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Grundbegriffe rhetorische Figuren

In der folgenden Aufstellung werden die wichtigsten rhetorischen Figuren zusammengestellt mit einer Kürzestdefinition und einem Beispiel, gegliedert in fünf Hauptgruppen: Figuren der Wiederholung, Tropen (Figuren des lexikalischen Bereichs), syntaktische Figuren, Appellfiguren, kompositorische Figuren. Passwort: 2007quiz
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Geminatio
Doppelung. Wiederholung desselben Wortes oder Satzteils, unmittelbar nacheinander. Aber wehe, wehe, dann will ich euch!
Anapher
Sätze oder Textabschnitte beginnen mit der gleichen Wortgruppe bzw. mit dem gleichen Wort. Er kam, er sah, er siegte.
Epipher
Sätze, Verse, Strophen oder Textabschnitte, die mit dem gleichen Wort, bzw. der gleichen Wortgruppe enden. „Lass mich weinen, an deinem Herzen, heisse Tränen weinen." (Friedrich Schiller)
Polyptoton
Der selbe Wortstamm tritt in unterschiedlichen Flexionsformen auf. „Wie ich damals einem Greise als Greis etwas über das Greisenalter dargelegt habe, so in diesem Buch einem Freunde als engster Freund etwas über die Freundschaft." (Marcus Tullius Cicero) Wenn der gleiche Stamm in unterschiedlichen Wortarten erscheint, spricht man von Figura Etymologica. Zum Siegen muss er besiegt werden.
Paronomasie
Wortspiel, das auf der ähnlichen lautlichen Gestalt von Wörtern beruht.
Alliteration (= Stabreim)
Gleicher Anlaut der betonten Stammsilben. Man muss Manches machen.
Assonanz (=Vokalismus)
Gleichklang von Vokalen in unterschiedlicher konsonantischer Umgebung. Sonderform: Reim. Kinder sind sicher nicht immer friedlich.
Polysyndeton
Wörter oder Satzteile werden bei einer Aufzählung mit einer sich stets wiederholenden Konjunktion verbunden. Er sah sie und grüsste sie und sprach mit ihr und ging wieder davon.
Asyndeton
Wörter oder Satzteile werden bei einer Aufzählung mit Kommas verbunden; Konjunktionen fehlen. Er sah sie, grüsste sie, sprach mit ihr, ging wieder davon.
Rhythmisierung
Wiederkehr gewisser Gruppierungen von betonten und unbetonten Silben. Massenmord am Maskenball
Hendiadyoin
Ein Begriff wird durch zwei gleichwertige, mit und verbundene Wörter ausgedrückt, statt diesen in seiner logisch richtigeren syntaktischen Unterordnung zu verwenden. Contrex Mineralwasser. Erfrischt und erquickt.
Refrain
Ständig wiederkehrender Reim (vor allem bei Liedern). "Herrlich Berge, sonnige Höhen, Bergvagabunden sind wir, ja wir." (Lied: Wenn wir erklimmen)
Repetitio
Wiederholung eines Wortes/Satzteils. Bald da, bald dort.
Zweier- und Dreiergruppen
Rhythmisierende Figur mit zu- oder abnehmenden Gliedern. Z.B.: Zu- oder Abnahme der Silbenzahl, Beschleunigung oder Verlangsamung. Camel. Der Beginn einer Vision. Voraussetzungen zu schaffen für eine Gesundung von Wirtschaft, Staat und Volk.
Bekräftigung
Mit Nachdruck versehene Wiederholung wichtiger Textelemente (stets mit Doppelung verbunden). Er ist der beste, einen Besseren gibt es wirklich nicht.
Archaismus
Veralteter Ausdruck, altertümliche Wendung. Oheim für Onkel.
Neologismus
Lexikalische Neubildung: Leichtschwung-Kurzski
Dialektismus
Dialektausdruck, häufig ein Ironiesignal: St. Galler-Schöblig.
Fremdwörter
Aus Fremdsprache in breiten Bevölkerungskreisen eingebürgertes Wort. Computer. Jargon.
Latinismus
Aus dem Lateinisch stammendes Fremdwort Ergo.
Gräzismus
Aus dem Griechisch stammendes Fremdwort. Ästhetik.
Romanismus
Aus dem Französischen stammendes Fremdwort. Velo.
Anglizismus
Einen Einfluss der englischen Sprache auf oder in andere Sprachen. Airbag, Bodyguard.
Germanismus
Ein deutsches Wort, das in einer anderen Sprache als Lehnwort oder Fremdwort integriert wurde. Kindergarten (Eng.), Zeitnot (Russ.)
Helvetismus
Wörter, die ursprünglich aus dem Deutschschweizer Sprachgebiet stammen: Putsch. Sprachliche Besonderheit, die typischerweise in der deutschsprachigen Schweiz und nicht im gesamten deutschen Sprachgebiet verwendet wird. Znüni.
Vulgarismus
Sind derbe oder ordinäre Wörter (Wörter aus der Vulgärsprache). Kapitalistische Scheisse. (B. Brecht)
Dialektismus
Dialektausdruck in einem standardsprachig abgefassten Text, häufig ein Ironiesignal. Die Wirtsstube mit niedriger Decke und gemütlich, Stumpenrauch, Sangallerschöblig, Bratwörscht, Brieflecken, Stimmen. (N. Meienberg, „ Aufenthalt in St. Gallen")
Schlagwörter
SInd Ausdrücke mit unscharfer, vager Bedeutung, welche sehr emotional besetzt sind und sich für Parolen eignen. Beispiele: „Freie Fahrt für freie Bürger" (Slogan der „Auto-Partei") „Zurück zur Natur!"
Euphemismus
Bezeichnet Wörter oder Formulierungen, die einen Sachverhalt beschönigend, verhüllend oder verschleiernd darstellen. ... Begriffe können wegen ihres verharmlosenden Charakters auch einen sarkastischen Unterton haben. Umsiedlung statt Vertreibung. Einschläferung statt Tötung.
Synästhesie
Verbindung verschiedener Sinneseindrücke. Das nasse Gras klang wie ein Liebeslied.
Antonomasie/Periphrase
Ersetzung eines Namens oder einer Sachbezeichnung durch Nennung einer besonderen Eigenart oder eines charakteristischen Merkmals des Betreffenden. der Korse für Napoleon. der Kaiser für Franz Beckenbauer.
Metonymie
Ersetzung eines Begriffs durch einen anderen, der dem gleichen Vorstellungsbereich entstammt. einen Ford kaufen Goethe lesen
Pars pro Toto
Bei dieser Figur steht ein Teil einer Sache für das Ganze und dies ist eine Sonderform der Metonymie. Wir haben kein Dach über dem Kopf. (Dach für Haus, Kopf für ganze Person)
Metapher
Ersetzung eines Begriffs durch einen anderen aus einem anderen Vorstellungsbereich, ein verkürzter Vergleich. Maschine für einen hart arbeitenden Menschen.
Allegorie/Personifikation
Diese Figur ist eine Sonderform der Metapher. Ein abstrakter Begriff wird durch ein Bild dargestellt, oft mit Hilfe der Personifikation. „Tod" als Sensemann. Justitia als blinde Frau (die personifizierte Gerechtigkeit).
Symbol
Im Gegensatz zur Allegorie ist das ... ein bildkräftiges Zeichen, das auf eine abstrakten Bereich verweist. Panther als ... für Kraft Käfig als ... der Unterdrückung
Hyperbel
Tropus. Übertreffung, Über- oder Untertreibung (über das Ziel hinaus- werfen). Bei einer ... wird das Glaubwürdige übertrieben. Todmüde. Ein Meer von Tränen. Blitzschnell. Unendlich lang. Schneckentempo.
Litotes
Stilfigur, die sich der verneinenden Umschreibung eines Sachverhalts - meist seines Gegenteils - bedient, um durch Untertreibung oder Abschwächung die Hervorhebung eines Begriffs zu erreichen. Milderung: „Ich ärgere mich darüber nicht wenig." Nachträgliche Unterstreichung: „Es gab kein Zurück mehr, nicht übel!" Ironische Abwertung: „Was nicht heißen soll, er habe vollkommen Unrecht." Doppelte Verneinung zur Ausdrucksverstärkung: „nicht ohne Witz" für „recht witzig". „nicht übel" für „sehr gut".
Ironie
Wörtlich: „Verstellung, Vortäuschung". ... ist eine Äußerung, welche - meist unausgesprochene - Erwartungen aufdeckt, indem zum Schein das Gegenteil behauptet wird. Ein Handwerker hat sich mit dem Hammer auf den Finger geschlagen und "jubelt": "Ei, so liebe ich meine Arbeit!" Ein Kollege hat einen Stapel Geschirr fallen lassen, dazu sagt ein Zuschauer: "Prima machst du das! "Ein Familienvater will eine überflüssige Geldausgabe rügen und kommentiert: "Wir haben's ja."
Oxymoron
Eine rhetorische Figur, bei der eine Formulierung aus zwei gegensätzlichen, einander (scheinbar) widersprechenden oder sich gegenseitig ausschließenden Begriffen gebildet wird. Häufig werden ... in Form von Zwillingsformeln geprägt. Auch einzelne Wörter oder Begriffe oder auch ein ganzer Satz können ein ... bilden. „[...] Diese Fülle hat mich arm gemacht." Eile mit Weile. Hassliebe. Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke.(George Orwell, 1984) Unsichtbar sichtbar. (Faust I V. 3450)
Emphase
Nachdrückliche Hervorhebung eines Wortes zur Gefühlsverstärkung. Menschen! Menschen! Falsche heuchlerische Krokodilsbrut!
Rhetorische Frage
Frage, auf die keine Antwort erwartet wird. Was ist schon normal? Seh' ich so blöd aus? Wo sind wir denn hier?
Inversion
Umkehrung der normalen Wortstellung im Satz zur Hervorhebung des Umgestellten. „Ein Dieb ist er!" (anstelle von: „Er ist ein Dieb!") Hypallage (Enallage) Bei der Enallage oder die Hypallage (griechisch Verwechselung) werden die logischen Wortbeziehungen verschoben, meist durch grammatische Zuordnung des Adjektivs zu einem Wort oder Wortbestandteil, zu dem es inhaltlich nicht gehört. in baldiger Erwartung Ihrer Antwort vierstöckige Hausbesitzer
Hyperbaton/Epiphrase
Einschub durch Umstellung. Zwei Wörter, die syntaktisch (und inhaltlich) zusammengehören, werden künstlich durch einen Einschub voneinander getrennt. „Hier", rief er, „bin ich". Syntaktisch scheinbar beendeter Satz erhält Nachtrag zur Abrundung. Mein Retter seid ihr und mein Engel.
Parallelismus
Wiederholung derselben Wortreihenfolge in aufeinanderfolgenden Sätzen oder Satzteilen. Gegensatz zum Chiasmus. Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.
Chiasmus
Überkreuzstellung von syntaktisch entsprechenden Satzteilen. abba. Gegensatz zum Parallelismus. Ich bin groß, klein bist du.
Ellipse
Satzteile werden ausgelassen, der Satz ist aber noch verständlich. Drückt Erregtheit aus. Vielleicht, dass er noch eintrifft! Achtung!
Anakoluth/Satzbruch
Die grammatische Konstruktion wird mitten im Satz geändert. Drückt z.B. Erregtheit aus. Korf erfindet eine Mittagszeitung, welche, wenn man sie gelesen hat, ist man satt. (Christian Morgenstern)
Parenthese
Ein Einschub. „Das ist - wie gesagt - unwichtig. "
Aposiopese
Abrupter Abbruch eines Gedanken oder Satzes, z.B. aus Erregtheit. „Ich will dir - !"
Parataxe
Eine Aneinanderreihung von selbstständigen Sätzen (Hauptsätzen). In der ... werden Sätze durch koordinierende Konjunktionen wie und, oder (Polysyndeton) oder durch Satzzeichen wie Komma (Asyndeton) oder Punkt voneinander getrennt. ... werden in Texten verwendet, die sich nur auf das Wesentliche des Inhaltes konzentrieren. Es wird einfach, wahrhaftig erzählt. Der ... Stil wirkt einerseits trocken und differenziert, bietet andererseits aber die Möglichkeit, eine lineare Argumentation sehr zwingend darzustellen. Deshalb wird dieser Sprachstil gerne bei Werbetexten angewandt, wobei die einzelnen Hauptsätze häufig gekürzt sind, um die Einprägsamkeit noch weiter zu steigern. Moser ist krank. Er liegt im Bett. Ich kam, ich sah, ich siegte.
Hypotaxe
Mit ... wird die Unterordnung der Nebensätze unter den Hauptsatz bzw. unter die Hauptsätze bezeichnet. Dieses verschachtelte Satzgefüge mit vielen Nebensätzen wird häufig durch Konjunktionen verknüpft. In diesem Zusammenhang ist auch häufig vom hypotaktischen Stil die Rede. Bei der Verwendung der ... werden Situationen bzw. Themen komplex und detailliert dargestellt. Besonders durch Heinrich von Kleists ... Schachtelsätze wurde dieser Stil bekannt. Derjenige, der denjenigen, der den Pfahl, der an der Brücke, die an der Straße, die nach Mainz führt, liegt, steht, umgeworfen hat, anzeigt, erhält eine Belohnung.
Apostrophe
Eine literarische Apostrophe stellt die Hinwendung des Dichters oder einer Figur an eine Sache oder eine imaginäre Person dar. Der Redner ändert vermeintlich die Sprechsituation und versetzt den eigentlichen Gesprächspartner in die Position eines unbeteiligten Zuhörers. Die Sätze werden an ein imaginäres Objekt gerichtet - dieses kann sowohl eine abwesende Person, als auch eine leblose Sache sein, welche durch eine sehr emphatische Ansprache personifiziert werden. ... sind häufig ein Ausruf (Exclamatio) oder Einwurf (Interiectio). Oft werden Götter oder Musen angerufen. Ach du Heilige Maria! Oh mein Gott! Als rhetorische Figur kann sie eingesetzt werden um einen Text lebendiger zu gestalten. Sie will dem Gesagten eine eindringlichere Wirkung verschaffen oder eine interessante Note in einen langen Monolog bringen. Erhebt eure Herzen, meine Brüder, hoch, höher! Und vergesst mir auch die Beine nicht! Erhebt auch eure Beine ihr guten Tänzer, und besser noch: ihr steht auch auf dem Kopf!" (Nietzsche)
Captatio Benevolentiae
Am Anfang einer Rede die Gunst des Lesers oder Zuhörers zu gewinnen versuchen: Meine Berliner und Berlinerinnen ! - Ich bin stolz, heute in Ihre Stadt zu kommen als Gast Ihres hervorragenden regierenden Bürgermeisters, der in allen Teilen der Welt als Symbol für den Kampf und den Wiederstandsgeist West-Berlins gilt. (John F. Kennedy, Rede in Berlin, 1963)
Vorgriff
Ein späteres Ereignis wird im Voraus angedeutet. Z.B. ein tragisches Ende.
Rückgriff
Zurückgreifen auf bereits Gesagtes, um wichtige Dinge in Erinnerung zu rufen. Z.B. am Ende eines Briefes, Aufsatzes, Artikels.
Sprung
Auslassung. Mit der Ellipse verwandt. Das mittlere Glied einer Informationskette wird übersprungen. Die LeserInnen müssen es selber ergänzen.
Exkurs
Ereignisse, die nicht unmittelbar zur Sache gehören, werden in die Rede hineingenommen.
In medias res
..., auch ..., ist eine lateinische Phrase und bedeutet „mitten in die Dinge hineingehen". Man führt die Zuhörer gleich zu Beginn ohne Umschweife mitten in die Dinge, also in die Handlung ein. So heißt es auch heute noch in der Literaturwis-senschaft: Der Erzähler geht in medias res. Im übertragenen Sinne steht die Phrase dafür, ein Problem oder eine Sache zügig anzugehen.
Commoratio
Rhetorisches Mittel; kunstvolle Erweiterung bzw. Aufschwellung einer Aussage über das hinaus, was eigentlich zur Kommunikation nötig wäre, durch wiederholte Betrachtung unter verschiedenen Gesichtspunkten und ausführliches Ausmalen der verschiedenen Aspekte. Ach und Weh!
Klimax
Das rhetorische Mittel ... besteht aus einer stufenweisen Steigerung von Ausdrücken, d.h. aus einem Übergang vom weniger Bedeutsamen zum höchst Bedeutsamen, wodurch die Gesamtaussage erheblich verstärkt wird: Er sei mein Freund, mein Engel, mein Gott.
Antiklimax
Im Gegensatz dazu steht die Antiklimax, bei der ein Ausdruck stufenweise abgeschwächt wird: „Urahne, Großmutter, Mutter und Kind"
Antithese
Eine ... bezeichnet allgemein eine Gegenbehauptung zu einer Ausgangsbehauptung (These). Dabei werden zwei Wörter, Begriffe, Satzteile oder Sätze einander gegenübergestellt., "Friede den Hütten! Krieg den Palästen!" (Büchner: Der Hessische Landbote)
LOCUS AMOENUS
lateinisch: ein lieblicher Ort. Er symbolisiert eine idealisierte Naturlandschaft, meist mit einer Quelle oder einem lichten Hain. Das Gegenstück ist der locus terribilis, der „schreckliche Ort"
LOCUS TERRIBILIS
Ein abschreckender, dunkler und gefährlicher Ort, der einen leicht vom 'rechten' Weg abbringen kann.
LOCUS DESERTUS
Ein Ort der Verlassenheit. Der ... ist ohne Spuren menschlicher Arbeit, unkultiviert ist die Natur sich selbst überlassen, wild und ungezügelt, öde und unwirtlich.
LOCUS SACER
Ein heiliger Ort, ein Heiligtum.
LOCUS IUDICII
Ein Ort des Gerichts, ein Richtplatz.
LOCUS PUGNAE
Ein Ort des Kampfes, ein Schlachtfeld.
LOCUS EDITUS
Ein erhöhter Ort.