zum sogenannten „Österreichisch - Ungarischen - Ausgleich".
* Die Monarchie wurde in die zwei gleichberechtigten Reichshälften „Österreich" und „Ungarn" geteilt - in diesem Sinne sprach man auch von einem „Dualismus" (von lateinisch dualis „zwei enthaltend, Zweiheit"). Die ungarische und österreichische Reichshälfte waren jeweils innenpolitisch unabhängig voneinander und hatten je eine EIGENE Regierung, Volksvertretung (Parlament) und Verfassung, die die Rechte und Pflichten der Bevölkerungen regelten.
* Der „Österreichisch - Ungarische - Ausgleich" sah vor, dass die Monarchie in eine „Doppelmonarchie" Österreich - Ungarn umgewandelt wurde. Da nun Franz Joseph in „Personalunion" (eine Person beherrschte mehrere Reiche) das Kaiserreich Österreich UND das Königreich Ungarn beherrschte sprach man in diesem Sinne auch von der „K. (kaiserlich) K. (königlichen) - Monarchie".
2. Hälfte des 19. Jhd. bis 1914 (Anfang des 1. Weltkriegs)
Kurzerklärung:
* Seit dem Ende des 15. Jhd. strebten immer mehr europäische Mächte danach Gebiete auch außerhalb des eigenen Kontinents politisch und wirtschaftlich von sich abhängig zu machen und damit den eigenen Machtbereich zu expandieren (erweitern). Derartige Gebiete die KEINE eigene politische und wirtschaftliche Macht mehr besitzen und deshalb vollständig von anderen Ländern beherrscht werden bezeichnet man als „Kolonien".
* Die Kolonialmächte versuchten Nutzen aus ihren Kolonialgebieten zu ziehen. So wurden Stützpunkte für Armee und Handel an geostrategisch günstigen Orten eingerichtet, von denen aus u.a. die Umgebung gut kontrolliert werden konnte. Die Kolonialmächte nutzen die neu erworbenen Gebiete für die im 19. Jhd. stark wachsende eigene Bevölkerung ebenfalls als Auswanderungsmöglichkeit und zusätzlichen Siedlungsraum.
* Einige Unternehmer aus den Ländern der Kolonialherren erhofften sich im Zusammenhang mit den Kolonien Verdienstmöglichkeiten. Da die Bevölkerung in den Kolonien in der Regel geringere Löhne erhielten als jene der Kolonialmächte waren diese aus Sicht der Unternehmer verhältnismäßig günstige Arbeitskräfte. Darüber hinaus dienten die Kolonien als Absatzmärkte für die in den Ländern der Kolonialmächte hergestellten Produkte. Kaufleute der Kolonialmächte profitierten vom Handel mit sogenannten „Kolonialwaren" wie z.B. Kaffee, Tee, Gewürze, Rohzucker, Tabak und Früchten die diese von den Kolonien in das eigene Land importierten. Die Industrie der Kolonialmächte konnte besonders günstig auf Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte aus den Kolonien wie u.a. Baumwolle, Kautschuk, Hölzer, Erze, Mineralien und Edelmetalle zugreifen.
* In der 2. Hälfte des 19. Jhd. kam es weltweit immer wieder zu teilweise kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den europäischen Staaten Großbritannien, Frankreich, Russland Italien, Spanien, Portugal, Belgien und Deutschland und teilweise auch der USA, dem Osmanischen Reich und Japan um Kolonialbesitz und Einfluss.
* Damit im Falle eines Krieges die eigenen Ziele besser erreicht werden konnten bzw. man sich besser verteidigen konnte wurden die Armeen in den meisten Staaten mit modernen Waffen enorm aufgerüstet und die Länder schlossen sich zu verschiedenen Bündnissen gegeneinander zusammen.
1914 - 1918
Kurzerklärung:
* Am 1. Weltkrieg (1914 - 1918) waren 40 Staaten und ungefähr 70 Millionen Soldaten beteiligt. Annähernd 17 Millionen Menschen - Soldaten und Zivilbevölkerung (Teil der Bevölkerung, die keine Soldaten sind) - starben damals weltweit durch u.a. Kämpfe, Hungersnöte und Krankheiten.
* Die Zeit vor dem 1. Weltkrieg war geprägt durch die zunehmenden Gegensätze zwischen europäischen Großmächten wie u.a. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und Österreich-Ungarn. Im Juni 1914 wurde der österreichische Thronfolger von serbischen Nationalisten in Sarajewo ermordet. Dieses Ereignis führte letztlich zu einem Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Serbien.
* Da Österreich-Ungarn und Serbien wiederum mit anderen Staaten verbündet waren und sich weitere Mächte wie Italien, Bulgarien und die USA während des Krieges an den Kämpfen beteiligten kam es zu einer enormen Ausweitung des Konfliktes. Die sogenannten „Mittelmächte" (Österreich-Ungarn, Deutsches Reich, Osmanisches Reich) mit 138 Millionen Einwohnern kämpften gegen die „Entente" (Frankreich, Russland, Großbritannien) mit einer Bevölkerung von 708 Millionen Menschen. 1915 schloss sich Bulgarien den Mittelmächten und Italien der „Entente" an. Ab 1917 nahm die Weltmacht USA an der Seite der „Entente" am 1. Weltkrieg teil und Russland schied nach der „Oktoberrevolution" aus diesem Krieg aus.
* Der 1. Weltkrieg war ein „industrialisierter Krieg": Die „Entente" und die „Mittelmächte" versuchten erstmals in der Geschichte mit den Mitteln der modernen Industrie wie u.a. der Massenproduktion, dem Einsatz moderner Waffen (z.B. Flugzeuge, Panzer, ...) und chemischer Kampfstoffe (z.B. Giftgas) die kriegerischen Auseinandersetzungen für sich zu entscheiden.
* Von der gesamten Bevölkerung wurde eine totale Kriegsanstrengung abverlangt. So mussten alle wehrfähigen Männer als Soldaten kämpfen und die übrige Zivilbevölkerung in der Rüstungsindustrie arbeiten. Da viele Männer als Soldaten ihren bisherigen Arbeitgebern als Arbeitskräfte verloren gingen wurden Frauen dazu gezwungen deren Stellen in den Betrieben zu übernehmen da die Produktion von Lebensmitteln, Waren, Waffen und Munition in der Heimat fortgeführt werden musste. Dadurch ergab sich für viele Frauen eine Mehrfachbelastung da sie ja z.B. neben der Erwerbsarbeit in den Fabriken ihre Familien auch ohne Unterstützung ihrer Männer durchbringen mussten.
* Mit der Zunahme der Kriegsdauer und endgültig mit dem Kriegseintritt der USA wurde die militärische und wirtschaftliche Überlegenheit der Entente und der mit ihr verbündeten Staaten gegenüber den Mittelmächten so groß, dass diese sich ab Oktober 1918 ergeben mussten.
In welchem Jahr kam es zu der sogenannten „Oktoberrevolution"?
1. Wie wird der russische Kaiser genannt?
2. Welcher Familie gehörten die russischen Herrscher 1917 an?
3. Vergleiche Russland zum Beginn des 1. Weltkriegs wirtschaftlich mit den anderen europäischen Großmächten!
4. Schildere den sozialen Aufbau der damaligen russischen Gesellschaft! Berücksichtige in diesem Zusammenhang die sozialen Unterschiede innerhalb der Gesellschaft!
5. Wie reagierten Teile der Bevölkerung auf Missstände und Unterdrückungen in Russland?
6. Wie reagierten die russischen Herrscher bis 1917 auf Aufstände von Teilen der Bevölkerung?
7. Wie wirkte sich die Teilnahme Russlands am 1. Weltkrieg auf die wirtschaftliche Situation der eigenen Bevölkerung aus?
8. Wie lautet der Name des letzten russischen Zaren?
9. Erkläre was man unter sogenannten "Großbürgern" verstand! Warum waren diese in Russland besonders einflussreich?
9. Erkläre was man unter der sogenannten "Februarrevolution" und der dadurch entstandenen "provisorischen Regierung" versteht! Warum lehnte ein großer Teil der Bevölkerung die "provisorischen Regierung" ab?
10. Erkläre was man in Russland unter "Sowjets" verstand! Nenne drei Arten von Sowjets!
11. Wer führte 1917 die sogenannten "Bolschewiki" an? Welche Partei entstand später aus den "Bolschewiki"?
12. Wie wurde die Parteiarmee der "Bolschewiki" genannt?
13. Warum spricht man heute nicht von der "Novemberrevolution" sondern von der "Oktoberrevolution" obwohl diese Revolution am 7. November 1917 stattfand?
14. Warum errichteten die Kommunisten nach den freien Wahlen eine Diktatur?
15. Nenne drei Gebiete die Russland durch den "Frieden von Brest - Litowsk" verlor!
16. Erkläre warum es zum sogenannten "russischen Bürgerkrieg" kam!
17. Erkläre was man unter der sogenannten "Roten Armee" und der "Weißen Armee" verstand!
18. Wer konnte den russischen Bürgerkrieg für sich entscheiden?
1917
Kurzerklärung:
* Bis 1917 wurde das große russische Reich durch sogenannte Zaren - die russische Bezeichnung für ihre Kaiser - aus der Herrscherfamilie der Romanows absolutistisch regiert - die russischen Herrscher verweigerten dem Volk beinahe jegliche politische Mitbestimmung.
* Verglichen mit anderen europäischen Großmächten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien war Russland nur in einem geringen Ausmaß industrialisiert und wirtschaftlich rückständig.
* Es gab in Russland sehr große soziale Unterschiede zwischen den wenigen Reichen und der überaus großen Mehrheit der armen Bauern und Arbeiter. Während ca. 3% der Bevölkerung Arbeiter waren stellten die Bauern die große Bevölkerungsmehrheit dar. Diese unteren Bevölkerungsschichten wurden durch die kleine Oberschicht mittels u.a. hoher Steuern und Zwangsarbeit ausgebeutet.
Als Reaktion auf die sozialen Missstände und Unterdrückungen wurden mehrere politische Parteien gegründet und Aufstände wie im Jahr 1905 gegen den Zaren versucht. Die russischen Herrscher reagierten darauf mit weiterer Verfolgung der politischen Gegner.
* Die vom Zaren erwünschte Teilnahme Russlands am 1. Weltkrieg (1914 - 1918) führte zur Erschöpfung großer Teile der Bevölkerung und damit zahlreicher Proteste und Streiks. Da im Februar 1917 das Militär dem Zaren die Unterstützung versagte kam es zur Absetzung des letzten Herrschers Nikolaus II. aus der Familie der Romanows. Am Ende dieser „Februar - Revolution" wurde eine neue „Provisorische Regierung" gebildet die u.a. besonders von Adeligen und reichen Bürgern - sogenannte „Großbürger" - unterstützt wurde. Diese Regierung fand u.a. deshalb nur eine geringe Zustimmung bei der Bevölkerungsmehrheit da diese wollte, dass Russland weiter am 1. Weltkrieg teilnehmen sollte.
* Es wurden in dieser Zeit sogenannte „Sowjets" - russisch für „Räte" - gegründet die bestimmten Personengruppen als Möglichkeit zur Versammlung und Interessensvertretung dienen sollten. Es entstanden so u.a. Soldatenräte, Bauernräte und Arbeiterräte. Mitglieder dieser Sowjets waren Vertreter u.a. der Parteien der „Menschewiki", „Sozialrevolutionäre" und „Bolschewiki".
* Der Politiker Lenin forderte mit seinen „Bolschewiki" u.a., dass der Grundbesitz der Reichen enteignet und verstaatlicht, die wirtschaftliche Produktion unter staatliche Kontrolle gestellt, die Polizei und Armee abgeschafft werden sollten. Es sollte letztlich eine „Diktatur des Proletariats" - also die Herrschaft der „Bolschewiki" errichtet werden. Besonders große Zustimmung erhielten die „Bolschewiki" aber für ihre Forderung nach dem Kriegsaustritt Russlands.
* Nach dem damals geltenden russischen Kalender kam es am 25. Oktober 1917 - nach heutiger Zeitrechnung am 7. November 1917 - zum gewaltsamen Sturz der „provisorischen Regierung" Russlands durch die „Bolschewiki" und deren Parteiarmee der „Roten Garden".
* Aus den „Bolschewiki" entstand 1918 schließlich unter ihrem Anführer Lenin die „Kommunistische Partei Russlands". Da die Kommunisten in freien Wahlen nicht die absolute Mehrheit der Stimmen erhielten errichteten sie gewaltsam und ihrem Führer Lenin eine Diktatur.
* Durch den sogenannten „Frieden von Brest-Litowsk" im Jahr 1918 beendete Russland den Krieg mit dem „Deutschen Reich" und „Österreich - Ungarn". Russland willigte in den Verlust von Polen, Finnland, der Ukraine und der baltischen Staaten ein.
* Die Ablehnung der kommunistischen Politik und der sich daraus ergebenden großen sozialen Not die u.a. zu einer Hungersnot mit 5 Millionen Toten führte waren Ursachen für den sogenannten „russischen Bürgerkrieg" von 1917 bis 1922. In diesem Bürgerkrieg kämpften die Kommunisten mit ihrer „Roten Armee" gegen die sogenannte „Weiße Armee" die vor allem von Anhängern der ehemaligen Zaren, Großgrundbesitzern, gemäßigten Sozialisten und den Westalliierten Frankreich und Großbritannien unterstützt wurden. Die vor allem überaus grausame Kriegsführung der „Roten Armee" führte dazu, dass der Bürgerkrieg ca. 1 Million an Toten forderte.
* Die Kommunisten konnten sich schließlich als Sieger des Bürgerkriegs durchsetzen und gründeten 1922 in dem von ihnen beherrschten Gebiet den Staat „Sowjetunion" der bis 1992 bestehen sollte.
1919
Kurzerklärung:
* Noch während des 1. Weltkriegs (1914 - 1918) veröffentlichte der damalige US - Präsident Woodrow Wilson im Jänner 1918 sein sogenanntes „14 Punkte - Programm". Damit zukünftig Kriege verhindert werden konnten sollten Friedensverträge nur mit Demokratien und nicht mit Diktaturen oder absolut regierten Monarchien abgeschlossen werden. Für alle Nationen sollte das „Recht auf nationale Selbstbestimmung" gelten und deshalb sollten die Menschen die Möglichkeit erhalten in Volksabstimmungen über deren Staatszugehörigkeit entscheiden zu können. Als mögliche Merkmale einer Nation gelten heute u.a. gemeinsame Sprache, Kultur, Sitten, Gebräuche und Religion. Die Verliererstaaten des 1. Weltkriegs - wie Deutschland und Österreich - hofften auf die Einhaltung dieses Programms - wurden aber enttäuscht, denn nach dem Krieg zwangen die Siegerstaaten die Verliererstaaten zum Abschluss von „Friedensverträgen" in denen diese sehr harte Bedingungen akzeptieren mussten:
* Es mussten sehr hohe - als „Reparationszahlungen" bezeichnete - Strafzahlungen geleistet werden, die für die Verliererstaaten kaum bezahlbar waren.
* Österreich verlor deutschsprachige Gebiete wie Südtirol und das sogenannte „Sudetengebiet" - also die mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete Böhmens und Mährens (des heutigen Tschechien).
* Deutschland verlor zahlreiche Landesteile wie u.a. Elsass - Lothringen, Posen, Westpreußen und im Fall von Oberschlesien sogar trotz einer durchgeführten Volksabstimmung.
* Da die Verliererstaaten zur Abrüstung gezwungen wurden hatten diese gegenüber den Siegerstaaten nur geringe Verteidigungsmöglichkeiten. So durfte Österreichs Armee aus nur ca. 30 000 und Deutschlands aus 100 000 Soldaten bestehen.
* Als besonders ungerecht wurden von den Bevölkerungen der Verliererstaaten empfunden, dass diesen die alleinige Kriegsschuld zugewiesen wurde.
* Friedensverträge wurden nach jenen Orten benannt in denen diese 1919 abgeschlossen wurden: Vertrag von Versailles mit Deutschland, Vertrag von St. Germain mit Österreich und der Vertrag von Trianon mit Ungarn.
* Durch den Zerfall bisheriger bzw. Gebietsverluste weiterbestehender Staaten entstehen neue Länder. Auf dem Gebiet des ehemaligen „Österreich - Ungarn" entstehen u.a. Österreich, Ungarn, Tschechoslowakei, Polen, Rumänien und Jugoslawien. Da aber einzelnen Nationen das Selbstbestimmungsrecht verweigert wurde blieben Nationalitätenprobleme wie jene bzgl. der Südtiroler und Sudetendeutschen erhalten.
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