Only $35.99/year

Terms in this set (80)

Für erfolgreiche Kommunikation braucht es jedoch noch mehr. Sprachliche Kommunikation ist nämlich dann besonders effektiv, wenn bestimmte Konversationsmaximen befolgt werden. Grice ging davon aus, dass sich Gesprächspartner/innen kooperativ verhalten und die folgenden Konversationsmaximen befolgen.

1. Maxime der Quantität: Mache deinen Beitrag so informativ wie nötig und so kurz wie möglich.
2. Maxime der Qualität: Sage nichts, wovon du glaubst, dass es falsch ist oder wofür du keine hinreichenden Gründe hast.
3. Maxime der Relation bzw. Relevanz: Sage nur Relevantes (mit Blick auf Frage/Sachverhalt).
4. Maxime der Modalität: Vermeide Unklarheit, Mehrdeutigkeit, Weitschweifigkeit und Ungeordnetheit

Diese Maximen überlappen und können in Konkurrenz zueinander stehen. Hinzu kommt, dass wir mit Sätzen nicht allein ihre tatsächliche, wort-wörtliche Bedeutung übermitteln, sondern auch Intentionen des Sprechenden/Schreibenden. Beispielsweise werden auf die Frage «Wie spät ist es?» die wenigsten mit einem «Ja» oder «Nein» zufrieden sein. Zur korrekten Interpretation benötigen wir in der Regal auch Wissen über den jeweiligen Kontext. Dieses Wissen das für die Interpretation sprachlicher Äusserungen in einem bestimmten Kontext wichtig ist, wird auch als pragmatisches Wissen bezeichnet. Darüber hinaus spielt auch das generelle Weltwissen der Beteiligten eine Rolle, zB. dann, wenn man bei einer Erzählung entscheidet, welche Informationen man beim Hörenden voraussetzt und welche man nennt. Dieses Wissen wird jedoch in der Regel nicht zum sprachlichen Wissen gezählt.

Bei einer sprachlichen Äusserung ist darauf zu achten, unter welchen Kontextbedingungen sie sich an wen richtet und welches Wissen wir beim Hörer/Hörerin voraussetzen können. Die Berücksichtigung des Hörers/der Hörerin bezeichnet Grice als Kooperationsprinzip. Verschiedene Hinweise auf einen gemeinsamen Wissenshintergrund: - Gruppenmitgliedschaft (Familie, Freundeskreis, Herkunftsland) - Sprachliche Kopräsenz (Wir gehen davon aus, dass Informationen aus früheren Gesprächsabschnitten oder früheren gemeinsamen Gesprächen zum gemeinsamen Wissenshintergrund gehören) - Physische Kopräsenz (besteht, wenn Sprecher und Hörer sich in unmittelbarer Gegenwart von Objekten, Personen oder Situationen befinden, über die gesprochen wird)
Sapir und Whorf waren zwei Forscher, die sprachvergleichende Untersuchungen durchführten um herauszufinden, ob Unterschiede in der Sprache Unterschiede im Denken verursachen. Sie stellten die Hypothese des linguistischen Relativismus auf.

Linguistischer Relativismus: Strukturelle Eigenschaften der Sprache/n eines Menschen haben Auswirkungen auf seine Weltsicht.

Beispiel: Mitglieder des Piraha-Stammes kennen nur 3 Ausdrücke für Zahlen: «kleine Grösse/Menge», «etwas grösser», «Anlass für eine Zusammenkunft/viele».

Forscher stellten sich die Frage, ob das Fehlen eines präzisen Zahlensystems einen Einfluss auf die Fähigkeit der Menschen hat, in Zusammenhang mit Zahlen stehende Aufgaben auszuführen. Tatsächlich sind Mitglieder dieses Stammes nicht besonders gut darin, sich für kurze Zeit Quantitäten einzuprägen

Ein weiteres Beispiel aus der Forschung: In einem Experiment wurde englischsprechende und spanischsprechenden Probanden ein Video eines Unfalls gezeigt. Danach wurden zu zum Unfallhergang befragt. Die Englischsprechenden sagten eher Sätze, aus denen die Unfallverursachende Person hervorging (zB Sie zerbrach die Vase). Bei den Spanischsprechenden berichteten weniger Personen etwas über die verursachende Person (zB Die Vase zerbrach).

Danach gab es einen Gedächtnistest, bei dem es darum ging die Unfallverursachende Person zu erkennen. Den Englischsprechenden gelang dies besser (E=79% und S=74%).
Die Grösse des Gedächtnisunterschiedes soll daran erinnern, dass Sprache die Gedanken lediglich beeinflusst; die Sprache, die gesprochen wird setzt jedoch keine unüberwindbaren Grenzen
--> Grenzen sind überwindbar!! Sprache beeinflusst unser Denken, aber zieht keine nicht überwindbare Grenzen
Wichtig: es gibt keine Kommunikation ohne Missverständnisse --> manche werden nicht entdeckt oder auch explizit hervorgerufen

-interkulturelle Kommunikation ist häufig lernersprachliche Kommunikation und unterliegt damit spezifischen Beschränkungen. Damit ist gemeint, dass meist mindestens einer der Beteiligten nicht in seiner Muttersprache spricht. Oft kommunizieren auch alle Beteiligten nicht in ihrer Muttersprache, sondern mit Hilfe einer lingua franca (in der Regel Englisch). Somit entstehen ungleiche Chancen in der Interaktion.

-Die Deutung von nicht explizit Gesagtem ist in der Kommunikation mit Angehörigen einer fremden Kultur schwieriger als in der Kommunikation mit Angehörigen der eigenen Kultur.

- Interpretation --> man kann Sachen in versch. Kulturen anders interpretieren
- Normen
- Nonverbale Kommunikation (Gesten (Gesten werden in versch. Kulturen anders interpretiert), Mimik (ein Gesichtsausdruck und man weiss was diese Person meint (z.B. Mutter zieht Augenbrauen nach oben --> Kinder wissen sofort was gemeint ist))
- Paraverbal --> Betonung, Geschwindigkeit, Lautstärke, Pausen beim Reden (längere Pausen beim Reden können in versch. Kulturen anders interpretiert werden)
- Fremdsprache = man versteht die Sprache nicht (z.B. Fachbegriffe nicht verstehen oder sogar die ganze Sprache nicht) --> wenn man nicht Muttersprachler ist, dann kann man nie die Sprache verstehen
- Sarkasmus => nicht explizit gesagtes

- jedoch: Nur ca. 20-30% der Kommunikation erfolgt verbal. Dies ist aber situationsabhängig.
1. Morpheme: Die kleinsten bedeutungstragenden sprachlichen Einheiten (zB un-sicht-bar)
2. Phoneme: kleinste bedeutungsunterscheidende sprachliche Einheit (z. B. b in »Bein« im Unterschied zu p in »Pein«)
3. Graphem: Eine distinkte Einheit eines Schriftsystems und symbolisiert in Buchstabenschriften eine sprachliche Lauteinheit, im Idealfall Phoneme.
4. Decodieren: entschlüsseln
5. Encodieren: verschlüsseln
6. Syntaktisches Wissen: Syntax, beschäftigt sich mit den Regeln, nach denen Wörter zu komplexeren sprachlichen Einheiten verknüpft werden können.
7. Lexikalisch-semantisches Wissen: Semantik, beschäftigt sich mit der Bedeutung komplexer sprachlichen Einheiten und erforscht Prinzipien, die es erlauben, die Bedeutung der komplexeren Einheiten aus der Bedeutung ihrer Bestandteile sowie deren syntaktischer Verknüpfung zu erschliessen.
8. Semantische Kompositionsprinzipien: Mit deren Hilfe kann die Bedeutung jeden Satzes erfasst werden, sofern auch das notwendige syntaktische und lexikalisch-semantische Wissen vorhanden ist. Sie geben vor, wie die Bedeutungen der Wörter zu einer komplexen Bedeutung kombiniert werden können, und sorgen dafür, dass wir mit unserer Sprache prinzipiell unendlich viele komplexe Sachverhalte ausdrücken können.
9. Pragmatisches Wissen: Pragmatik, beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie Sätze in bestimmten Äusserungskontexten verwendet und interpretiert werden. Das Wissen über den jeweiligen Kontext. Zur korrekten Interpretation sprachlicher Äusserungen in einem bestimmten Kontext ist dieses Wissen wichtig.
10. Weltwissen: Allgemeinwissen
11. Kooperationsprinzip: Das Formulieren der Gesprächsaussagen (zumeist) unter dem erwarteten Kenntnishorizont des Zuhörers.
1) Induktion:
- Herbeiführung oder Veranlassung
- wird auch verallgemeinerndes Denken bezeichnet
- die Ableitung einer allgemeinen Regel durch eine oder mehrere Bedingungen. Da aus Einzelfällen abgeleitet wird, ist die Schlussfolgerung möglicherweise nicht wahr, allerdings können neue Erkenntnisse gewonnen werden
- kurz gefasst: Beobachtung --> Muster --> Hypothese --> Theorie
- Bsp. „Patrick lebt im Wasser." ist die Konsequenz.
„Patrick ist ein Fisch." ist die Bedingung.
„Alle Fische Leben im Wasser." ist die daraus abgeleitete Regel.
Wie man an diesem Beispiel sieht, geht das induktive Denken von einem oder mehreren Fällen hin zu dem Allgemeinen.
- diese Logik ist nicht immer korrekt, weil z.B. wenn man sagt Pablo fliegt; Pablo ist ein Vogel; alle Vogel können fliegen (falsch, da Pinguine, Hühner, etc. nicht fliegen können)



2) Deduktion:
- heisst Ableitung oder Herleitung
- logisches Schließen
- Ablauf: durch das Erkennen einer logischen Regel und einer gegebenen Bedingung findet eine Schlussfolgerung auf die logische Konsequenz (Wirkung) statt.
Aus mindestens 2 Aussagen ist es also möglich, eine neue Aussage abzuleiten. Wenn die 2 Prämissen korrekt angegeben sind, können wahre (oder auch zwingende) Schlüsse gezogen werden.
Bei dieser Denkart werden keine neuen Erkenntnisse gewonnen.
- kurz gefasst: Theorie --> Hypothese --> Vergleich mit Beobachtung
- Bsp. „Alle Fische leben im Wasser." ist die logische Regel.

„Mein Goldfisch "Patrick" ist ein Fisch." ist die Bedingung.

„Auch Patrick lebt im Wasser." ist die logische Konsequenz.
Wie man sieht, geht das deduktive Denken vom Allgemeinen hin zum Einzelfall.
Der Basisratenfehler ist die Tendenz, die Häufigkeit im Basisdatensatz (Prävalenz) bei Vorliegen spezifischer, individueller Informationen zu ignorieren. Anstatt allgemeine Informationen und Statistiken mit Informationen über einen einzelnen Fall zu integrieren, neigt der Verstand dazu, erstere zu ignorieren und sich auf letztere zu konzentrieren --> Fehlerhafte Einschätzung der Bedeutung von statistischen Ergebnissen, die daher rührt, dass die Basisrate nicht beachtet wird.

Bsp. Eine Person wurde von einem Nachbarn wie folgt beschrieben: Steve ist sehr schüchtern + zurückgezogen, hilfsbereit, aber mit wenig Interesse an Menschen oder der realen Welt. Als ordentlicher Mensch hat er ein Bedürfnis nach Ordnung und Struktur und eine Leidenschaft für Details. Ist es wahrscheinlicher, dass Steve ein Bibliothekar oder ein Landwirt ist?

Antwort: man beantwortet die Frage intuitiv, dass Steve eher ein Bibliothekar ist. Warum? --> "Die Ähnlichkeit von Steves Persönlichkeit mit der eines stereotypen Bibliothekars fällt allen sofort auf"; die Tatsache, dass es in der USA "mehr als 20 männliche Bauern pro männlichem Bibliothekar" gibt, wird in unseren Berechnungen jedoch fast immer vernachlässigt --> Fazit: Basisrate wird vernachlässigt


--> Menschen machen ihre Einschätzungen nicht mit mathematischen Modellen (wie Bayes-Theorem), sondern nutzen Heuristiken.

- Zum Beispiel könnte es sein, dass Sie sich zwischen verschiedenen Medikamenten entscheiden müssen, die Wirkung (und mögliche Nebenwirkungen) aber eben nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreffen. Beispiel: Medikament A zu 80% Beschwerden lindert (aber nicht Ursache bekämpft) und nur zu 1% schlimme Nebenwirkungen verursacht, während Medikament B zu 65% die Ursache (und damit auch die Symptome) behebt, jedoch Nebenwirkungen zu 5% verursacht. Entscheidungen unter Untsicherheit hängen besonders von zwei Faktoren ab, nämlich wie die Entscheidungsoptionen auf den Dimensionen Nutzen & Wahrscheinlichkeit beurteilt werden
- Hinter den Erwartung X Wert - Theorien steht eine einfache Beobachtung von uns als AlltagspsychologInnen:
- Menschen versuchen dasjenige zu tun, von dem sie glauben, dass es zu dem führt, was sie sich wünschen!
- Alltagspsychologische «Glauben-Wunsch-Theorie der Motivation»
- Der Wunsch entspricht dem Wert oder der Valenz in den Erwartung X Wert - Theorien -> was bedeutet mir etwas subjektiv?
- Der Glaube entspricht der Erwartung -> denke ich, dass es wahrscheinlich ist ein Handlungsziel erfolgreich umzusetzen?

Bsp. - Töff schrauben - Töff läuft - Töff fahren -> Ich schraube den ganzen Winter an meinem Töff, weil ich glaube, dass ich es zum Laufen bringe und dann meinen Wunsch erfüllen kann, über den höchsten Pass Europas zu fahren.

Bsp. - Führung lernen - Abteilung leiten - Mehr Lohn -> Ich bilde mich für Führungsaufgaben weiter, weil ich glaube, dass ich eine Abteilung leiten kann und dass ich mit meinem Team zum Erfolg der Unternehmung und einem ausgezeichneten Jahresabschluss beitrage.

- Nach der Erwartungs-x-Wert-Theorie wird bei der Wahl zwischen mehreren Handlungsalternativen jene bevorzugt, bei der das Produkt von erzielbarem Wert (Anreiz) mit der Wahrscheinlichkeit ihn zu erzielen (Erwartung) maximal ist.
- Unter Berücksichtigung seiner Erreichbarkeit wird ein Zielzustand angestrebt, der einen möglichst hohen Anreizwert hat.
- Grundannahme: Persönliche Nutzenmaximierung.
- Geht über Reiz-Reaktionslernen hinaus, da es eine bewusste Erwartung über Zusammenhänge -> auch Kontingenz genannt gibt.
- Kognitionspsychologischer Ansatz -> Metapher des Wissenschaftlers

Bsp. - Unternehmen A und B produzieren Massenware z.B. Schutzmasken
- Im Unternehmen A müssen Mitarbeitende eine Mindestmenge von 100 Masken pro Arbeitsschicht erzeugen um eine fixe Vergütung zu erhalten. Eine Person erhält 100 CHF pro Schicht.
- Im Unternehmen B werden Mitarbeitende für die gleiche Tätigkeit nicht fix, sondern nach Stückzahl entlohnt. Eine Person erhält pro Maske eine Vergütung von 1 CHF.
- Beide Personen arbeiten an Maschinen, die einen Output von ca. 15 Stück pro Stunde zulassen. Die Arbeitszeit beträgt für beide 8 Std pro Schicht.
- Welche Person wird nach der ErwartungxWert-Theorie mehr Leistungsbereitschaft vorweisen? In den meisten Fällen werden Mitarbeitende des Unternehmens B mehr Produkte herstellen, weil die Belohnung bei maximaler Leistung höher ausfällt als im Unternehmen A.
Merkmale:
1) Wir haben eine Verlustaversion. Wir fürchten Verluste mehr, als wir Gewinne schätzen
2) Unsere Wahrnehmung wird vom Prinzip abnehmender Empfindlichkeit beeinflusst: Der wahrgenommene Wert muss nicht immer dem objektiven entsprechen. So ist bspw. der wahrgenommene Wert der Abnahme von 900 Euro auf 890 Euro kleiner als die Abnahme von zehn Euro auf null Euro, obwohl der faktische Verlust derselbe ist.
3)Verluste schmerzen mehr, als uns Gewinne freuen →Loss Aversion.
4) Subjektiver Nutzen steigt nicht linear --> - die zweite Million steigert unsere Freude nicht mehr so stark wie die erste Million, und der Verlust der ersten 10.000Euro erhöht unseren Schmerz stärker als der Verlust der zweiten 10.000Euro.

Beispiel:
- Die Ferientage in DE gegen USA. In der USA hat man nur 2 Wochen Ferien, in DE hat man mind 24 Tage Ferien.
- Frage in DE: "Sind sie bereit, in DE auf ein paar Ferientage zu verzichten, wenn es mehr Lohn gibt?" --> dann sagen viele Leute nein. Das wird als Verlust wahrgenommen.
- Frage in den USA: "Würdest du gerne auf Lohn verzichten, um mehr Ferientage zu haben?". --> Nein, denn auch da wäre es ein Verlust, ein Lohnverlust.
- Je nach dem wo man steht von seinem Referenzpunkt her, erlebt man etwas als Gewinn oder als Verlust und nimmt eine mögliche Entscheidung anders wahr. --> subjektiver Referenzpunkt

weiteres Bsp. Da wir risikobereiter sind, wenn es darum geht Verluste zu vermeiden, zahlen wir lieber mehr Steuer => denn lieber zu viel gezahlte Steuern zurückerhalten als zu wenig gezahlte Steuern nachgefordert bekommen. Aus Sicht der Steuerzahler wird die zurückerhaltene Steuer oft wie ein Gewinn und die nachgeforderte Steuer wie ein Verlust erlebt

Gewinn vs. Verlust

1) falls Gewinn sehr wahrscheinlich ist:
- Sicherer Gewinn --> Risikoaversion
- sicherere Option wird bevorzugt
- weil: Abnehmender Grenznutzen + Furcht vor Enttäuschung
- Konsequenz: Nutzen von riskanteren Optionen wird unterschätzt
- Bsp.: Gerichtsfall: selbst wenn die Aussicht, als Kläger einen Gerichtsfall zu gewinnen (+ 1 Mio) gut sind, lässt man sich lieber auf einen Deal von 0.8 Mio ein.

2) falls Gewinn sehr unwahrscheinlich ist:
- Unsicherer Gewinn --> risikofreudig
- unsicherere Option wird bevorzugt (grösserer Gewinn mit kleinerer Wahrscheinlichkeit),
- weil: tiefere Wahrscheinlichkeit wird stärker überschätzt + Hoffnung auf grossen Gewinn Konsequenz: Nutzen von riskanteren Optionen wird überschätzt
- Bsp.: Kauf von Lotterielosen mit hohen Gewinnaussichten und schlechter Gewinnchance


3) Verlust ist sehr wahrscheinlich:
- Sicherer Verlust --> risikofreudig
- risikoreichere Option wird bevorzugt
- weil: Abnehmende Grenzkosten + Hoffnung, Verlust zu vermeiden
- Konsequenz: potenzielle Risiken werden unterschätzt
- Bsp.: Casino: Risiko, Geld zu verlieren ist sehr hoch, dennoch nimmt man einen Kredit auf und Wettet auf die schwarze 8 (Roulette)

4) Verlust ist sehr unwahrscheinlich:
- Unsicherer Verlust --> Risikoaversion
- sicherere Alternative wird bevorzugt
- weil: tiefere Wahrscheinlichkeit wird stärker überschätzt + Furcht vor grossem Verlust Konsequenz: potenzielle Risiken werden überschätzt
- Bsp.: Versicherungen: Risiko, dass das Haus abbrennt ist sehr klein, dennoch kauft man eine Brandschutzversicherung
1) Eine Entscheidung basiert auf der Information, die einem in der Entscheidungssituation am leichtesten in den Sinn kommt, also am ehesten "im Kopf" verfügbar ist.

2) Bei einer Entscheidung wird die Person, das Objekt oder Ereignis bevorzugt, das als typisch im Vergleich zu anderen Personen, Objekten oder Ereignissen dieser Art eingeschätzt werden. / Man geht davon aus, dass ein repräsentatives Ereignis/Objekt mit einer viel höheren Wahrscheinlichkeit eintritt als einem nicht repräsentativen.(Prototyp, Stereotyp)

3) Eine zufällig gegebene Zahl wird als Anker für eine Schätzung verwendet. (z.B. auch bei Rabatte (alter/neuer Preis, etc.)

4) das psychologische Phänomen, dass unterschiedliche Formulierungen einer Nachricht bei sonst gleichem Inhalt das Verhalten eines Empfängers unterschiedlich beeinflussen können
z.B. Eine tödliche Pandemie ist ausgebrochen und hat 600 Millionen infiziert. Nun werden im Eiltempo Medikamente für erkrankte entwickelt.
Die Pilotstudien zeigen, dass
q) mit Medikament A ca. 200 Millionen Leute gerettet werden können,
b) während bei Medikament B ca. 2/3 sterben werden.
In welches Medikament investieren sie?
--> man entscheidet sich für A, weil man 200 mio. retten kann, obwohl beide das gleiche aussagen!

5) im Nachhinein wussten es sowieso schon alle
Bsp. man investiert in Aktien (riskante Entscheidung), falls Aktienkurs steigt sagt man, man hätte es schon im vorhinein gewusst und deshalb investiert --> oder auch umgekehrt, man hat nicht investiert und schlussendlich sinkt Kurs (man hätte es im Vorhinein gewusst)
weiteres Bsp. eine Beziehung, die man vergöttert und sagt sie passen perfekt zusammen und nach der Trennung denkt man, ich wusste, dass die niemals langfristig zusammenbleiben werden, weil sie sehr unterschiedlich sind --> Rückschaufehler

6) man ist sich sicherer die richtige Antwort/Einschätzung getätigt zu haben, als es in Wahrheit ist (man überschätzt sich; hat overconfidence)

7) auch Wiedererkennungsheuristik genannt; es sagt aus, dass man bei einer Entscheidung zwischen mehreren Objekten sich eher für jenes entscheidet, das man wiedererkennt, das einem vertrauter ist. (Hauptstadt von TR --> Istanbul kennt man mehr, hört mehr in den Medien von IST, Ankara kennt man weniger, deshalb entscheidet man sich für Istanbul

8) man hört und sieht, was einem in der eigenen Meinung stärkt (man sucht nach Bestätigungen, die die eigene Meinung verstärken)
z.B. man schaut sich ein Video für und gegen Veganismus; falls man FÜR Veganismus ist, dann blendet man die Gegenargumente ab und fokussiert sich auf die Argumente dafür, die die eigene Meinung verstärken

9) Es wird die Tatsache missachtet, dass die Wahrscheinlichkeit der Konjunktion zweier Ereignisse nicht grösser als die Wahrscheinlichkeit eines Einzelereignisses sein kann.
Bsp.
a) Antalya hat einen Strand
b) Antalya hat einen Sandstrand
--> man denkt b ist wahrscheinlicher, weil man sich bildlich etwas spezifisch besser vorstellen kann (in diesem Bsp. Sandstrand); doch somit blendet man das allg. bzw. das offensichtliche aus
1) Konformitätsbias (Social conformity) - Asch Experiment
Eine amerikanische Frau sagte immer die richtige Lösung, d.h. liess sich nicht vom Gruppendruck beeinflussen --> bzw. passte sich nicht an
Eine asiatische Frau passte sich liess sich von der Gruppe bzw. deren Antwort beeinflussen
Warum?
- kollektivistische vs. individualistische Kultur (USA ist individualistisch vs. asiatische Kultur ist eher kollektivistisch --> somit passt man sich eher der Gruppe an)
- die Sprachbarriere auch ein weiterer Grund --> die Asiatin war sich nicht so sicher in der englischen Sprache --> deshalb hatte sie weniger Selbstvertrauen und liess sich von den anderen beeinflussen à Gruppendruck; bzw. Druck das richtige zu sagen (und da sie sich noch nicht sicher fühlte in der amerikanischen Kultur passte sie ihre antworten an)

2) Wartezimmer-Experiment
Dieses Experiment zeigt, wie soziale Verhaltensmuster unser eigenes Benehmen beeinflussen. Diese Frau setzt sich ins Wartezimmer eines Augenarztes und merkt, dass alle aufstehen, wenn sie die Klingel hören. Sie ist verwirrt, aber beim dritten Klingeln steht auch sie auf. Dieses Verhalten geht so weiter, bis alle Anwesenden untersucht werden und sie alleine bleibt. Und auch alleine steht sie weiterhin auf, wenn es klingelt. Es geht noch weiter: wenn ein neuer Patient kommt, erklärt die Frau ihm diese "Prozedur" und so befolgen auch die neuen Patienten dieses Benehmen. Es geht so weiter, ohne dass nach einem Grund dafür gefragt wird...

3) Milgram Experiment
Ein Experiment, um die Bereitschaft durchschnittlicher Personen zu testen, autoritären Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen. Der Versuch bestand darin, dass ein „Lehrer" nach Anweisungen eines „Versuchsleiters" einem „Schüler" bei Fehlern elektrische Schläge versetzen und deren Intensität nach jedem weiteren Fehler erhöhen sollte. Sowohl die „Versuchsleiter" als auch die „Schüler" waren Schauspieler und die Stromschläge erfolgten nicht real. Dies blieb den eigentlichen Versuchspersonen, den „Lehrern", jedoch verborgen, so dass sie davon ausgehen mussten, den „Schülern" echte Schmerzen zuzufügen

4) Selbstwertdienliche Attribution
Selbstwertdienliche Verzerrung (engl. self-serving bias) bezeichnet in der Sozialpsychologie die Tendenz, eigene Erfolge im Zweifelsfall eher inneren Ursachen (wie eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten) und eigene Misserfolge eher äußeren Ursachen (der Situation, dem Zufall etc.) zuzuschreiben.

5) kognitive Dissonanz
ognitive Dissonanz bezeichnet in der Sozialpsychologie einen als unangenehm empfundenen Gefühlszustand, der dadurch entsteht, dass ein Mensch unvereinbare Kognitionen hat (z. B. Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten). Kognitionen sind mentale Ereignisse, die mit einer Bewertung verbunden sind. Zwischen diesen Kognitionen können Konflikte („Dissonanzen" genannt) entstehen.
Beispiel:
Das Wissen über ein erhöhtes Krebsrisiko kann bei Rauchern kognitive Dissonanz hervorrufen, denn die positive Einstellung zum Rauchen steht im Widerspruch zu den unerwünschten Konsequenzen.

Möglichkeiten der Dissonanzreduktion:

(1) Vermeidung von kognitiver Dissonanz durch Nichtwahrnehmung oder Leugnen von Informationen;

(2) Änderung von Einstellungen oder Verhalten (Verzicht auf das Rauchen, Abwerten der Glaubwürdigkeit medizinischer Forschungsergebnisse);

(3) selektive Beschaffung und Interpretation dissonanzreduzierender Informationen (z.B. ein starker Raucher wurde 96 Jahre alt).
Allgemeine Merkmale von Problemen:
- Gut oder schlecht definiertes Ziel
- Einfach oder komplex

Merkmale 'einfacher' Probleme:
- Klarer Ausgangs- und Zielzustand
- Zwischenzustände und Lösungswege sind bekannt

Merkmale komplexer Probleme:
- Komplexität --> grosse Anzahl Variablen
- Vernetztheit --> Abhängigkeiten zwischen den Variablen
- Dynamik --> zeitliche Veränderungen
- Intransparenz --> nicht alle Informationen zugänglich
- Polytelie --> mehrere Ziele

1) Heuristiken
- Analogiebildung: erfolgreicher Transfer von Operatoren
o Z.B. Begriff Yeti = Ein Mensch, der im Schnee lebt und grösser ist als andere Menschen
o Ist immer positiv
- Einstellungseffekte: Blindheit für andere Strategien
o Wir nehmen an wir sind offen für neues; jedoch haben wir bestimmte Erfahrungen, Gewohnheiten und Routinen und greifen deshalb auf vertraute Methoden, Routinen und gehen so kein Risiko ein; Resultat = wir sind geistig befangen
o Wir bleiben bei unseren alten Strategien befangen
- Einsichtsproblem: Fixierung (figural oder funktional)
o Wir müssen uns von der Fixierung lösen; unser

2) Versuch-Irrtums-Strategie = Ausprobieren
o Wenn wir Zeit haben probieren wir aus -> versuchen, machen Fehler, gehen zurück und erreichen das Ziel

3) Plötzliche Einsicht
o der Aha Effekt

Drei generell verwendete Suchstrategien:

1. Strategie der (maximalen) Unterschiedsreduktion --> Man versucht möglichst nah ans Ziel heranzukommen zu gelangen: Ich versuche den Weg zu nehmen, der am steilsten ist, damit ich schnell ans Ziel gelangen (Berg) Strategie der (maximalen) Unterschiedsreduktion --> man versucht schnellstmöglich das Ziel zu erreichen!

2. Mittel-Ziel-Analyse (Teilziele) --> mit welchen Mitteln/Teilzielen erreiche ich den Zielzustand;
Idee, dass sich viele Probleme leichter
bewältigen lassen, wenn sie in einfachere Teilprobleme
zerlegt werden. Strategie besteht im Wesentlichen aus drei ineinander verschachtelten Teilschritten:

a). Analysiere Unterschiede zwischen dem aktuellen
Zustand und Zielzustand. Kein Unterschied -->
Problem gelöst. Sonst Wahl unter Anwendung einer
Heuristik den „wichtigsten" der gefundenen
Unterschiede, Beseitigung dieses Unterschieds zum
neuen aktuellen Teilziel

b) Suche nach Operator zur Beseitigung des
festgestellten Problems. Kein Operator --> keine
Lösung. Sonst Wahl unter Anwendung einer Heuristik
den Operator

c) Analysiere Unterschiede zwischen dem aktuellen
Zustand und Anwendungsbedingungen des
ausgewählten Operators. Kein Unterschied
vorhanden: Anwendung Operator und gehe zu (1).
Sonst Wahl unter Anwendung einer Heuristik den
„wichtigsten" der gefundenen Unterschiede,
Beseitigung dieses Unterschieds zum neuen
aktuellen Teilziel und gehe zu (2

3. Strategie der Rückwärts-Analyse (=wie kehre ich zurück; man denkt rückwärts --> vom Ziel zurück zum Anfangszustand); Bsp. ich stelle mir vor ich bin schon auf dem Gipfel und welchen Weg gehe ich nun. Welcher ist der beste schnellste Weg
Einsichtsprobleme: Gestaltpsychologen glauben, dass jeder Mensch zu originellen Problemlösungen (oder »Einsichten«) in der Lage sei.
Eine Einsicht, oft auch als »Aha« - Erlebnis beschrieben, führt dazu, dass alle Teile eines Problems plötzlich einen Sinn ergeben und wie ein Puzzle zusammengefügt werden können - in den Worten der Gestaltpsychologen eine »gute« Gestalt ergeben. Einsicht lässt sich, so die Annahme, durch eine Umstrukturierung eines Problems (also einer »defekten« Gestalt) erzielen. Beispiel für ein solches Problem ist das «neun Punkte Problem»

Figurale und funktionale Gebundenheit beim Lösen von Einsichtsproblemen:
Gebundenheit oder Fixierung bezeichnet die Tendenz, Objekte oder Ereignisse auf ihre übliche oder gewohnte Gestalt oder Funktion beschränkt zu repräsentieren, wodurch neue figürliche oder funktionale Repräsentationen, die für die Problemlösung notwendig sein können, erschwert werden. (Beispiel funktionale Gebundenheit: Kerzenproblem)

Denkprozesse beim Lösen von Einsichtsproblemen:
1. Vorbereitung: Information wird gesammelt, erste Lösungsversuche werden unternommen
2. Inkubation: Nachdem erste Versuche gescheitert sind, wendet sich der Problemlöser anderen Beschäftigungen zu, das Problem wird zunächst einfach liegen gelassen
3. Einsicht: Die Lösung wird erkannt, es kommt zum »Aha-Erlebnis«
4 Bewertung: Die Lösung wird auf ihre Brauchbarkeit hin überprüft.
5. Ausarbeitung: Die gefundene Lösung wird umgesetzt, also z.B. in ein technisches Produkt überführt.
Definition Lernen:
- Lernen wird in der Psychologie definiert als eine dauerhafte (im Gegensatz zu einer vorübergehenden) Änderung des Verhaltens und von Verhaltenspotentialen, die durch Übung erfolgt.
-Durch Lernen passen wir Menschen uns unserer Umwelt an
- wir lernen, Ereignisse zu erwarten und uns auf signifikante Ereignisse wie etwa Nahrung oder Schmerz vorzubereiten (klassische Konditionierung)
- Zudem lernen wir Handlungen mit positiven Ergebnissen zu wiederholen und Handlungen mit negativen Ergebnissen zu vermeiden (operante Konditionierung)
- Gelernte Assoziationen werden oft unmerklich ausgelöst --> zum Beispiel: gibt man Menschen einen roten Stift (der mit der Markierung von Fehlern verbunden wird) anstelle eines schwarzen Stifts, werden sie beim Korrigieren von Aufsätzen mehr Fehler entdecken und schlechtere Noten geben
- Wenn wir ein Verhalten in einem bestimmten Kontext wiederholen, wird das Verhalten mit dem Kontext assoziiert. Unsere nächste Erfahrung mit dem Kontext löst dann unsere gewohnheitsbedingte Reaktion aus

Definition assoziatives Lernen: Lernen, dass bestimmte Ereignisse zusammen auftreten.
--> sowohl operante auch klassische Konditionierung sind assoziatives Lernen

Definition kognitives Denken: durch Kognitives lernen erwerben wir mentale Informationen, die unser Verhalten leiten. Der Erwerb mentaler Information durch das Beobachten von Ereignissen, anderer Menschen oder durch Sprache. --> Bsp. Beim Beobachtungslernen, eine Form des kognitiven Lernens, lernen wir aus den Erfahrungen anderer. --> wir sehen zu und lernen

Formen des Lernen:
1) freie Reproduktion
2) Wiedererkennen
3) schnellerem erneuten Lernen
Klassische Konditionierung Definition: Eine Form des Lernens, bei der ein Organismus 2 oder mehr Reize miteinander in Verbindung bringt und Ereignisse vorwegnimmt/antizipiert
bei dieser Konditionierung lernen wir 2 Reize miteinander zu verbinden und auf diese Weise Ereignisse vorwegzunehmen. Wir lernen dass ein Blitzschlag ein Signal für den darauffolgenden Donner ist und wir beginnen auf Donner gefasst zu sein wenn es in der Nähe blitzt

Beispiel Pawlows Experiment:

Neutraler Stimulus bzw. Reiz (NS; »neutral stimulus«) - in der klassischen Konditionierung ein Reiz, der vor der Konditionierung keine Reaktion auslöst.

Unkonditionierte Reaktion (UR; auch unbedingte Reaktion; »unconditioned response«) - in der klassischen Konditionierung die nichtgelernte, natürlich auftretende Reaktion auf einen unkonditionierten Stimulus (US), wie etwa Speichelfluss, wenn sich Futter im Maul befindet.

Unkonditionierter Stimulus bzw. Reiz (US; auch unbedingter Stimulus; »unconditioned stimulus«) - in der klassischen Konditionierung ein Reiz, der unkonditioniert (ungelernt) - natürlich und automatisch - eine Reaktion (UR) auslöst

Konditionierte Reaktion (CR; auch bedingte Reaktion; »conditioned response«) - in der klassischen Konditionierung die gelernte Antwort auf einen zunächst neutralen, nun jedoch konditionierten Reiz (CS).

Konditionierter Stimulus bzw. Reiz (CS; auch bedingter Stimulus; »conditioned stimulus«) - in der klassischen Konditionierung ein zunächst irrelevanter Reiz, der nach der Assoziation mit einem unkonditionierten Reiz (US) eine konditionierte Reaktion (CR) auslöst.

Ablauf Experiment:

1) Vor der Konditionierung:
- zuerst löst unkonditionierte Reiz „Futter" eine unkonditionierte Reaktion „Speichelfluss" aus
- wenn man nur den neutralen Reiz „Ton" einsetzt, passiert nichts, d.h. es wird keine Reaktion ausgelöst

2) Während der Konditionierung:
- wenn der unkonditionierte Reiz „Futter" sofort nach dem neutralen Reiz „Ton" offeriert wird, löst der unkonditionierte Reiz „Futter" eine unkonditionierte Reaktion Speichelfluss" aus

3) Nach der Konditionierung:
- Nun wird nur der neutrale Reiz „Ton" eingesetzt und löst allein eine konditionierte Reaktion „ Speichelfluss" aus; somit wird der neutrale Reiz „Ton" zu einem konditionierten Reiz

Wichtig merken:
Unkonditioniert = nicht gelernt
Konditioniert = gelernt
US = unkonditionierte Reiz oder Stimulus --> Bsp. Futter
UR = unkonditionierte Reaktion --> Bsp. Speichelfluss
CS = konditionierter Stimulus oder Reiz --> Bsp. Ton nach Konditionierung
CR = konditionierte Reaktion --> Bsp. Speichelfluss nach Konditionierung
NS = Neutraler Reiz --> Bsp. Ton (vor der Konditionierung, ohne Futter im Spiel)
1) Erwerb: ist die erste Phase der klassischen Konditionierung, das heißt die Phase, in der ein neutraler Reiz mit einem unkonditionierten Reiz gekoppelt wird, so dass der neutrale Reiz eine konditionierte Reaktion auslöst.

Die klassische Konditionierung ist eine biologische Anpassung. Sie hilft den Organismen, sich auf gute und schlechte Ereignisse vorzubereiten. Für Pawlows Hund ist der ursprünglich neutrale Ton (NS) zu einem konditionierten Reiz (CS) geworden, nachdem dieser ein wichtiges biologisches Ereignis signalisierte --> Es gibt Futter (US= unkonditionierter Stimulus)

2) Löschung: wenn der Ton immer wieder erklingt, aber dabei kein Futter gegeben wird nimmt der Speichelfluss mit der Zeit ab --> d.h. der konditionierte Reiz tritt immer noch auf; die konditionierte Reaktion, d.h. Speichelfluss (CR) nimmt ab, weil kein Futter gegeben wird
--> Wird die Glocke eine Zeit lang geschlagen, ohne, dass Essen folgt, verliert die Glocke ihre Signalwirkung.

3)Spontanerholung.
der Speicherfluss tritt spontan wieder auf wenn der Ton nach einer Pause wieder auftritt --> somit geht man davon aus, dass der Prozess der Löschung eher unterdrückt als ausgeschaltet wird --> Nach einigen Leergängen, folgt nach einem Glockenschlag wieder Essen. Die Glocke erhält die Signalwirkung zurück.

4) Reizgeneralisierung:
Tendenz, dass nach einer Konditionierung einer Reaktion bestimmte Reize, die dem konditionierten Reiz ähneln ähnliche Reaktionen hervorrufen
Bsp. der Hund reagierte nach einer Konditionierung auf den Klang eines Tons auch in gewisser Weise auf den Klang eines anderen Tons (ähnliche Töne --> führt zu gleiche Reaktion)

5) Reizgeneralisierung + Reizdiskrimination:
a) Reizgeneralisierung: Habe ich grossen Hunger, kann jedes klingeln und Läuten mich an Essen erinnern.
b) Reizdiskrimination: Gleichzeitig weiss ich, dass nur ein bestimmter Glockenton wirklich mit Essen einhergeht
1) kognitive:
Durch klassische Konditionierung werden Erwartungen geschult. Erwartung ist etwas Kognitives, etwas, was wir verinnerlicht haben. Wenn ich in der Cafeteria einen Kecks kaufen gehe, macht es mich glücklich. Das kann ich mir auch einfach vorstellen, ohne dass ich zuerst in die Cafeteria gehen und mir einen Kecks anschauen muss. Behavioristen haben abgestritten, dass Menschen eine solche «Vorstellung» bzw. ein inneres, mentales Bild haben können. Ein Mensch ist im Innern wie eine «black box». Nur äussere Reize können Verhalten auslösen: Ein Mensch empfindet nur Glück, wenn er den Kecks tatsächlich sieht oder isst und nicht bereits, wenn er sich diese Aktion vorstellt. Denken, Wahrnehmung und Vorstellung (innere Prozesse) spielen also eine wichtige Rolle, wenn es um Konditionierung geht.

2) biologische:

a) bei operante Konditionierung:
- Am leichtesten werden Verhaltensweisen gelernt und beibehalten, die biologische Veranlagungen reflektieren.
- Unnatürliche Verhaltensweisen für den Menschen sind schwierig zu lernen, weil sie nicht natürlich für den Menschen sind; somit werden diese dann wieder nachdem man für das Verhalten belohnt/bestraft wird, nicht mehr ausgeführt bzw. gemacht, weil wir instinktiv auf die natürlichen Verhaltensweisen zurückfallen. z.B. komische, unnatürliche Körperhaltungen, etc., die gegen unsere Natur sprechen
- weitere Bsp. wenn man das Verhalten eines Hamsters durch Futter verstärkt, kann man ihn leicht darauf konditionieren zu graben oder sich aufzubäumen, weil dies zu den natürlichen Verhaltensweisen dieses Tieres gehört wenn es nach Futter sucht --> aber es ist schwierig Futter als Verhaltensverstärker einzusetzen, wenn man einen Hamster zu einem anderen Verhalten veranlassen will, das normalerweise nichts mit Futter oder Hunger zu tun hat wie zum Beispiel sich das Gesicht zu putzen --> Aufgrund biologischen Veranlagungen fällt es Organismen leichter Kopplungen zu lernen, die ihrem natürlichen Verhalten nahekommen

b) bei klassischer Konditionierung:
Bsp. wenn man nach dem Konsum von Muscheln schwer krank werden würde, würde man wahrscheinlich danach nur ungern wieder Muscheln essen
- der Geruch und Geschmack von Muscheln wäre ein konditionierte Stimulus für Übelkeit geworden --> dieses Lernen erfolgt problemlos, weil unsere Biologie uns darauf vorbereitet Geschmacks Aversionen gegen giftiges Essen zu lernen --> Man hat danach eine Abneigung gegen den Geschmack und Geruch von Muscheln nicht aber gegen den Anblick des Restaurants, Teller, Geschirr, anderen Gästen oder die Musik --> die in diesem Restaurant, wo man die Muscheln gegessen hat, gehört, gesehen, etc. hat
prosozial:
- Positives und konstruktives und hilfsbereites Verhalten --> das Gegenteil von antisozialem Verhalten
- Menschen, die gewaltloses, hilfsbereites beziehungsweise prosoziales Verhalten vorleben können ähnliche Verhaltensweisen bei anderen Menschen auslösen --> z.B. Ghandi
- z.B. Möchte man das Kind zum Lesen ermutigen, sollte man selbst lesen oder dem Kind vorlesen oder sich mit Bücher oder Menschen umgeben, die gerne lesen

antisozial:
- Antisoziale Vorbilder haben auch antisoziale Wirkungen
- d.h. Beobachtungslernen hilft uns auch zu verstehen warum Eltern die ihre Kinder missbrauchen möglicherweise aggressiv Kinder haben und warum viele Männer die ihre Frauen schlagen Väter hatten, die ihrerseits ihre Frauen schlugen
- Kritiker merken an dass über Generationen hinweg übertragenen Missbrauch genetisch bedingt sein könnte
- wo es Fernsehen gibt wird es zu einer wichtigen Quelle für Beobachtungslernen
dadurch das Kinder fernsehen, lernen sie möglicherweise, dass körperliche Einschüchterung eine wirksame Methode ist um andere in den Griff zu bekommen, dass freier und leichtfertiger Sex Lust ohne spätere Reue oder Krankheit verschafft oder dass Männer harte Kerle und Frauen sanften Mädchen sein müssen

Optimale Weise um Vorbild zu sein:
Tun Vorbilder auch wirklich, was sie sagen (Kongruenz), hat das den grössten positiven Effekt. Die gewünschte Handlung wird nachgeahmt, wenn das Vorbild es vormacht. Die meisten Vorbilder wollen jedoch, dass getan wird, was sie sagen, ohne, dass sie es selbst tun, es also nicht vormachen. Das führt dazu, dass z.B. Kinder auch nur sagen, dass sie etwas tun, ohne es wirklich getan zu haben. Dieses «heuchlerische» Verhalten wird dann nachgeahmt und nicht das gesagte/ gewünschte Verhalten.
1) negative vs. positive:
a) Negative Verstärkung: Zunahme der Häufigkeit eines Verhaltens, wenn negative Reize wie z.B. ein Elektroschock nicht mehr oder schwächer dargeboten werden. Ein negativer Verstärker ist jeder Reiz, der, wenn er nach einer Reaktion entfernt wird, die Reaktion bekräftigt.
Weitere Bsp. Tabletten nehmen um Kopfschmerzen zu beenden (unangenehmer Reiz wird entfernt)

b) Positive Verstärkung: Zunahme der Häufigkeit eines Verhaltens, wenn positive Reize wie z.B. Essen dargeboten werden. Ein positiver Verstärker ist jeder Reiz, der, wenn er dargeboten wird, die Reaktion bekräftigt
Bsp. nach dem Sport/Lernen sich mit Essen belohnen (Essen = angenehmer Reiz)

2) Primär vs. Konditionierte Verstärkung
a) Primäre Verstärker: von Geburt an verstärkender Reiz, der beispielsweise ein natürliches Bedürfnis befriedigt --> diese Verstärker sind ungelernt; z.B. Nahrung erhalten, wenn man hungrig ist

b) konditionierte Verstärker: diese Verstärker sind erlernbar und wir verdanken ihre Wirkung der Kopplung mit primären Verstärkern; Sind zum Beispiel Geld, gute Noten, eine angenehme Stimme, alles was mit Belohnungen in Verbindung gebracht werden damit grundlegende Bedürfnisse befriedigt werden --> z.B. Verlangen nach Geld stammt vom Verlangen nach Nahrung
3) Sofortige vs. Verzögerte Verstärker:
- um effektiv zu sein müssen wir lernen sofortige Belohnungen zugunsten von größeren Langzeit Belohnungen aufzuschieben à zum Beispiel die Gehaltszahlung am Ende des Monats Komma auf die gute Note am Ende des Semester oder den Pokal am Ende der Fußballsaison à dies führt dazu dass man die eigenen Impulse kontrollieren kann und somit bessere soziale Kompetenz verfügen und sehr leistungsorientiert sind
- leider sind jedoch kleine aber sofortige Belohnungen manchmal verführerischer als zeitverzögerte Belohnungen (zum Beispiel die Lust spät in der Nacht fernzusehen vs. am nächsten Tag ausgeschlafen zu sein)
- für viele Jugendliche ist die sofortige Befriedigung durch risikoreichen und ungeschützten Sex in leidenschaftlichen Momenten wichtiger, als die verzögerte Befriedigung durch sichere oder aufgeschobenen Sex

4) Partielle vs. Kontinuierliche Verstärkung
a) Partielle Verstärkung: nur gelegentliche Verstärkung einer Reaktion; intermittierende Verstärkung führt zu langsamerem Erlernen einer Reaktion, ist aber deutlich löschungs-resistenter als eine Reaktion, die durch kontinuierliche Verstärkung gelernt wird

b) kontinuierliche Verstärkung: Verstärkung der erwarteten Reaktion bei jedem Auftreten
Quote:
a) ein fester Quotenplan ist ein Verstärkungsplan in der operanten Konditionierung bei dem eine Reaktion erst nach einer bestimmten Anzahl von Reaktionen verstärkt wird
b) Ein variabler Quotenplan ist ein Verstärkungsplan in der operanten Konditionierung bei dem die Anzahl der Reaktionen, die gezeigt werden, bevor eine Verstärkung gegeben wird, von einer Verstärkungsphase zur anderen variiert

Intervall:
a) ein fester Intervallplan ist ein Verstärkungsplan bei dem die erste Reaktion nach einer vorab festgelegten Zeitspanne verstärkt wird;
b) ein variabler Intervallplan ist ein Verstärkungsplan bei dem eine Reaktion in unvorhersehbaren Zeitabständen verstärkt wird

Bsp.
- Feste Quote = bitte wird gesagt, Kind bekommt daraufhin sofort ein Keks...
- Variable Quote = bitte wird gesagt, Kind bekommt manchmal Keks manchmal nicht -_> Keks kommt nicht jedes Mal wenn Bitte gesagt wird
- Festes Intervall = Kind sagt bitte, aber er bekommt kein Keks, sondern erst nach 5 Min. (jedes Mal nach ca. 5 Min. ein Keks, wenn das Kind Bitte sagt) --> ist Intervall, d.h. Verstärkung folgt nicht sofort nach Verhalten, aber dennoch ist die Zeit festgesetzt, d.h. die Zeit variiert nicht
- Variables Intervall = hier bekommt das Kind nach unterschiedlicher Zeit die Verstärkung bzw. den Keks (einmal nach 5 Min. nach dem das Kind bitte gesagt hat, dann einmal nach 30 min., dann nach 2 Min, etc.) --> Intervall aber Zeit ist nicht fest sondern variabel
- deshalb lohnt es sich beim Kind die Belohnung sofort zu geben nach dem es sich XY verhalten hat --> Steigung der festen Quote am höchsten bzw. die Anzahl der Reaktion dort am höchsten!
- die feste Quote + variable Quote sind am besten, um die Reaktion schnell zu verstärken; variable Quote ist aber löschresistenter als feste Quote
Quellenamnesie - man ordnet ein erlebtes Ereignis oder etwas, das man gehört, gelesen oder sich vorgestellt hat, einer falschen Quelle zu (auch Quellen-Fehlattribution genannt).
Zusammen mit dem Fehlinformationseffekt ist die Quellenamnesie der Ursprung vieler falscher Erinnerungen
Beispiel: Menschen wissen manchmal nicht, ob ein bestimmtes Ereignis tatsächlich stattfand, oder ob die Erinnerung aus einem Traum stammt.
Ein weiteres Beispiel: Autoren glauben ein Gedanke käme von ihnen, ohne zu wissen, dass die entsprechende Information ursprünglich von außen kam (von einer externen Quelle, einem anderen Autor, etc.)

Zu den empfindlichsten Teilen einer Erinnerung gehört ihre Quelle. So kann es passieren, dass wir einen Menschen wiedererkennen, jedoch keine Ahnung haben, wo wir ihm schon einmal begegnet sind. Fehlattributionen bilden die Ursache vieler falscher Erinnerungen. Manch- mal sind auch Autoren und Songschreiber davon betroffen. Sie halten einen Einfall für das Ergebnis ihrer eigenen kreativen Geistesarbeit, während es sich in Wahrheit um ein unbeabsichtigtes Plagiat von etwas handelt, das sie vorher gelesen oder gehört haben

Quellenamnesie kann auch Déjà-vu-Erfahrungen erklären. Zwei Drittel der Menschen haben schon einmal das flüchtige, aber äußerst eigenartige Erlebnis gehabt, dass sie irgendwann zuvor bereits »genau in dieser Situation« gewesen sein müssen. Meist passiert es relativ gebildeten, fantasievollen jungen Erwachsenen, besonders wenn sie müde oder gestresst sind. Manche fragen sich: »Wie kann ich eine Situation wiedererkennen, die ich zum ersten Mal erlebe?« Andere denken an Reinkarnation (»Das ist sicher eine Erfahrung aus einem früheren Leben«) oder an Präkognition (»Ich habe diese Szene vor meinem inneren Auge gesehen, ehe ich sie tatsächlich erlebte«).

Das Schlüsselmerkmal eines Déjà-vu scheint Vertrautheit mit einem Reiz zu sein, ohne eine klare Vorstellung davon zu haben, wo wir ihm bereits begegnet sind. Normalerweise erleben wir ein Gefühl von Familiarität (aufgrund der Verarbeitungsprozesse im Temporallappen), bevor wir uns bewusst an Details erinnern (aufgrund der Verarbeitung im Hippocampus und Frontallappen). Wenn diese Funktionen (und Hirnregionen) desynchronisiert sind, ist es möglich, dass wir ein Vertrautheitsgefühl ohne bewusste Erinnerung haben. Unser erstaunliches Gehirn versucht, Sinn in diesem so widersprüchlichen Sachverhalt zu sehen, und es entsteht das unheimliche Gefühl, dass wir einen früheren Teil unseres Lebens wieder erleben. Schließlich scheint die Situation bekannt, ohne dass wir angeben könnten, warum. Unsere Quellenamnesie zwingt uns dazu, das Beste zu tun, um einem solchen Moment Sinn zu verleihen.
Fehlinformationseffekt ) = der Einbau von irreführenden Informationen in die Erinnerung an ein Ereignis.

Imaginationseffekt = wiederholte Imagination von Handlungen und Vorfällen, die niemals eingetreten sind, kann falsche Erinnerungen heraufbeschwören

Werden wir irreleitenden Informationen ausgesetzt, neigen wir dazu, uns falsch zu erinnern. Dieser Effekt hat ein solches Gewicht, dass er auch spätere Einstellungen und Verhaltensweisen beeinflussen kann.

Da sich der Fehlinformationseffekt außerhalb unserer bewussten Wahrnehmung ereignet, ist es fast unmöglich, die suggerierten Vorstellungen aus der grösseren Menge realer Erinnerungen herauszufiltern. Selbst die wiederholte Imagination von Handlungen und Vorfällen, die niemals eingetreten sind, kann falsche Erinne-rungen heraufbeschwören. Amerikanische und britische Stu-dierende wurden gebeten, sich bestimmte Erfahrungen aus der Kindheit vorzustellen, etwa dass sie ein Fenster mit der Hand zerbrochen hätten oder dass sie eine Probe von der Haut ihres Fingers hätten abgeben müssen. Ein Viertel erinnerte sich später daran, als ob das vorgestellte Ereignis wirklich passiert wäre. Fehlinformations- und Imaginationseffekte kommen zum Teil deshalb vor, weil ähnliche Hirnbereiche aktiviert werden, wenn man etwas visualisiert und wenn man tatsächlich etwas wahrnimmt. Imaginierte Ereignisse wirken im Nachhinein auch vertrauter, und vertraute Dinge erscheinen uns realer. Je lebhafter wir uns etwas vorstellen können, desto eher wird es zu einer unserer Erinnerungen.


Beispiel Imaginationseffekt
Mehr als 5000 Leser des Slate Magazins wurden befragt, ob sie sich an verschiedene Weltereignisse erinnerten - davon drei reale und ein zufällig ausgewähltes falsches Ereignis. Als man z. B. fragte, ob sie sich an einen Handschlag zwischen Barack Obama und dem damaligen iranischen Präsidenten Ahmadinedschad erinnerten, bejahten dies 26% - obwohl es nie passiert war. à ein reales Bild und ein fake Bild von Obama
--> bei diesem Effekt ist die Unterscheidung von Realität und Fiktion nicht möglich

Beispiel Fehlinformationseffekt:
Der Unfall erschien in der Erinnerung von der einen Versuchsgruppe schwerwiegender als es wirklich gewesen war --> die Gruppe bei dem man die Frage mit «krachten» stellte, hatten in Erinnerung, dass der Unfall schlimmer war, als die Gruppe bei dem man die Frage «wie schnell fuhren sie» stellte
1) Sexueller Missbrauch ist Realität. Und er kommt häufiger vor, als wir früher angenommen haben. Auch wenn sexueller Missbrauch bei den Opfern zu einer Prädisposition für Probleme führen kann, gibt es kein typisches »Überlebendensyndrom« - d.h. keine Gruppe von Symptomen, anhand derer wir die Opfer sexuellen Missbrauchs eindeutig identifizieren könnten

2) Ungerechtigkeit ist Realität. Schuldlose Menschen wurden in manchen Fällen zu Unrecht verurteilt. Und Schuldige entzogen sich der Verantwortung, indem sie Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Ankläger säten, obwohl diese die Wahrheit erzählten.

3)Vergessen ist Realität. Viele der tatsächlich Missbrauchten waren entweder sehr jung, als sie missbraucht wurden, oder haben möglicherweise die Bedeutung dessen, was sie erlebt haben, noch nicht verstanden - unter solchen Umständen kommt Vergessen sehr häufig vor.

4) Wieder aufgedeckte Erinnerungen sind nicht ungewöhnlich. Mit einer Bemerkung oder einem Ereignis als Auslöser wecken wir alle gelegentlich Erinnerungen an längst vergessene Ereignisse, seien es angenehme oder unangenehme. Worüber viele Psychologen streiten, ist zweierlei: einmal die Frage, ob das Unbewusste manchmal schmerzhafte Erfahrungen gewaltsam verdrängt, und falls es so ist, ob solche Erfahrungen dann durch bestimmte therapeutische Techniken der Erinnerung wieder zugänglich gemacht werden können.

5) Erinnerungen aus den ersten 3 Lebensjahren sind nicht verlässlich. Wir erinnern uns nicht wirklich an Geschehnisse aus den ersten 3 Lebensjahren. Wie bereits erwähnt, besteht diese kindliche Amnesie, während unsere Gehirnstrukturen noch nicht ausreichend entwickelt sind, um die Art von Erinnerungen zu bilden, die wir später im Leben bilden werden. Deshalb sind die meisten Psychologen - klinische wie auch in der Beratung tätige - skeptisch gegenüber »wieder aufgedeckten« Erinnerungen an einen Missbrauch in der frühen Kindheit. Je älter ein Kind ist, wenn es Opfer von sexuellem Missbrauch wird, und je schwerwiegender der Missbrauch war, desto wahrscheinlicher ist es, dass er erinnert wird.

6) Erinnerungen, die unter Hypnose oder unter Medikamenteneinfluss »wieder aufgedeckt« werden, sind besonders unzuverlässig. Menschen, die in Hypnose versetzt werden, nehmen alle Arten von Suggestionen/Beeinflussungen und Mutmaßungen in ihre Erinnerungen auf, sogar Erinnerungen an »frühere Leben«

7) Erinnerungen, ob richtig oder falsch, können emotional aufwühlen. Sowohl der Ankläger als auch der Angeklagte können darunter leiden, wenn etwas, das nur durch Suggestion/Behauptung ins Leben gerufen wurde, wie ein echtes Trauma zu einer schmerzenden Erinnerung wird, die zu körperlichem Stress führen kann