Menschen jeden Alters wahrnehmen, beobachten und beurteilen - Patientenbeobachtung

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Patientenbeobachtung
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Patientenbeobachtung hei√üt, auf Grundlage von Fachwissen den k√∂rperlichen und psychischen Zustand des Patienten und sein Umfeld gezielt wahrzunehmen und unter Ber√ľcksichtigung seiner F√§higkeiten und seiner W√ľnsche einzuordnen.
Eine gute Patientenbeobachtung setzt ein gutes Fachwissen voraus und profitiert von Erfahrungswerten.
Beobachten ist ein aufmerksames, methodisches und zielgerichtetes Wahrnehmen, um Informationen zu gewinnen und Entscheidungen zu treffen.

Unter Patienten - Krankenbeobachtung ist die allseitige Erfassung des physischen und psychischen Zustandes des Patienten, sowie seiner sozialen Situation zu verstehen. Es wird also nicht nur nach krankhaften Veränderungen geschaut!

Die Beobachtung pflegebed√ľrftiger Menschen geh√∂rt zu den wichtigsten pflegerischen Aufgaben, da die hierbei gewonnenen Informationene die Basis f√ľr alle weiteren Schritte im Pflegeprozess darstellt.
- die Pflegebed√ľrftigkeit einzusch√§tzen und die entsprechenden Pflegema√ünahmen zu planen
- Veränderungen am Patienten festzustellen und zu beschreiben
- eine Diagnosestellung zu unterst√ľtzen
- Wirksamkeit von Therapieren und pflegerischen Ma√ünahmen zu √ľberpr√ľfen
- Komplikationen und Gefahren zu erkennen und fr√ľhzeitig abzuwehren
- W√ľnsche, Bed√ľrfnisse, Ressourcen und Probleme des Patienten zu erfassen
- eine vertrauensvolle zwischenmenschliche Beziehung auszubauen
- unnötige Kosten zu vermeiden
Subjektive Beobachtung:
--> es wird einseitig aus dem Blickwinkel der eigenen Person beobachtet und beurteilt, d. h. eine einzige Person beobachtet eine andere

Objektive Beobachtung:
--> sie ist im Gegensatz zur Subjektiven sachlich, d. h. nicht von Gef√ľhlen und Vorurteilen beeinflusst, z. B. mit Skalen, Checklisten, Hilfsmittel

Fremdbeobachtung:
--> ist ein planm√§√üiges, systematisches, strukturiertes Betrachten eines Ereignisses au√üerhalb der eigenen Person. Ist die Beobachtung eines anderen Menschen, seines Verhaltens und seines √Ąu√üeren

Selbstbeobachtung:
- ist im Gegensatz zur Fremdbeobachtung auf den eigenen Bewusstseinsablaut gerichtet. (Introspektion), z. B. wird ein kleiner Bereich unseres allt√§glichen Lebens herausgegriffen und f√ľr eine gewisse Zeit genauer beobachtet, um die Aufmerksamkeit und Wahrnehmung zu sch√§rfen und Dinge auf eine neue Weise sehen zu lernen
- eigene körperliche und geistige Befindlichkeit
- Sympathie bzw. Antipathie zwischen Patient und Pflegende
- durch Fokussierung auf bestimmte Beobachtungsmerkmale
- mangelndes Fachwissen
- Halo Effekt: z. B.: ist jemand in einer sportlichen Disziplin wie Schwimmen extrem gut --> wird als aportlich begabt angesehen. Unabhängig von der Tatsache, dass ein guter Schwimmer noch lange kein hervorragender Läufer sein muss.
- logischer Fehler: Mensch mit Leberzirrhose -_> automatisch Alkoholiker; attraktive Menschen --> haben mehr Erfolg im Beruf
- Kontrastfehler: Wer lächelt ist auch ehrlich. Wer blond ist, ist dumm.
- Erwartungsfehler = Vorurteile: z. B. das Bild einer Person richtet sich nach dem ersten Eindruck)

Eine zuverl√§ssige (reliable) Beobachtung muss allerdings nicht zwangsl√§ufig auch G√ľltigkeit besitzen (Validit√§t).

Beispiel: ein w√ľtender, schimpfender und verbal aggressiver Patient muss nicht zwangsl√§ufig w√ľtend und aggressiv sein, es kann auch ein Ausdruck von Angst oder Trauer sein. Im Gespr√§ch sollte deshalb nach der tats√§chlichen Befindlichkeit sensibel gefragt werden.
Die systematisce Beobachtung in der Pflege richtet sich nach bestimmten Kriterien und Fragestellungen:

- Zeitpunkt (Wann erfolgt Beobachtung?)
- Hilfsmittel (Womit erfolgt Beobachtung?)
- Systematik (Wie erfolgt Beobachtung?)

Hilfsmittel: Die grundlegende Krankenbeobachtung findet durch unsere Sinnesorgane statt. Teilweise sind jedoch zusätzliche Hilfsmittel notwendig. Zur Strukturierung und Sicherstellung einer umfassenden und exakten Beobachtung sind gegebenenfalls Assessmentinstumente, Checklisten zu nutzen:
- Einsatz der Sinnesorgane
- Informationen von Paitenten und ihren Angehörigen
- Anwendung spezifischer Instrumente
- Anwendung spezifischer Teststreifen
- Informationen aus dem Pflegeteam und der Dokumentation
- Anwendung von Skalen und Checklisten

Skalen:
--> Braden-Skala zum Einschätzen des Dekubitusrisikos, Glasgow-Koma-Skala zur Beurteilung der Bewusstseinslage, Numerische Rangskala zur Beurteilung der Schmerzitensität usw.
Checklisten:
--> z. B. basierend auf die menschlichen Aktivitäten des täglichen Lebens (LA oder ATL).

Die menschlichen Aktivitäten sind in 12 Lebensaktivitäten unterteilt:
1. f√ľr eine sichere Umgebung sorgen
2. kommunizieren
3. atmen
4. essen und trinken
5. ausscheiden
6. sich sauberhalten und kleiden
7. die Körpertemperatur regulieren
8. sich bewegen
9. arbeiten und spielen
10. sich als Mann und Frau f√ľhlen und verhalten
11. schlafen
12. sterben
--> Anhand dieser Kategorien k√∂nnen Beobachtungen sowohl der gesunden als auch der beeintr√§chtigten Anteile eines Menschen durchgef√ľhrt und der Pflegebedarf eingesch√§tzt werden.

Die Messinsrumente, mit deren Hilfe Daten erhoben werden, m√ľssen reliabel (zuverl√§ssig) und valide (g√ľltig) sein.
Mit dem Begriff Allgemeinzustand wird die allgemeine körperliche, geistige und seelische Verfassung eines Patienten und die Auswirkung auf seinen Alltag beschrieben. Der AZ beschreibt den Eindruck, den ein Mensch bei einer Betrachtung, z. B. bei einem Aufnahmegespräch hinterlässt.
Die Beobachtung des AZ erstect sich auf vier Beobachtungsbereiche, bei deren Beurteilung und Bewerung aktuelle Situation, das Alter und vorhandene Bew√§ltigungsstargien ber√ľcksichtigt werden m√ľssen, um die Bedeutung der Situationen f√ľr den betroffenen Menschen erkennen zu k√∂nnen.

1. Erscheinungsbild:
- Alter
- körperliche Befassung
- Bekleidung
- persönliche Hygiene
- Hautfärbung

2. kognitive Fähigkeiten
- Bewusstsein
- Stimmung
- Denken
- Orientierung

3. Kommunikation
- Sprache
- Hören
- Sehvermögen

4. Mobilität:
Nach der Bewertungstabelle der WHO-Skala gibt es f√ľr Abstufungen der Aktivit√§t:
0: Patient ist in der Lage, ohne Einschr√§nkungen alle normalen Aktivit√§ten auszuf√ľhren
1: Patient ist bei physisch belastenden Tätigkeiten eingeschränkt, jedoch mobil und in der Lage, leichte Arbeiten zu verrichten
2: Patient ist mobil und kann sich selbst versorgen, jedoch keinerlei Arbeiten verrichten, die mehr als 50% der Wachstunden ausmachen
3: Patient ist nur eingeschränkt fähig, sich selbst zu versorgen; er verbringt mehr als 50% der Wachstunden im Liegen oder Sitzen
4: Patient ist vollständig behindert, kann sich nicht selbst versorgen und ist ortsfixiert beziehungsweise bettlägrig

Bewertung des Allgemeinzustandes:
- guter Allgemeinzustand
- reduzierter Allgemeinzustand
- schlechter Allgemeinzustand
1. HautDie Haut ist deas gr√∂√üte Organ des K√∂rpers Schichten: (Abbildung) 3 Schichten: - Oberhaut (Epidermis): Sie wird aus von unten nach oben verhornendem, mehrschichtigem Plattenepithel gebildet. Die Epidermis wird in zwei Schichten unterteilt. Die oben liegende Hornschicht und die basal liegende Keimschicht, die st√§ndig neue Hornzellen produziert und die √§lteren Epithelien nach oben dr√§ngt, die sich abschuppen. - Lederhaut (Korium): Die Lederhaut, auch Geflechtschicht genannt, wird aus einem Bindegewebsgeflecht mit elastischen Fasern gebildet. Dadurch erh√§lt sie ihre Dehnbarkeit und ist rei√üfest. - Unterhaut (Subkutis): Sie besteht aus lockerem Bindegewebe mit Fetteinlagerungen. Sie enth√§lt Haarbalge, Schwei√üdr√ľsen und Rezeptoren f√ľr die Vibrationsempfindungen und die Tiefensensibilit√§t.1.1 Hauttypen- Fette Haut: ist das Ergebnis eienr √úberproduktion der Talgdr√ľsen, die h√§ufig noch durch eine verst√§rkte Schwei√übildung und Hautunreinheiten begleitet wird. Insgesamt sieht diese Haut grobporig und gl√§nzend aus. (seborrhoische Haut) - Trockene Haut: entsteht durch eine verminderte Talgproduktion. Die Haut sieht trocken und spr√∂de aus und neigt zu Einrissen. Sehr trockene Haut ist schuppig und f√ľhlt sich rauh an. (sebostatische Haut) - Mischhaut: besteht aus fettigen und trockenen Anteilen. Im Gesicht ist der fette Anteil T-f√∂rmig angeordnet, d. h. Stirn, Nase und Kinn sind fett, die Wange und Schl√§fen dagegen trocken. !Die Bestimmung des Hauttypsy hat gro√üe Bedeutung f√ľr die Hautpflege!1.2 Beobachtungskriterien1.2.1 Hautalter- Kinderhaut: fettarm, wasserreich, empfindlich, reagiert stark auf √§u√üere Reize wie Wind, Sonne und K√§lte - Jugendliche: unausgeglichene und oft gesteigerte Talgdr√ľsenproduktion - Erwachsene: fettige, trockene oder Mischhaut - Greis: trocken, d√ľnnere Oberhaut und Bindegewebe, fett- und wasserarm mit Pergamenthaut, Falten und Altersflecken1.2.2 HautfarbeBei der Beurteilung der Hautfarbe k√∂nnen physiologische Hautr√∂tung, physiologische Hautbl√§sse, strichf√∂rmige Ver√§nderungen, Hautbr√§une sowie Blau- und Gelbf√§rbung unterschieden werden. - Bl√§sse --> Hypotonie, Schock, peripherer Verschluss, An√§mie, Albinismus - R√∂tung --> Fieber, RR hoch, Verbrennungen, Dekubitus, Hautausschl√§ge - Blauf√§rbung --> Zyanose, chron. Lungenerkrankungen, Herzerkrankungen am ehesten zu sehen an folgenden Bereichen: Lippen, Fingern√§geln - Gelbf√§rbung --> Ikterus: Leber- und Gallenerkrankungen - Bronzehaut --> bei chron. Nierenisuffizienz - marmoriert und fahlblass --> bei Sterbenden1.2.3 Hautspannung = HautturgorDie Spannung der Haut (Turgor) ist von der Wasserbindungsf√§higkeit, vom Anteil Fettgewebe und vom Gehalt an elastischen Bindegewebe abh√§ngig. - erniedrigt --> Exsikkose, gro√üem Gewichtsverlust - erh√∂ht --> begrenzt: Schwellung, Tumor, H√§matomen; fl√§chenhaft: √Ėdemen1.2.4 HauttemperaturDie Temperatur (28 und 32¬įC) der Haut ist von √§u√üeren Einfl√ľssen abh√§ngig, aber ungeeignet zur Einsch√§tzung von Fieber. - erh√∂ht --> Fieber, Hautentz√ľndungen, Schilddr√ľsen√ľberfunktion - erniedrigt --> Unterk√ľhlung, RR niedrig, Durchblutungsst√∂rungen1.2.5 Hautoberfl√§cheDie normale Hautoberfl√§che ist glatt, weich und frei von Defekten. M√∂gliche Ver√§nderungen: - Entz√ľndungen - allergische Reaktionen der Haut - Wunden und Verletzungen - Hautblutungen und H√§matome - Tumore - Zirkulationsst√∂rungen - Parasiten - Effloreszenzen (Hautbl√ľten) - prim√§r: Fleck, Quaddel, Kn√∂tchen, Knoten, Knolle, Bl√§schen, Eiterbl√§schen, Zyste, Blase - sekund√§r: Abszess, Kruste, Schorf, Narbe, Schuppe, Schrunde, Ulkus, Rhagaden, Hautverd√ľnnung (Atrophia), Riss1.2.5 a) Schleimhaut (Tunica mucosa)Die schleimh√§ute bedecken die innere Oberfl√§chen der Verdauungsorgane, der Harn- und Atemwege, der Geschlechtsorgane, des Mittelohrs ud der Bindehaut. Sie sondern meist Schleim ab, auch Mikos genannt. Schleimh√§ute bestehen aus mindestens zwei Schichten: einer √§u√üeren verhornten Epithelschicht und einer Bindegewebsschicht.1.2.5 b) HautanhangsgebildeDie aus der Haut entstandenen Hautanhangsgebilde sind Haare, Hautdr√ľsen und N√§gel. Haare sind nicht nur Schmuck, sie habe nauch Schutzfunktionen. N√§gel sch√ľtzen schmerzempfindliche Gewebe und erm√∂glichen das Tasten. Die Schwei√üdr√ľsen dienen der Temperaturregulierung und der Bildung des S√§ureschutzmantels der Haut. Die Talgdrpsen produzieren Fett f√ľr Haut und Haare. Die Duftdr√ľsen sind f√ľr den K√∂rpergeruch eines Menschen verantwortlich.1.2.6 N√§gelFinger- udn evtl. Fu√ün√§gel werden im Routinebereich des Krankenhauses meist nur dann kritisch betrachtet, wenn es um die Festlegung einer Zyanose (Narkose, Gipsverb√§nde, usw.) geht oder gepr√ľft wird, ob sie wieder einmal geschnitten oder gepflegt geh√∂ren. Durch h√§ufig schlechte Nagelpflege, besonders im Bereich der Fu√ün√§gel, wird anderweitig, weniger auff√§lligen Ver√§nderungen meist wenig Beachtung geschenkt.1.2.7 Schutz- und Tastfunktion1) Physiologische N√§gel: - rosig - glatte Hornplatten - fest - U-f√∂rmig - leicht quergew√∂lbt 2) Pathologische N√§gel: - Uhrglasn√§gel, meist kombiniert mit Trommelschl√§gelfinger bei Herz-Lungen-Erkrankungen, die mit Sauerstoffmangel einhergehen - L√∂ffeln√§gel (weich nach innen gew√∂lbt) bei An√§mie - br√ľchig, spr√∂de --> bei Vitaminmangel und Kalzium-Eisen-Mangel - wei√üe Flecken --> bei Mangel an Spurenelementen - quer- und L√§ngsrillen bei Pilzbefall oder Ekzem - Entz√ľndungen aufgrund eingewachsener N√§gel - Krallenbildung aufgrund mangelnder/fehlender Nagelpflege 3) Farbver√§nderungen - Bl√§ulich --> Durchblutungsst√∂rungen und H√§matome - Gelblich --> Nikotin - Schwarz --> Nekrosen1.2.8 HaarePhysiologische Haare - glatt - gl√§nzend - vital - Sprungkraft Pathologisch - extrem fett - extrem trocken - Schuppen - Entz√ľndung der haarwurzel - Haarausfall (Vitaminmangel, Hormonst√∂rung, Medikamente2. UrinAls Urin oder Harn wie die bei Menschen von Nieren durch die Hanwege abgewonderte Fl√ľssigkeit bezeichnet.2.1 Bestandteile des Urins- Wasser 95-98% - Harnstoff, -s√§ure, Kreatinin - organische und anorganische Salze (Ammoniak, Kalzium, Kalium, Phosphor, Sulfate) - organische S√§uren - Farbstoffe (Urobilinogen, Urochrome = gelber Harnstoff - Hormone - wasserl√∂sliche Vitamine2.2 Normwerte des Urins- Menge an Urin pro Tag: 1,5-2l - Menge pro Miktion: 200-400ml - pH-Wert (Grad der sauren bzw. basischen Reaktion eines Stoffes) ca. 5-6 (schwach sauer) - Farbe: Hell bis dunkel gelb und klar (bernsteinfarben) - Geruch: unauff√§lig - Beimengungen: keine - spezifische Gewicht zwischen 1.001 und 1.035 g/l2.3 Kriterien der Urinbeobachtungen- Farbe - Geruch - Miktion - Beimengungen - Menge - Zusammensetzung - spezifisches Gewicht - chemische Reaktion2.4 Pathologische Ver√§nderungen des Urins2.4.1 Pathologische Bestandteile- Zucker: Glucosurie (bei Diabetes mellitus) - Eiwei√ü: Proteinurie (Harnwegsinfektionen) - Bakterien: Bekteriurie (Urogenitalinfektion) - Ketonk√∂rper: Ketonurie (bei Diebetes mellitus) - Blut: H√§maturie (Defekte/Infektionen im Urogenitaltrakt) - Zylinder: Zylinderurie (Infektion) - Bilirubin: Bilirubinurie - H√§moglobin: H√§moglobinurie - Leukozyten:Laukozyturie (Infektionen im Urogenitalsystem) - Pyurie: Eiterbeimengung Viele pathologische Zusammensetzungen des Urins und pathologische Beimengungen k√∂nnen nur mit Hilfe von Labortechnischen Untersuchungen oder Teststreifen festgestellt werden. Bei den Teststreifen handelt es sich i. d. R. um Schnellteste (Uristix/Multistix) Folgende Parameter k√∂nnen hierbei untersucht werden: - Leukozyten - Blut - Keton/Nitrit - spezifisches Gewicht - Urobilinogen - pH-Wert - Bilirubin - Proteine (Eiwei√ü) F√ľr Untersuchungen wird bevorzugt der Mittelstrahlharn des Morgenurins benutzt, da dieser die enthaltenen Stoffe in gr√∂√üerer Konzentration enth√§lt als tags√ľber gewonnener. Die Teststreifen werden in frischen Urin eingetaucht, sodass alle Reaktionszonen befeuchtet werden. Nach der angegebenen Wartezeit wird der Teststreifen zum Vergleich an die Ableseskala gehalten, das Ergebnis ermittelt und dokumentiert.2.4.2 Pathologische UrinfarbeR√∂tlich bis fleischfarben, tr√ľb: - Nierensteine, Tumore/OPs/Verletzungen im Urogenitaltrakt oder Genitaltrakt R√∂tlich bis schw√§rzlich, ohne Tr√ľbung: - Transfusionszwischenf√§lle, H√§molyse Bierbraun bis gr√ľndlich; Schwarz mit gelbem Sch√ľttelschaum: - Beimengungen von Bilirubin, Hepatitis, Leberzirrhose Schlierig, flockige Tr√ľbung, milchig: - Beimengungen von Granulozyten bei eitrig- entz√ľndlichen Erkrankungen des Urogenitalsystems, Nierenbeckenentz√ľndung --> Farbver√§nderungen k√∂nnen auch durch verschiedene Speisen (Rote Beete, Rhabarber) und Medikamente hervorgerufen werden.2.4.3 Pathologischer UringeruchAmmoniakgeruch: - bei l√§ngerem Stehen lassen durch Zersetzung von Harnstoff √úbelriechend, s√§uerlich: - Bakterielle Infektion der Harnwege √úbel, faulig riechen: - zerfallende Blasentumore Obstartig, s√ľ√ülich: - Diabetes mellitus2.5 UrinmengenPolyurie: - wesentlich mehr als 2000ml Harn innerhalb des Zeitraums von 24h - hellgelb - Physiologisch: erh√∂hte Fl√ľssigkeitszufuhr, Alkoholgenuss Oligurie: - weniger als 500ml/24h - dunkelgelb-braun - Physiologisch: ungen√ľgende Fl√ľssigkeitszufuhr, erh√∂hte Fl√ľssigkeitsverluste (Schwitzen) Anurie: - weniger als 100ml/24h2.6 Miktionsst√∂rungenMit Miktion wird der Vorgang der Blasenentleerung, die Urinausscheidung, bezeichnet. Pollakisurie: - h√§ufiger Harndrang u. Entleerung von kleinen Urinmengen, wobei die ausgeschiedene Menge √ľber 24h normal ist. Algurie/Dysurie: - schmerzhafte und erschwerte Harnentleerung Strangurie: - schmerzhafter Harnzwang, starke Schmerzen bei der Miktion mit nicht zu unterdr√ľckendem Harndrang Harnverhalt: - unvollst√§ndige Entleerung der Harnblase Restharn: - Physiologische Menge: 0-30ml nach der Miktion in der Blase verbleibender Urin Nykturie: - vermehrtes, n√§chtliches Wasserlassen2.7 HarninkontinenzUnter Harninkontinenz wird die Unf√§higkeit zur Steuerung der Blasenentleerung verstanden. Formen: - Stressinkontinenz - Dranginkontinenz - Neurogene Inkontinenz - √úherlaufinkontinenz - Extraurethrale Inkontinenz - Funktionelle Inkontinenz - Iatrogene Inkontinenz3. StuhlStuhl ist das Endprodukt der Verdauung bzw. der eingedickte und durch Bakterien zersetzte, unverdauliche Rest des Nahrungsbereichs.3.1 Def√§kationVorgang der Stuhlentleerung, bei dem die unverdaulichen Nahrungsbestandteile ausgeschieden werden. Die Def√§kation stellt den letzten Teil der Verdauung dar.3.2 Bestandteile- 75% Wasser - Nahrungsreste (z. B. Cellulose) - Darmbakterien - Schleim und Salze - Gallenfarbstoff - Abgesto√üene Epithelien der Darmschleimhaut3.3 Beobachtungskriterien- Def√§kation - Menge - H√§ufigkeit/Def√§kationsfrequenz - Konsistenz - Farbe - Geruch - Beimengungen3.4 FarbePhysiologisch = mittelbraun nicht pathologische Farbver√§nderungen: - gr√ľn --> Chlorophyl z. B. in Spinat, Salat - rot --> rote Beete - schwarz --> eisenhaltiges z. B. in Lakritz, Holunderbeeren, Eisenpr√§parate - dunkelbraun --> nach gr√∂√üeren Mengen Fleisch - hellbraun, hellgelb --> Milch, Eier - hell, wei√ü --> Bariumbrei pathologische Farbver√§nderungen: - schwarz --> Teerstuhl; Blut im Stuhl (Melaena) aus oberem Verdauungstrakt (Magen Speiser√∂hre) - grau gl√§nzend --> Pankreatitis - grau salbenartig --> Fettresorptionsst√∂rung - lehmfarben - acholisch --> Fehlen von Gallensaft - gr√ľn --> Salmonelleninfektion3.5 Konsistenz- homogene, breiig-feste Masse - bei eiwei√üreicher Ern√§hrung: fest - kohlenhydratreicher Ern√§hrung: weich pathologische Ver√§nderung der Konsistenz: - weich, fl√ľssig/w√§ssrig, breiig, d√ľnnfl√ľssig - fest, knotig (Obstipation) - schafkotartig (Spasmen) - erbsenbrei√§hnlich (Thyphus abdominalis) - reiswasser√§hnlich (Cholera) - himbeergeleeartig (Am√∂benruhr) - bleistiftartig (Stenosen im Rectum) - volumin√∂s (Pankreatitis) - schleimig - blutig (Colitis ulcerosa) - Mekonium - Kindspech (1. Stuhl des Neugeborenen) Typ 1: einzelne fest Kugelchen (schwer auszuschneiden) Typ 2: Wurstartig, klumpig Typ 3: Wurstartig mit rissiger Oberfl√§che Typ 4: Wurstartig mit glatter Oberfl√§che Typ 5: Einzelne weiche, glattrandige Kl√ľmpchen, leicht auszuscheiden Typ 6: Einzelne weiche Kl√ľmpchen mit unregelm√§√üigem Rand Typ 7: Fl√ľssig, ohne feste Bestandteile3.6 St√∂rungen der StuhlentleerungDiarrh√∂: --> eine h√§ufige, √ľber die Norm gesteigerte Stuhlentleerung mit mehr als 3/Tag, die zudem eine w√§ssrige bis breiige Konsistenz besitzen und ein Gewicht √ľber 250g/Tag haben, wird als Durchfall oder Diarrh√∂ bezeichnet. Obstipation: --> verz√∂gerte Ddarmentleerung mit geringer Stuhlfrequenz (alle 3-4 Tage), harter Stuhlkonsistenz und damit verbundener Beschwerden.4. SputumDie Schleimh√§ute des Mundes, der Nase, des Rachens und der gesamten Luftwege produzieren beim Gesunden ein schleimiges Sekret, das die Schleimh√§ute befeuchte und in normaler Menge unbemerkt bleibt. Sputum ist aus pathologischen Gr√ľnden vermehrt gebildetes Sekret. Meist handelt es sich um Sekrete der unteren Atemwege. (Speichel ist kein Sputum!!!) Beobachtungskriterien: - Menge - Farbe - Geruch - Konsistenz - Zusammensetzung - Zeitpunkt des Auswurfes4.1 Pathologische Ver√§nderungen- z√§h-/fadenziehendes, glasiges Sputum --> z. B. bei Asthma bronchiale - wei√ülich, vor allem morgen --> chronische Bronchitis durch Rauchen auch "Raucherhusten" - gelblich oder gelbgr√ľn -eitriger Auswurf mit oft leich s√ľ√ülichem Geruch ist Hinweis auf bakterielle Infektion der Atemwege z. B. bei eitriger Bronchitig oder Lungenabszess --> je gelblicher die Farbe des Sputums, desto h√∂her die Beimengung von Eiter (Pus), d. h. von zerfallenden Granulozyten. Ein eitriges Sputum weist auf das Vorhandensein einer bakteriellen Atemwegsinfektion hin. - d√ľnnfl√ľssiges oder schaumiges, leicht blutiges Sputum z. B. bei akutem Lungen√∂dem - rotbraune Verf√§rbung deuten auf Blutbeimengungen hin5. K√∂rperhaltungAls K√∂rperhaltung wird die Lage des menschlichen K√∂rpers in Abh√§ngigkeit von der Schwerkraft bezeichnet. Die K√∂rperhaltung eines Patienten kann zahlreiche Aufschl√ľsse √ľber seinen Gesundheitszustand geben. Aus der Haltung heraus lassen sich Atembeschwerden ebenso ablesen wie Schmerzen oder psychische Faktoren. Die K√∂rperhaltung ist wie die anderen Elemente der K√∂rpersprache Mimik, Gestik, Gang, Stimme und Sprache h√§ufig Ausdruck der emotionalen Stimmung eines Menschen.5.1 Abweichungen bedingt durch- Haltungsst√∂rungen (angeborene, erworbene und strukturelle) - Haltungssch√§aden (Skoliose, Kyphose, Lordose, Gibbus, Flachr√ľcken) - Zwangs- und Schonhaltungen - Kontrakturen5.2 Haltungsst√∂rungenUnter dem Begriff werden Abweichungen von der Neutral-Null-Stellung des K√∂rpers zusammengefasst, wobei man zwischen angeboren und erworben unterscheidet. Gibbus: - spitzwinkliger Buckel als Folge einer Knickung der Wirbels√§ule Skoliose: - seitliche Verbiegung der Wirbels√§ule mit einer Drehung der einzelnen Wirbelk√∂rper; Gleichzeitig kommt es zu einer Versteifung der Wiirbels√§ule in dem Bereich Kyphose: - verst√§rkte, dorsale konvexe Kr√ľmmung der Brustwirbels√§ule Lordose: - verst√§rkte Kr√ľmmung der Wirbels√§ule nach vorn konvex und zwar meist im Lendenabschnitt (Muskel- und Gelenkverk√ľrzungen bei Schonhaltungen)6. Bewegung6.1 Beobachtungskriterien- Beweglichkeit - Koordination - Zielgerichtetheit - K√∂rperschema Die gesunde, normale Beweglichkeit ist durch einen leichten, reibungslosen Ablauf von Bewegungen ohne Beschwerden gekennzeichnet. Der gesunde Mensch bewegt seine Skelettmuskulatur willk√ľrlich und leicht, seine Bewegungsabl√§ufe sind koordiniert, harmonisch, zielbewusst und haben einen Sinn. Die F√§higkeit seinen K√∂rper empfindungsgem√§√ü, d. h. sowohl bezogen auf die "Grenzen seines K√∂rpers", als auch lokalisatorisch, d. h. seine "Lage im Raum", richtig erfahren zu k√∂nnen, wird als K√∂rperschema bezeichnet.6.2 Ein intakter Bewegungsapparat erm√∂glicht folgende 6 Hauptbewegungen:1. Flexion (Beugung) 2. Extension (Streckung) 3. Abduktion (Abspreizen) 4. Adduktion (Anziehen) 5. Innenrotaion (Innendrehung) 6. Au√üenrotation (Au√üendrehung)6.3 Pathologische Ver√§nderungenSt√∂rungen der Beweglichkeit - verminderte Beweglichkeit - L√§hmungen - Plegie: vollst√§ndige - Parese: unvollst√§ndige - Mono: eine Extremit√§t - Paro: zwei Extremit√§ten - Hemi: eine K√∂rperh√§lfte - Hypokinesen (Bewegungsarmut) - Akinesen (starke Bewegungsarmut) - Hyperkinesen (gesteigerte Beweglichkeit) - Kr√§mpfe St√∂rungen der Koordination und zielgerichtet - Hypometrie - Ataxie - Stereotypie St√∂rungen des K√∂rperschemas - z. B. bei Anorexia nervosa7. GangMit der Beobachtung von K√∂rperhaltung udn Bewegung ist auch der Gang eng verbunden. Ebenso wie diese beiden Bereiche kann er als ein nonverbales Ausdrucksmittel f√ľr die physische und psychische Verfassung eines Menschen angesehen werden. Be der Beobachtung und Einsch√§tzung der K√∂rperbewegung und der psychischen Verfassung eines Menschen ist der Gang ein wichtiges zus√§tzliches Beobachtungskriterium.7.1 Beobachtungskriterien- schrittweise - Schrittgeschwindigkeit - Bewegung beim Start und Anhalten - Bodenkontakt und Abrollen der F√ľ√üe und Zehen - Bewegung in den gro√üen Gelenken - Fu√üwinkel (Au√üenrotation, Innenrotation) - 180¬į-Wende (ben√∂tigte Schrittzahl) St√∂rungen des Gangs werden Dysbasien genannt und lassen R√ľckschl√ľsse auf Stimmung, Behinderung oder Erkrankung eines Menschen zu. Ver√§nderungen des Gangbildes k√∂nnen auf folgende Zust√§nde bzw. Erkrankungen hinweisen: - Nachl√§ssigkeit - schlechte Angewohnheit - M√ľdigkeit - psychische Erkrankungen wie z. B. Depressionen, Schizophrenie - physische Erkrankungen aufgrund neurologische oder orthop√§discher Ursachen wie z. B. M. Parkinson, Bandscheibenvorf√§lle Die Gangunf√§higkeit wird als Abasie bezeichnet. Klinisch k√∂nnen sich Gangst√∂rung in sehr unterschiedlicher Weise √§u√üern, z. B. durch - Humpeln - Hinken - Nachziehen eines Beines - inkomplette Fu√ühebung beim Gehen mit Schleifen der Zehe auf dem Boden - schlurfenden Gang - unsicheren Gang mit Fallneigung - Abkippen zu einer Seite w√§hrend des Gehens - Fehlende Kniebeugung beim Gehen. Das Bein wird gestreckt im Halbkreis nach vorn gezogen.7.2 Spezielle Gangst√∂rungenEinige Gangst√∂rungen tragen aufgrund ihres charakteristischen klinischen Bildes Eigennamen: - Trendelenburg-Gang - watschelndes Gangbild bei H√ľftgelenkserkrankungen; bei L√§hmung des mittleren Ges√§√ümuskels - duchenne Hinken - Seitneigung des Rumpfes zum (betroffenen Standbein) - hinkendes Gangbild bei Gelenkversteifungen oder Schmerzen - besonders Knie- oder Sprunggelenk - kleinschrittiges (trippelndes) Gangbild - bei Parkinson-Syndromen - Wernicke-Mann-Gangbild bei spastische Halbseitenl√§hmung (Hemiparese), meist nahc Schlaganfall - cerebell√§res Gangbild bei St√∂rungen der Kleinhirnfunktion - "wie betrunken" - "Steppergang" bei Peroneusl√§hmung oder bie bestimmten Bandscheibenvorf√§llen8. Mimik und GestikKommunikation ist ganzheitlich, d. h. der sprachliche Inhalt wird stimmig von K√∂rpersprache, Mimik, Gestik und Haltung begleitet. Im Gegenzug wreden K√∂rpersprache, Mimik und Gestik der Patienten mit in die Kommunikation einbezogen. - Mimik = Gesichtsausdruck - Gestik = Bewegungen des K√∂rpers, v. a. Arme Mimik und Gestik, als nonverbale Ausdrucksm√∂glichkeiten des Menschen, verm√∂gen ofr mehr zu beschreiben, als das, was verbal ausgesagt wird. Mimik und Gestik geh√∂ren zu den subjektiven Beobachtungskriterien. Die Stimmung und Gef√ľhlslage eines Menschen kann an seinem Gesichtsausdruck abgelesen werden. Bei der Beobachtung der Gestik spielen kulturelle Einfl√ľsse und individuelle Besonderheiten eine Rolle. Einschr√§nkungen in Mimik und Gestik beeinflussen die Kommunikations- und Beziehungsf√§higkeit eines Menschen.8.1 St√∂rungen der MimikHypomimie: - eine herabgesetzte bzw. reduzierte Mimik nennt man in der Medizin Hypomimie. Fehlt die Mimik v√∂llig, spricht man von Amimie. Eine Hypomimie findet sich zum Beispiel bei Depressionen, Morbus Parkinson (Masengesicht)... Hypermimie: - eine gesteigerte bzw. √ľbernormla lebhafte Mimik hei√üt Hypermimie. Sie kann sich - vor allem perioral - als feines mimisches "Beben" √§u√üern oder sich im Extremfass bis zu einem unkontrollierten, karikaturhaften Verziehen des Gesichts steigern. Dann sprich man vom "Grimassieren". Hypermimien findet man unter anderem bei: Chorea Huntington, Schizophrenie, motorischen Tics