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Grundbegriffe Lyrik

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Lyrik
Dichtung in Versform, welche die dritte literarische Gattung neben der Epik und der Dramatik darstellt.
Metrik
Verslehre. Allgemein die Wissenschaft vom taktmässig rhythmischen Bau der gebundenen dichterischen Sprache.
Prosa
Die schlichte, ungebundene Rede im Gegensatz zur Formulierung in Versen oder in bewusst rhythmischer Sprache.
Gedicht
Textsorte. Metrisch oder rhythmisch gebundener lyrischer Text.
Strophe
Gliederungseinheit. Eine Gruppe von Versen in einem Gedicht.
Vers
Teil einer Strophe. Eine Zeile in einem Gedicht.
Versfuss
Ein Abschnitt von einer Hebung zur nächsten.
Metrum
Versmass, Takt, Maß, Maßstab, Silbenmaß. Regelmässige Folge von betonten und unbetonten Silben. Das antike Versmass misst nach Längen und Kürze, die germanischen Sprachen zählen nach ›Hebungen‹ und ›Senkungen‹ = betonten und unbetonten Silben.
Hebung
Eine betonte Silbe im Vers: X.
Senkung
Eine unbetonte Silbe im Vers: x.
Auftakt
Eine Senkung als erste Silbe im Vers.
Rhythmus
Die innere, für jedes Gedicht besondere Bewegung.
Zäsur
Stets an gleicher Stelle liegende Pause bzw. Sinneinschnitt in einem Vers.
Enjambement
Zeilensprung. Übergreifen des Satzes und Sinnes auf die nächste Zeile oder Strophe. Beispiel: "Nacht ist wie ein stilles Meer, / Lust und Leid und Liebesklagen / kommen so verworren her / in dem linden Wellenschlagen."
Ballade
Gattungsform. Gedichtart, die lyrische, epische und dramatische Elemente enthält.
Sonett
Vierstrophiges Gedicht. Es ist in einen Aufgesang von zwei vierzeiligen Strophen (Quartette) und in einen Abgesang von zwei dreizeiligen Strophen (Terzette) gegliedert.
Ode
Loblied. Aufbau: streng gebaute, antike Gedichtform aus vierzeiligen Strophen.
Elegie
Aus der Antike stammende Gedichtform. Motiv: Klage, Resignation, aber auch Erotik.
Epigramm
Lyrische Kurzform mit scharfsinniger, oft satirischer Zuspitzung, kritisch belehrend.
Hymne
Gedichtart. Feierlicher Preis- und Lobgesang.
Zweizeiler
Strophenart. Kommen in Gedichten selten vor, häufiger im Sinnspruch (Epigramm), etwa in der Verbindung zweier Alexandriner: Beispiel: "Der Zufall muss hinweg und aller falscher Schein:/ Du musst gantz wesentlich und ungefärbet seyn."
Distichon
Die Verbindung aus einem Hexameter und einem Pentameter heisst ...: Beispiel: "Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes / Werden, als dienendes Glied schliess an ein Ganzes dich an."
Vierzeiler
Häufigste Strophenform. Mit mehreren Reimfolgen möglich (Paarreim, Kreuzreim, verschränkter Reim).
Volksliedstrophe
Besonders häufig tritt der Vierzeiler in der ... auf. Vier gereimte Volksliedzeilen: drei- oder vierfüssig (Jamben, Trochäen, Daktylen). Liedhafter Ton.
Doppelstrophe
Zwei Volksliedstrophen.
Stanze
Acht Zeilen mit gereimten fünfhebigen Jamben und striktem Reimschema: ab ab ab cc.
Siziliane
Abart der Stanze. Reimschema: ab ab ab ab.
Fünfzeiler
Strophenform. Häufig mit der Reimfolge abaab. Der vierte Vers wirkt retardierend, wodurch die schliessende Zeile dann besonders nachdrücklich wirkt.
Sechszeiler
Strophenform. Besonders fallen hier die Reimfolgen aabccb und ababcc ins Gewicht.
der gereimte Viertakter
Versform. Beispiel: "Ein riter so geleret was / dasz er an den buochen las."
Blankvers
Versform. Der fünfhebige Jambus, reimlos (!). Vor allem im klassischen Drama. Beispiele: Es eifre jeder seiner unbestochnen / von Vorurteilen freien Liebe nach: xX xX xX xX xX.
Alexandriner
Versform. Der sechshebige Jambus. Meist gereimt. "Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden." Xx Xx Xx / Xx Xx Xx.
der vierhebige Trochäus
Versform. Häufigste Form des Trochäus: "Hör! Es klagt die Flöte wieder."
der fünfhebige Trochäus
Versform: Er ist meist reimlos. Beispiel: "Wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande,/ wärst du, Kindchen, doch bei uns geboren."
Hexameter
Versform. Der ... ist die häufigste daktylische Versform. Er beruht auf der wichtigsten Versform der Antike, in der z. B. Homer seine Epen geschrieben hat. Beispiel: "Hab ich den Markt und die Strassen doch nie so einsam gesehen!"
Pentameter
Versform. Der ... entsteht aus dem Hexameter durch Fortfall der Senkung nach der dritten und der letzten Hebung; in der Mitte entsteht dadurch eine deutliche Zäsur. Beispiel: "Um der Liebenden Glück wisse der Sänger allein."
Knittelvers
Versform. Wichtigstes Versmass frühneuzeitlicher Literatur (weniger in der Lyrik als in der Epik und der Dramatik); gebildet aus Paarreimen in sieben bis elfsilbigen Versen; Hebungen sind nicht geregelt.
Jambus
Versfuss. Eine Folge aus Senkung und Hebung (xX) Beispiel: gelehrt; Betrug
Trochäus
Versfuss. Eine Folge aus Hebung und Senkung (Xx) Beispiel: Leben; Rose
Daktylus
Versfuss. Eine Folge aus Hebung und zwei Senkungen (Xxx) Beispiel: Königin; Heiliger
Anapäst
Versfuss. Eine Folge aus zwei Senkungen und einer Hebung. Beispiel: Katalog -Diamant.
Spondeus
Versfuss. Eine Folge von zwei Hebungen. (XX) Beispiele: Sturmnacht, Vollmond
Endreim
Gleichklang in Vokal und Schlusskonsonanten des letzten voll betonten Vokals mit allem, was darauf folgt. Beispiele: Gesang / klang; Lieder / wie der; wendige / lebendige.
rührender Reim
Reimart. Hier stimmen auch noch die Konsonanten vor dem Vokal der letzten Hebung überein. Beispiele: wird / Wirt; scheine / erscheine
reicher Reim
Reimart. Hier reimen die beiden letzten Hebungen: Beispiele: ist gegangen - bist gegangen
unreine Reime
Reimart. Ungenauer Gleichklang entweder der Vokale oder der Schlusskonsonan- ten: Beispiele: Gemüt - Lied; Geläute - Weite; Haus - schaust; Winde - Sünde; Rede - öde; Steine -- Scheune
Assonanz
Gleichklang. Nur die Vokale sind am Gleichklang beteiligt. Beispiele: sagt - gebracht; reisen - gleiten
Alliteration
Reimart. Auch: Stabreim. Die betonten Wörter beginnen mit den gleichen Konsonanten: Beispiele: Mit Kind und Kegel; Haus und Hof
Binnenreim
Reimart. Ein Wort im Inneren eines Verses reimt mit dem Zeilenende: Beispiele: "Ein Schädel ohne Zopf und Schopf"
männlich
Kadenz. Stumpf: einsilbig. Die letzte Silbe ist betont, stumpf. Beispiele: Nacht Wacht, Mann - kann; und - Mund
weiblich
Kadenz. Klingend: zweisilbig. Die letzte Silbe ist unbetont. Beispiele: Feuer - teuer, Schwere - Leere; singe - klinge
gleitend
Kadenz. Reich: dreisilbig. Beispiele: greifender - durchschleifender; schaltende - wal tende
Paarreim
Reimschema: aa bb cc.
Kreuzreim
Reimschema: abab.
umarmender Reim
Reimschema: abba (auch: umschliessender Reim).
verschränkter Reim
Reimschema: abc abc oder abc bac.
Schweifreim
Reimschema: aabccb.
Refrain
Kehrreim: Wiederholung eines oder mehrerer Verse am Schluss von Strophen.
Terzinenreim
Reimschema: aba bab.
Waise
Reimart. abcba: Eine einzelne reimlose Zeile innerhalb einer sonst gereimten Strophe.
Bänkelsang
Lieder, die auf Jahrmärkten von umherziehenden Sängern oder Schaustellern auf einer Bank stehend vorgetragen wurden. Inhalt: Verbrechen, Katastrophen und Schauergeschichten.
freie
Verse ohne Reim, ohne festes Metrum und ohne feste Strophenform, die allein vom Rhythmus getragen werden. Solche Verse heissen: ... Rhythmen.
Gelegenheitsdichtung
Dichtung, die entsteht zu bestimmten feierlichen Gelegenheiten, z.B.. Hochzeit, Thronbesteigung eines Fürsten.
Idylle
In der Antike Gedicht, das das friedvoll bescheidene Landleben schildert. In der Schäferdichtung des Barocks und Rokokos erlebt diese Dichtform eine neue Blüte.
Lied
In Aussage und Form schlichteste lyrische Dichtung; einfache strophische Gliederung, Reimbindung, Sangbarkeit. Englisch auch: Song (mit Betonung des aktuellen, sozialkritischen Inhalts.)
Reim
Gleichklang der Endsilben.
Sinngedicht
Zur Zeit des Barocks und Rokokos Bezeichnung für zwei oder vier gereimte Zeilen, in denen in treffenden Bildern und Wortfügungen eine allgemeine Wahrheit oder Lebensweisheit wiedergegeben werden.
Stabreim
Klangliches Mittel: Verbindet sinnbetonte Wörter, die mit demselben Konsonanten anlauten. Älteste gemeingermanische Reimform.