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Doch woher wissen wir, dass die gesamte Architektur der Welt göttlichen Ursprungs ist? In fünf Schritten demonstriert Thomas, dass sich unsere Welt ohne Gott nicht erklären lässt. Das erste Argument für die Existenz Gottes ist die Bewegung. Überall in der Welt entsteht und vergeht etwas, und aus Möglichkeiten wird Wirklichkeit. Doch wo liegt der Ursprung dieser Bewegung? Wer hat sie angestoßen? Mit Aristoteles spricht Thomas hier vom »unbewegten Beweger«, und das kann niemand anderes sein als Gott. Sehr ähnlich ist Thomas' zweites Argument, nämlich die Kausalität. Alles in der Welt geschieht nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Doch was ist die Erstursache, die ihrerseits unverursacht ist? Auch das, so Thomas, kann nur Gott sein. Das dritte Argument dreht sich um die Existenz des Zufälligen. Woher kommen die vielen zufälligen Dinge in der Welt? Es könnte doch genauso gut sein, dass es sie nicht gibt? Immerhin gibt es sie aber, und das nicht ohne einen Grund. Jedes zufällige Sein existiert aus einem anderen Sein heraus, von dem es sich ableitet. Auch hier gelangen wir am Ende zu einem unzufälligen Sein, dem alles andere Sein seine Existenz verdankt, nämlich Gott. Bei seinem vierten Argument kommt Thomas darauf zu sprechen, dass sich die Dinge in der Welt danach abstufen lassen, wie gut, schön oder wahr sie sind. Wie aber sollte dies möglich sein, wenn es von allem kein Optimum gibt, wovon wir sie abstufen? Dieses Optimum aber lässt sich in unserer Sinnenwelt nicht finden und kann deshalb nur Gott sein. Alle diese Argumente erklären, warum es den Kosmos, so wie er vorhanden ist, gar nicht geben könnte ohne Gott. Wir nennen sie deshalb »kosmologische Gottesbeweise«. Doch Thomas fällt, im Rückgriff auf Aristoteles, noch ein anderes, etwas weiter gehendes Argument ein, nämlich ein »teleologischer Gottesbeweis«. Wie Aristoteles gezeigt hat, ist die Natur zweckmäßig eingerichtet. Lebewesen sind perfekt an ihre Umwelt angepasst, und auch die Physik und die Chemie stecken voller intelligenter Gesetze und Abstimmungen. Wie aber sollte eine solche Ordnung möglich sein ohne eine überragende Intelligenz, die sich all dies ausgedacht hat? Ohne einen ordnenden Geist, der Zwecke, Ziele, Entwicklungen und Vervollkommnung bestimmt, so Thomas, wäre dies nicht möglich. Und diesen ordnenden Geist nennen wir Gott.