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Wirtschafts- und Sozialgeschichte

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Der Kataster ist eine besitzgeschichtliche Quelle, leitet sich ab von der Quellengattung Urbar. Urbare gibt es seit ca. 1000 und sind im Hochmittelalter weit verbreitet. Es verzeichnet die Besitzungen und die daraus fließenden Einkünfte einer Grundherrschaft. Seit dem 13. Jhd. kommen auch Abgaben öffentlich-rechtlicher Natur vor, die sich auch auf fremde Liegenschaften beziehen.

Der Unterschied ist, ein Kataster enthält die der öffentlichen, behördlichen Seite zufließenden Abgaben eines umschriebenen Verwaltungsgebietes. Im Wesensmerkmal der Öffentlichkeit unterscheidet sich diese Quellengattung vom privaten Urbar. Unter Kataster versteht man im Besonderen den Grundsteuerkataster, der die Gesamtheit der für die Bemessung und Einhebung der Grundsteuer erforderlichen Einrichtungen und Behelfe darstellt.

Kataster sind Gebrauchsquellen. Die Kataster, eigentlich Grundsteuerkataster, hängen eng mit der Grundsteuer zusammen, die zu entrichten war. Um Grund besteuern zu können, musst dieser erfasst und beschrieben werden. Die betreffenden handschriftlichen Aufzeichnungen wurden Steuerbeschreibungen, Steuerbereitungen und später Kataster genannt. Besteuert wurde jener Grund, einschließlich der darauf stehenden Häuser, der landwirtschaftlichen Ertrag abwarf. Erfasst und beschrieben wurde der zu versteuernde Grund nach Gerichten, deren Sprengel als Steuerbezirke dienten. Der erste Kataster war der Vorläufer des Maria-Theresianischen Katasters (Gutswert) ab 1751, der letzte war dann das Grundbuch um 1871.

Der Franziszeischer Grundsteuerkataster der zwischen 1817 und 1866 verwendet wurde, vertrat die Idee einer gerechten, vom Stand unabhängigen Steuer. Umgesetzt wurde dies durch die Einführung einer allgemeinen Grundsteuer aufgrund wirtschaftlicher Zwangslage. War ein Steuerinstrument, die Agrar- und Bauareale waren auf Basis des jeweiligen Reinertrages unter Abschlag des Kulturaufwandes zu besteuern. Grund wurde immer mehr kapitalisiert und führte so zum Eigentumsrecht. Löste viele Vermessungsarbeiten aus.

Aus dem Kataster kann man entnehmen, die Siedlungsgeschichte (Anzahl, Bauart, Funktion, Lage der Gebäude), die Verkehrsgeschichte (Fluss-, Wege- und Straßenverläufe), die Agrargeschichte (Grobunterscheidung der Kulturarten) und die Lokalgeschichte (Form, Lage und Parzellennummern von Grundstücken).